Mein Arbeitsplatz

Kompetenzen der Eltern nutzen

Zusammenarbeit fördern

von Wilfried W. Steinert

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Worum es geht

Die Eltern unserer Schule können wir uns nicht aussuchen – aber an uns als Schulleitung liegt es, ob die Zusammenarbeit bereichernd oder belastend ist, auf der Basis einer gestalteten Kommunikation, durch

  • sinnvolle Nutzung der Gestaltungsmöglichkeiten,
  • sinnvolle Nutzung der Mitwirkungsverordnungen,
  • Einbeziehung elterlicher Kompetenzen in Schulleben und Unterricht.

1. Elternbeteiligung als Teil von Schulentwicklung

„Was interessieren mich die Kompetenzen der Eltern! Wir sind froh, wenn sie einigermaßen erziehungskompetent sind. Lasst uns in Ruhe unsere Bildungsarbeit machen!“, so eine Schulleiterin bei einem Vorbereitungsgespräch über einen geplanten Fachtag. Diese Aussage wirft ein Schlaglicht auf den Stellenwert der Elternarbeit. Und Berufsanfänger sind froh, wenn sie den ersten Elternabend einigermaßen gut überstanden haben, denn in der Ausbildung findet das Thema Elternarbeit nur selten Aufmerksamkeit.

Mitwirkungsrechte – und Pflichten!

Dem gegenüber gibt es in allen Schulgesetzen der Länder eigene Paragraphen zur Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten. Die Formen der Zusammenarbeit, die detaillierten Mitwirkungspflichten und -rechte sind in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich geregelt – in allen Ländern aber wird klar zum Ausdruck gebracht: Es geht um eine vertrauensvolle, wertschätzende Zusammenarbeit! Darüber hinaus sollen sie

  • an allen wichtigen, die Schule und ihre Bildungsarbeit betreffenden Entscheidungen beteiligt, über sie informiert und dazu angehört werden,
  • Stellung beziehen können – es soll ein Einverständnis hergestellt werden.

In einigen Fällen kann ohne das Votum der Eltern (in diesem Beitrag wird in der Regel von Eltern gesprochen, auch dann, wenn sie rechtlich eigentlich als ,Erziehungsberechtigte‘ bezeichnet werden müssten) keine Entscheidung getroffen werden.

Regelungen im Schulgesetz

Im Schulgesetz von Rheinland-Pfalz sind die Entscheidungen, die ohne Zustimmung der Eltern im Schulelternbeirat nicht umgesetzt werden können, in § 40 Absatz 6 beispielhaft geregelt:

„Der Zustimmung des Schulelternbeirats bedürfen folgende Maßnahmen der Schule:

  1. Abweichungen von der Stundentafel, soweit sie in das Ermessen der einzelnen Schule gestellt sind, um fachliche oder pädagogische Schwerpunkte zu setzen,
  2. Aufstellung von Grundsätzen eines besonderen unterrichtlichen Angebots,
  3. Aufstellung von Grundsätzen über den Umfang und die Verteilung von Hausaufgaben,
  4. Regelungen für die Teilnahme von Eltern am Unterricht des eigenen Kindes,
  5. Aufstellung von Grundsätzen für die Durchführung von Schulfahrten,
  6. Einführung und Beendigung der Fünftagewoche und wesentliche Änderungen der Unterrichtszeit, soweit sie der einzelnen Schule überlassen sind,
  7. Abschluss von Schulpartnerschaften und Aufstellung von Grundsätzen für den Austausch von Schülerinnen und Schülern,
  8. grundsätzliche Fragen der Berufsberatung, der Gesundheitspflege, der Ernährung und des Jugendschutzes in der Schule,
  9. die Aufstellung von Grundsätzen der Schule für die Durchführung außerunterrichtlicher schulischer Veranstaltungen,
  10. die Aufstellung von Grundsätzen der Schule für die Organisation des Unterrichts bei besonderen Witterungsbedingungen,
  11. die Aufstellung der Hausordnung.“

Elternengagement und Schulentwicklung

Schulentwicklung ohne Eltern ist eigentlich undenkbar. Ein Schulprogramm kann nicht ohne die Eltern erarbeitet werden. Pädagogische Konzeptionen, in die die Eltern nicht eingebunden sind, können kaum ihre Wirkung entfalten. Fördervereine in den Schulen ohne tatkräftiges Engagement der Eltern bleiben ein noch mühsameres Geschäft.

Wenn diejenigen Klassenelternsprecher werden, die am wenigsten Energie haben, sich wegzuducken, dann wird aus der ganzen Elternbeteiligung – auch in den Gremien – eine Farce.

Wie Eltern einbezogen werden können

Positiv gesehen: Die Schulleitung entwickelt eine Grundhaltung, nach der Eltern nicht nur formal-rechtlich beteiligt werden, sondern bewusst einbezogen und in ihren Kompetenzen als unverzichtbar für das Schulleben und die schulische Entwicklung gesehen werden:

  1. Die Klassenelternsprecher werden in ihrer Rolle gestärkt, indem regelmäßige Gespräche durch die Klassenleiterinnen oder -leiter mit ihnen stattfinden. Dabei wird darauf geachtet, dass sie nicht nur ihre eigene Sicht einbringen und vertreten, sondern auch in die Lage versetzt werden, eine entsprechende Diskussion in der Klassenelternversammlung zu führen (Handout: Hinweise zur Gesprächsführung).
  2. Die Elternbeteiligung in der Schulelternkonferenz wird bewusst als demokratisches Gremium genutzt, das qualifiziert ist (oder wird), um gemeinsam mit den anderen schulischen Gremien die Verantwortung für die Gestaltung der Bildung und Erziehung in der Schule zu übernehmen.
  3. Die Mitarbeit der Eltern in Schulkonferenzen, Lehrerkonferenzen, Fachkonferenzen ist dann gewinnbringend, wenn die Eltern in die Lage versetzt werden, sich auf Augenhöhe mit ihren Kompetenzen einzubringen.
  4. Die Mitarbeit der Eltern in der Entwicklung des Schulprogramms und der pädagogischen Konzeption ist unverzichtbar, denn sie bringt Aspekte aus dem beruflichen, familiären und freizeitlichen Kontext in die Erfordernisse moderner Bildung ein.
  5. Der Beitrag der Eltern zur Unterrichtsentwicklung und -gestaltung kann den Unterricht in die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler öffnen. Die Anregungen der (Rahmen-)Lehrpläne werden in den Fachkonferenzen in ein schulinternes Curriculum umgesetzt, das die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler und ihres Umfeldes berücksichtigt. Eltern können hier die Sichtweise der Pädagoginnen und Pädagogen deutlich erweitern.
  6. Die Gestaltung von Arbeitsgemeinschaften und Projekten – nicht nur im Ganztag – bereichert das Angebotsspektrum der Schule und eröffnet den Schülerinnen und Schülern neue Kompetenzbereiche (siehe dazu unten: „Die Kompetenzen der Eltern im Unterricht, für Arbeitsgruppen und Projekte sowie im Ganztag nutzen“).
  7. Die Einbeziehung der Eltern in die Vorbereitung und Durchführung von Wandertagen oder Klassenfahrten entlastet nicht nur die Lehrkräfte, sondern erweitert die Möglichkeiten, außerschulische Lernräume zu erschließen.