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Schulkultur und Elternberatung

Wie eine offene Schulkultur Elterngespräche beeinflusst

von Nicole Klän

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Worum es geht

Elternberatung gehört zur alltäglichen Arbeit, dabei ist eine gute Schulkultur eine gute Voraussetzung. Aufgabe der Schulleitung ist es, förderliche Rahmenbedingungen für eine effiziente Elternarbeit zu schaffen und die Kollegen darin zu unterstützen, mit den Eltern „professionell“ ins Gespräch zu kommen.

1. Elternberatung

Elternberatungen gehören zum zentralen Aufgabenfeld der Schule, sie haben den Charakter von etwas alltäglich Selbstverständlichem. In Kollegien werden die Beratungen selten geplant, systematisch reflektiert und evaluiert. Erst wenn die Elterngespräche Probleme verursachen und das individuelle Bemühen der beratenden Kollegen übersteigen, werden diese Auffälligkeiten thematisiert und die Schulleitung schaltet sich ein. Dies geschieht meist auf Anfrage durch die Lehrkraft oder durch die Eltern.

2. Aktuelle Situation reflektieren

Die Schulleitung wird sich entsprechend ihrer Doppelrolle einerseits den Empfindungen über die Schwierigkeiten in den Elternberatungen anschließen können, andererseits aufgrund ihrer Funktion die Reflexion personal-, organisations- und kulturbezogen weiter fassen. Konkret bedeutet das:

  • Interaktion Lehrer – Eltern betrachten: Haben Lehrerinnen genügend Zeit für sie in Gesprächen? Haben Eltern das Gefühl, mit ihren Anliegen ernst genommen zu werden?
  • Außenwirkung der Schule erfassen: Wie erleben Eltern die Schule? Wie fühlen sie sich, wenn sie durch die Schule laufen?
  • Visionen entwickeln: Wie möchte ich, dass sich die Schule den Eltern präsentiert? Wie können Eltern und Schüler in die Gestaltung des Schulalltags mit eingebunden werden?

3. Grundsätze guter Elternarbeit

Entscheidend für die Einbindung der Eltern in die schulische Arbeit ist die erkenn- und fühlbare Kooperationsabsicht der Schule und ihrer Lehrkräfte. Kann die Gleichwertigkeit der beiden Erziehungsinstanzen – Eltern und Schule – als schulisches Kulturmerkmal verankert werden, gilt das als Voraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit.

4. Die Rolle der Schulleitung

Die Schulleitung beeinflusst die Schulkultur und damit die Haltung der Kollegenschaft zur Elternberatung durch ihre Interaktionen. Doch was macht die Schulkultur aus? Sie zeigt sich beispielsweise in den sozialen Beziehungen, in der Sprache oder in der Raum- und Zeitgestaltung.

Schulkultur wird außerdem wahrnehmbar als Atmosphäre:

  • wie sich die Lehrkräfte untereinander und der Leitung begegnen,
  • wie Eltern als Gäste der Schule begrüßt werden,
  • wie mit Gesprächszeiten umgegangen wird.

Eltern nehmen die Schulkultur bei ihren Aufenthalten in der Schule wahr und reagieren auf das, was sie erfahren haben. Bei der Weiterentwicklung der schulischen Kultur sowie beim Aufbau eines klaren institutionsbezogenen Wertesystems nimmt die Schulleitung eine zentrale Rolle ein. Kollegien richten ihr Verhalten häufig stillschweigend am „sozialen Modell“ der Schulleitung aus. Werte, die hier über Interaktionen subtil und unbewusst kommuniziert werden, nehmen Kolleginnen implizit genauso wahr, wie bewusst mit Sorgfalt und Genauigkeit vorgelebte Haltungen oder Rituale. Die Schulleitung wird auf die Kongruenz von Handlung und Aussage hin betrachtet.

5. Fazit und Ausblick

Eine Professionalisierung der Elternarbeit bedeutet, die Schulkultur auf bestehende Strukturen und Kulturmerkmale hin zu reflektieren und sie gegebenenfalls zu modifizieren. Professionelle Elternberatung gestaltet damit zugleich die Schulkultur in Richtung einer Beratungs- und organisationalen Lernkultur.

Schulleitung in diesem Entwicklungsprozess bedeutet Bedingungen zu schaffen, damit Kolleginnen und Eltern ihre Potenziale in die Gestaltung der Elternberatung einbringen können.

Mehr zu diesem Thema finden Sie im Beitrag „Elternberatung verbessern“ von Thomas Rimmasch, auf dem dieser Text basiert.

Literatur

  1. Bleicher, K. 1991: Organisation. Strategien, Strukturen, Kulturen, Wiesbaden
  2. Fend, H. 1977: Schulklima. Soziale Einflußprozesse in der Schule. Weinheim, Basel
  3. Gehm, T. 1997: Kommunikation im Beruf. Hintergründe, Hilfen, Strategien, Weinheim, Basel
  4. Haenisch, H. 1985: Was ist eine „gute“ Schule? Empirische Forschungsergebnisse und Anregungen für die Schulpraxis. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Bericht Nr. 7, Soest
  5. Schein, E.H. 1984: Coming to a new awareness of organizational culture, S. 4, in: Sloan Management Review 25, Nr. 2, S. 3-16
  6. Schreyögg, G. 1999: Organisation. Grundlagen moderner Organisationsgestaltung, Wiesbaden, S. 435 ff.
  7. Steimann, H./Schreyögg, G. 2000: Management. Grundlagen der Unternehmensführung. Konzepte, Funktionen, Fallstudien, Wiesbaden, S. 621 ff.

Schlagwörter Elternberatung, Elternarbeit, Schulkultur, Rituale, Schulklima, Lehrkraft, Inklusion, Beratung, Schulleitung