Mein Arbeitsplatz

Führungsrollen der Orientierung und der Unterstützung

Wie Sie sich und Ihrem Kollegium die Arbeit erleichtern

von Adolf Bartz

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Worum es geht

Orientierung zu geben gehört zu Ihrem Leitungsalltag. Rollenklar zu führen ist dabei wichtig. Lesen Sie, wie Sie rollenklar führen und dadurch das eigene Rollenhandeln situativ passend gestalten. So ermöglichen Sie den Lehrkräften eine Orientierung, indem sie wissen, woran sie bei Ihnen sind.

1. Die Führungsrolle der Orientierung – für Klarheit sorgen

Eine Lehrkraft hat in einem schriftlichen Fach nur zwei statt der vorgeschriebenen drei Klassenarbeiten schreiben lassen und ihrer Leistungsbeurteilung zugrunde gelegt. Eine andere Lehrkraft hat sich gegenüber einer Schülerin beleidigend geäußert: „Dir brauche ich gar nichts zu erklären, du kapierst das ja doch nicht.“ Eine dritte Lehrkraft hat ein Flugblatt an die beamteten Kolleginnen und Kollegen verteilt, in dem für einen Streik am folgenden Mittwoch aufgerufen wird, um die angestellten Lehrkräfte im Tarifkampf zu unterstützen.

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Ihre Rolle als Führungskraft

Ob Sie als Schulleiterin oder Schulleiter diese Handlungen für vertretbar oder gar für sinnvoll halten oder nicht, ist unerheblich. Als (Dienst-)Vorgesetzter sind Sie verpflichtet, solche Verhaltensweisen zu unterbinden. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Lehrkräfte Ihrer Schule die Rechts- und Verwaltungsvorschriften beachten und zuverlässig umsetzen. Denn nur wenn dies an allen Schulen erfolgt, kann das Schulministerium die Einheitlichkeit des dienstlichen und pädagogischen Handelns im gesamten Bundesland gewährleisten. Um diese Verantwortung wahrnehmen zu können, sind Sie als Vorgesetzter mit Weisungsmacht ausgestattet.

Die Verpflichtung der Schulleitung, das dienstliche und pädagogische Verhalten anzuweisen und zu kontrollieren, kann zu Konflikten mit den Lehrkräften führen. Auf die Einhaltung der Vorschriften zu achten, kann Kritik veranlassen: „Muss man denn so kleinlich sein und kann man nicht mal fünfe gerade sein lassen?“ Ein weites Herz beim Umgang mit Dienstpflichtverletzungen ist aber keine Lösung. Nur dann, wenn Sie Ihre Rolle als Orientierungsgeber klar wahrnehmen, werden Sie wirksam führen können. Führen Sie in dieser Rolle Dienstgespräche mit Lehrkräften, geht es zum Abschluss nicht darum, ob diese mit Ihren Entscheidungen und Maßnahmen einverstanden sind. Es geht vielmehr um die Frage: „Ist Ihnen klar, was ich von Ihnen erwarte?“

Merkmale der Orientierungsrolle

Die Rolle des Orientierungsgebers ist nicht nur und nicht vorrangig bedeutsam, wenn es um die Einhaltung der Dienstpflichten geht. Sie ist unerlässlich, wenn in der Schule Beschlüsse umgesetzt, Ziele erreicht und Qualitätsstandards gewährleistet sein sollen.

Typische Ausprägungen der Orientierungsrolle sind entsprechend, dass die Schulleiterin oder der Schulleiter

  • Position bezieht und Entscheidungen trifft;
  • mit Aufgaben beauftragt;
  • den Lehrkräften Ziele vorgibt;
  • Qualitätsansprüche stellt und einfordert;
  • kontrolliert, dass die Aufgaben erledigt, die Ziele erreicht und die Qualitätsstandards eingehalten werden;
  • ein verbindliches Änderungsverlangen äußert, wenn das Lehrerverhalten den Ansprüchen nicht genügt.

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Transparenz als Schlüssel

Der Schlüssel, um in dieser Rolle für Verbindlichkeit sorgen und Akzeptanz finden zu können, ist nicht Nachgiebigkeit, sondern Transparenz – und das auch und gerade in Situationen, wo es für die Kolleginnen und Kollegen auch mal unbequem und anstrengend wird. Allerdings: Wertschätzung kann nur erwarten, wer sich selbst wertschätzend verhält. Aufgaben und Qualitätsansprüche zumuten können Sie deshalb nur dann, wenn Sie sie den Lehrkräften auch zutrauen. Aufgaben und Standards einzufordern, setzt deshalb immer voraus, nicht nur die Ansprüche, sondern zugleich die Wertschätzung der Lehrerkompetenzen deutlich zu machen. Wenn Sie beispielsweise eine Lehrkraft mit einer Aufgabe beauftragen, sollten Sie immer auch erläutern, warum Sie gerade diese Lehrkraft für diese Aufgabe für besonders geeignet halten.

Grenzen der Orientierungsrolle

Aber auch dann, wenn Weisungen mit Wertschätzung verbunden werden, stößt die machtgestützte Rolle des Orientierungsgebers an Grenzen. Denn mit Weisungen können Sie bestenfalls ein pflichtgemäßes dienstliches Verhalten erzwingen. Dagegen können Sie Motivation und Engagement nicht anordnen, weil sich Menschen nur selbst motivieren können. Sie können auch kein Lehrerverhalten ändern, das können nur die betroffenen Lehrkräfte selbst. Die Schule führen und gestalten, geht deshalb nur im Zusammenwirken mit den Lehrkräften. Das setzt nicht nur die Klarheit voraus, was von ihnen erwartet wird. Das erfordert vielmehr, dass sie den Aufgaben und Erwartungen zustimmen, und Zustimmung findet nur das, was aus der Sicht der einzelnen Lehrkräfte für sie sinnvoll und bedeutsam ist.