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Ein schuleigenes Beratungskonzept entwickeln

Wer berät wen?

von Ralf Connemann, Lutz Thomas

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Worum es geht

Der Aufbau eines Beratungs- und Unterstützungssystems in der Schulbehörde und in den Einzelschulen spielt eine immer wichtigere Rolle. Als Teil des Schulprogramms kann das schuleigene Beratungskonzept dazu dienen, die inhaltliche Schwerpunktsetzung, Organisation und Koordination des Beratungsangebots zu verbessern und die Ansprechpartner für Probleme im Schulalltag für alle an Schule Beteiligten bekannter zu machen.

Erfahren Sie, wie Sie die Erstellung eines eigenen Beratungskonzepts als Entwicklungsprojekt initiieren und vorantreiben können. Verfahrensvorschläge und konkrete Instrumente sowie Auszüge aus realen Schulkonzepten sind als Hilfen für bestimmte Phasen des Arbeitsablaufs gedacht.

1. „Noch ein Konzept ...!“

Ein solcher Seufzer könnte Ihnen als leidgeprüfte Schulleiterin oder als stark beanspruchter Schulleiter leicht herausrutschen, denn eine ganze Reihe von Konzepten müssen entwickelt werden – wie z. B. ein Förder-, Methoden-, Medien-, Sicherheits- und Präventionskonzept. Für jeden der Bereiche ist genau darzulegen, auf welche Aufgaben sich die Schule konzentriert und wie sie dabei vorgeht.

Konzepte erleichtern also – sind sie erst einmal erstellt – die Qualitätsüberwachung und -entwicklung. Wegen vieler anderer Vorhaben der Schulentwicklung wird ein Beratungskonzept oft erst dann ausformuliert, wenn eine Schulinspektion bevorsteht. Diese unter hohem Zeitdruck erstellten Konzepte beschränken sich jedoch meist auf aktuelle Ziele. Sie erfüllen eher eine „PR-Funktion“ (nach Kühn 2001) und gehen wenig auf die Umsetzung im Schulalltag ein. Erfahrene Schulinspektoren fragen aber gern nach dem „gelebten“ Konzept, denn erst über längere Zeiträume bewährte Konzepte entfalten nachhaltige Wirkung.

Wichtig

Angemessene Ansprüche und Evaluation

Diskutieren Sie den Auftrag zur Konzepterstellung eingehend im Kollegium und leiten Sie den Arbeitsprozess mit der Bildung eines Konzept-Teams ein.

Angesichts der Arbeitsdichte im Alltag dürfen die Ansprüche an Schulkonzepte anfangs nicht zu hoch angesetzt werden. Knappe Beschreibungen eines strukturierten und realisierbaren Angebots sind dabei einem „Hochglanz-Prospekt“ vorzuziehen.

Längerfristig sollten Konzepte auch darauf eingehen, ob die derzeitigen Aktivitäten ausreichend wirksam sind und ob eventuell ein weitergehender Bedarf gedeckt werden muss.

Die Beschreibung des aktuellen Beratungsangebots sollte die Schwerpunkte und den Stand der Umsetzung zu erkennen geben. Für die Adressaten im Schulalltag ist es wichtig zu wissen, ob die Berater leicht erreichbar und aktiv sind und wie ihre Zuständigkeitsbereiche genau aussehen bzw. wie sie miteinander kooperieren. Auch muss erkennbar werden, ob eine eindeutige Beschlussfassung in den zentralen Gremien vorliegt und wie das Kollegium an der Weiterentwicklung beteiligt ist, z. B. durch regelmäßige Evaluation und Fortschreibung des Konzepts.

2. Was ein Beratungskonzept leistet

2.1 Beratung als wichtiger schulischer Funktionsbereich

Das Beraten gehört inzwischen ebenso zu den Aufgaben einer Lehrkraft wie das Unterrichten und das Beurteilen der Schülerleistungen oder das Erziehen und die Führung von Klassen. Und die Nachfrage nach Beratung wird nicht weniger. Wie bei Unternehmen und Verwaltungen erwartet man von modernen Schulen ein differenziertes Beratungsangebot für Schüler und Eltern, das auch die Lehrkräfte bei der Weiterentwicklung der Schule unterstützt.

Es ist allerdings nicht leicht zu definieren, was eine gute Beratung kennzeichnet. Im Bildungsbereich setzt sich die Vorstellung durch, dass Beratung frei sein sollte von Belehrung, Steuerung und Manipulation, dass jedoch kein Expertenstatus erforderlich ist. Für den Schulalltag erweist sich das gesamte Spektrum an Beratungsaktivitäten als hilfreich – von den konkreten Ratschlägen und Förder-Empfehlungen durch Fachlehrkräfte bis zu dem professionellen Beraterhandeln von Beratungslehrern oder Schulpsychologen.

Tipp

Vorsicht: Falle in der Alltagsberatung

In der Alltagsberatung muss stärker darauf geachtet werden, schnelle Bewertungen und Standard-Ratschläge zu vermeiden. Auch dürfen nicht feste Lösungsvorschläge aufgedrängt oder auf Einfluss von Dritten unhinterfragt vermittelt werden – auch wenn sie pädagogisch noch so sinnvoll erscheinen (vgl. Grewe 2005).

Die Anforderungen an die Schulberatung verlagern sich. Sie richten sich auf intensivere Hilfe und verbesserte Diagnostik bei Lernproblemen sowie wirksame Interventionen bei sozialen Auffälligkeiten und Konflikten. Neben der gesprächsorientierten Beratung im Einzelfall geht es verstärkt um begleitende Trainings- und Förderangebote für Schülergruppen mit einer bestimmten Problematik.