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Externe Beratung als Unterstützung

Von einem guten Rat profitieren

von Robert Erlinghagen

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Worum es geht

„Von einem guten Rat zu profitieren, erfordert mehr Weisheit, als ihn zu geben.“ (Michael Collins, ir. Politiker) Externe Beratung kann eine wertvolle Unterstützung für das Führungshandeln und die Schulentwicklung sein. Voraussetzung dafür ist, dass Sie als Schulleiterin bzw. Schulleiter den Einsatz von Beratung gezielt steuern. Dieser Artikel gibt Ihnen einige Hinweise, worauf Sie besonders achten sollten.

1. Worum es geht

Der Nutzen externer Beratung für Schulen hängt nicht nur von der Qualität der Beratung ab, sondern von einem guten Zusammenspiel zwischen internen Akteuren und externer Beratung und von einer geteilten Verantwortung für die Gestaltung des Beratungsprozesses. In der Praxis wird externer Beratung mit sehr unterschiedlichen Erwartungen begegnet. Das Spektrum reicht im Extremfall von größter Skepsis bis zur Hoffnung auf Heilsbringerschaft. In beiden Fällen ist das Grundproblem, dass der externen Beratung eher aus einer passiven Beobachterperspektive begegnet wird. Damit ist Beratung zum Scheitern verurteilt. Denn es sind die Schulen selbst, ihre Lehrerinnen und Lehrer, die mit den Ergebnissen eines Beratungsprozesses weiterarbeiten müssen – auch wenn die Beratung längst wieder weg ist.

„Von einem guten Rat zu profitieren, erfordert mehr Weisheit, als ihn zu geben.“ (Michael Collins). Dieser Beitrag ist daher von der Überzeugung getragen, dass eine schulinterne Klärung der eigenen Erwartungen, des eigenen Beitrags zum Gelingen eines Beratungsprozesses und des gezielten Einsatzes der internen und externen Ressourcen ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Mit anderen Worten: Steuern Sie bewusst die Beratungsprozesse an Ihrer Schule und behalten Sie die Fäden in der Hand. Zwar gehört die Konfrontation mit der Außenperspektive zur Beratung dazu. Seien Sie also offen für Überraschungen, Irritationen, unangenehme Fragen usw. Aber sagen Sie auch klar, was Sie wollen und was Sie nicht wollen.

Der Beitrag gibt grundlegende Orientierungen, worauf dabei geachtet werden sollte.

2. Grundformen externer Beratung

Prinzipiell lassen sich zwei Grundformen von Beratung unterscheiden:

  1. Expertenberatung: Diese Form der externen Beratung ist dann gefragt, wenn zusätzliches fachliches Wissen benötigt, z. B. juristisch, haushaltsrechtlich, zum Einsatz von IT und Medien oder auch in psychologischen oder pädagogischen Fragen. Diese Form der Beratung liefert vor allen Dingen fachliche Antworten. Dazu kann auch gehören, dass sich die Experten zunächst ein eigenes Bild von der spezifischen Ausgangssituation vor Ort machen, z. B. durch Interviews, Begehungen, Dokumentenanalyse, um schließlich Empfehlungen auszusprechen oder Expertisen vorzulegen.
  2. Prozessberatung: Die Prozessberatung hingegen unterstützt Sie oder Ihre Schule dabei, selbst Antworten oder Lösungen zu entwickeln. Die Prozessberatung konzentriert sich daher auf die Art und Weise, wie Kommunikationsprozesse gestaltet werden: Wer sollte mit wem wann und wie an welcher Frage arbeiten? Die Prozessberatung stellt meist selbst viele Fragen oder hält Settings und Tools bereit, welche die Kommunikation zur Ideenentwicklung, zur Konfliktlösung, zur Entscheidungsfindung usw. erleichtern. Prozessberatung ist in erster Linie eine Arbeit an und mit professionellen Arbeitsbeziehungen.

Natürlich kann es ausgesprochen sinnvoll sein, beide Formen der Beratung miteinander zu kombinieren. In diesem Fall spricht man von Komplementärberatung. Allerdings verbergen sich hinter diesen Grundformen unterschiedliche Wertekonzepte, und die Protagonisten dieser beiden Beratungsansätze lagen – und liegen teilweise immer noch – im Streit über die Richtigkeit ihres Vorgehens. Die Expertenberatung hat historisch betrachtet ihren Ursprung am Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Einführung wissenschaftlicher, rationaler Methoden in der Arbeitswelt (ausgehend von Frederic Taylor, Stichwort: Taylorismus). Sie hat seitdem immer wieder bemerkenswerte Produktivitätsverbesserungen bewirkt, ignorierte dabei aber teilweise die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sodass ab den 1930er-Jahren eine Gegenbewegung („Human-Relations-Bewegung“) entstand, die den Menschen als soziales Wesen in den Mittelpunkt rückte. Noch heute stehen sich die Vertreter dieser Beratungsansätze oft etwas verständnislos gegenüber.

3. Zielgruppen, Anlässe und Formate externer Beratung

Zielgruppen

Externe Beratung kann sich an verschiedene Adressaten richten:

  • Individuen (vor allem Schulleiter/-innen, Stellvertreter/-innen, schulische Führungskräfte);
  • Teams oder Tandems (z. B. Schulleitung, Steuergruppen, Projektgruppen), die arbeitsteilig eine Aufgabe bearbeiten und eine gemeinsame Verantwortung für das Ergebnis tragen;
  • Gruppen (z. B. kollegiale Beratungsgruppen), die sich einem gemeinsamen Thema verpflichtet fühlen (Terminkoordination, Erfahrungsaustausch, Fallbesprechungen), aber im Unterschied zu Teams nicht zwingend arbeitsteilig daran arbeiten und auch keine gemeinsame Verantwortung für ein bestimmtes Arbeitsergebnis tragen;
  • mehrere Teams oder Gruppen und ihr Zusammenspiel innerhalb der Organisation (z. B. Schulleitung, Steuergruppe und Arbeitsgruppen);
  • die Organisation (die Schule als Ganzes);
  • die Organisation im Zusammenspiel mit externen Anspruchsgruppen (z. B. bei der Begleitung von Fusionsprozessen, bei Neugründungen oder Schließungen von Schulen, bei Schulverbünden …).