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Hilfe, ich muss erziehen!

Tipps und Hilfen zur Anwendung von Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen

von Carsten Zühlke

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Worum es geht

Erziehung und Ordnung gehören zu jeder Schule dazu. Manchmal könnte man als Schulleitung an verhaltenskreativen Kindern und Jugendlichen fast verzweifeln. Doch verlieren Sie nicht den Mut. Erziehung und Ordnung kann Methode haben. Schaffen Sie sich Strukturen, die es Ihnen und Ihrem Kollegium möglich machen, mit den Herausforderungen des Schulalltags erfolgreich umzugehen. Lesen Sie im folgenden Beitrag, wie eine gesunde Disziplin und die Anwendung von Regelwerken Struktur bekommen können.

1. Der Mensch sucht nach Recht und Ordnung

Schule wird bestimmt von menschlichem Handeln. Menschen gehen in die Schule, um zu lernen und zu arbeiten. Sie tun dies gerne und können auch Abneigungen entwickeln. Es sind Menschen, die Ängste haben, Menschen, die sich behaupten wollen, Menschen, die die unterschiedlichsten Emotionen entwickeln. Sie agieren in der Schule, gestalten sie, entwickeln sie. Hierbei handeln sie oft in einem gemeinsamen Interesse. Doch manchmal stoßen die Menschen mit ihren unterschiedlichen Charakteren, Zielen und Sichtweisen auch an Grenzen.

Jede Lehrkraft kennt das: Ein Schüler verstößt gegen Regeln, immer wieder und mit gesteigerter Intensität oder gar aus einer Emotion heraus und daher überaus heftig. Es muss eine Reaktion folgen. Das pädagogische Handwerkszeug wird ausgeschöpft bis zu dem Punkt, wo Dritte hinzugezogen werden müssen – zum Beispiel die Schulleitung.

Jede Schulleitung kennt das: Eine Situation ist eskaliert und die Lehrkraft und/oder der Schüler wenden sich an die Schulleitung. Die Situation soll nicht nur geklärt werden, sie soll auch Folgen haben. Die richtigen Entscheidungen sollen getroffen werden, gerecht und für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Dies ist keine einfache Lage für Sie als Schulleitung. Sie sollen nicht selten als Richter fungieren. Doch auf welche Grundlagen können Sie sich stützen? Sie sind Pädagoge, kein Jurist. Und doch stehen Sie alltäglich immer wieder vor der Frage, was in diesem oder jenem Falle wohl am geschicktesten zu tun sei.

Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen sind da oft das letzte Mittel für die Schulleitung. Doch Sie wissen, sie sind kein Allheilmittel, denn dort, wo Menschen im Spiel sind, kann es das nicht geben. Sie können den Umgang mit den zur Verfügung stehenden Maßnahmen organisieren und ein funktionierendes System schaffen, das es den Akteuren in der Schule ermöglicht, in besagten Situationen angemessen, transparent und nachvollziehbar zu handeln.

tipp

Schaffen Sie Transparenz!

Ein Maßnahmenkonzept schafft Transparenz und Sicherheit. Erstellen Sie ein System – ein Programm –, an dem sich die Lehrkräfte und Sie orientieren können.

Wie Sie solch ein Programm auf die Beine stellen, erläutert in fünf Schritten folgende Übersicht:

Fünf Schritte zum Maßnahmenkonzept
  1. Bilden Sie ein Team aus Lehrkräften und der Schulleitung!
  2. Ideal sind fünf Personen, da diese Anzahl von Personen sowohl für die Ideensammlung und die Erörterungsphase als auch für die Entscheidungsfindung arbeitsfähig ist. Nehmen Sie unbedingt auch Kritiker mit auf, damit Kompromisse bereits in der Arbeitsphase gefunden werden können.
  3. Geben Sie dem Team eine Arbeitsgrundlage!
  4. Es braucht einen klaren Auftrag, am besten von der Gesamtlehrerkonferenz. Zudem ist ein klarer Zeitrahmen nötig. Es muss klar sein, bis wann Zwischenergebnisse präsentiert werden sollen bzw. wann das Endergebnis stehen soll. Das Team braucht weiterhin die entsprechende Arbeitszeit, Räumlichkeiten und gegebenenfalls Materialien.
  5. Schaffen Sie Transparenz und Akzeptanz!
  6. Die Ergebnisse der Arbeitsphase müssen dem Auftraggeber (der Gesamtlehrerkonferenz) präsentiert werden – bei längeren Phasen sollten Zwischenergebnisse vorgestellt und Rückmeldungen dazu eingeholt werden. So entsteht Transparenz und die Möglichkeit nachzusteuern. Das Endergebnis ist dann keine „Überraschung“ mehr und wird schneller akzeptiert.
  7. Schaffen Sie Transfer!
  8. Ist ein Maßnahmenkonzept vorhanden, müssen die Eltern- und die Schülerschaft darüber in Kenntnis gesetzt werden. Ist das Programm von den notwendigen Gremien (Gesamtlehrerkonferenz, Elternbeirat, Schulkonferenz) verabschiedet worden, verankern Sie Ihr Konzept im Schulprofil, im Portfolio oder der Schulordnung. So bekommt es einen offiziellen Charakter, kann von jedermann eingesehen werden und findet grundsätzlich Beachtung. Das erleichtert auch die Anwendung im Alltag, da es nicht nur „auf dem Papier“ steht.
  9. Geben Sie Raum für Entwicklungen!
  10. Ist ein Konzept einmal fertig, darf es nicht dazu verleiten, sozusagen in Stein gemeißelt zu werden. Die Arbeit mit Menschen ist stets dynamisch. Die Anwendung und Weiterentwicklung des Maßnahmenpakets müssen also prozesshaft gesehen werden. Was sich bewährt, wird beibehalten. Was einer Veränderung bedarf, muss angepasst werden. So gewährleisten Sie eine fortwährende Weiterentwicklung.

2. Pädagogische Verantwortung – was heißt das eigentlich?

Können Erziehungsmaßnahmen erziehen und Ordnungsmaßnahmen Ordnung herstellen?