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Ein Tuning für die erfolgreiche Zusammenarbeit

Team-Coaching für die Schulleitung

von Helmut Lungershausen

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Worum es geht

Wenn die Zusammenarbeit nicht so verläuft, wie die Beteiligten sich das wünschen, oder wenn eine Aufgabe bevorsteht, die das Leitungsteam vor Herausforderungen und Probleme stellt, dann kann ein Team-Coaching für die Schulleitung eine wirkungsvolle Hilfestellung leisten. Der Autor verfügt über eine mehrjährige Erfahrung im Team-Coaching von Schulleitungen und zeigt, um was es dabei geht.

1. Was Team-Coaching von Einzel-Coaching unterscheidet

Wenn einzelne Personen durch Coaching ihre Performance verbessern, zielbewusster vorgehen und erfolgreicher arbeiten, dann muss das auch für ein Team möglich sein. Der Prozess des Team-Coachings unterscheidet sich jedoch in zwei wesentlichen Punkten von einem Einzel-Coaching.

Der Coach betreut nicht nur eine Person, sondern eine kleine Gruppe (oder ein Tandem). Dadurch werden die Beziehungen untereinander zum Gegenstand des Coachings, denn sie haben entscheidenden Einfluss auf die Arbeit des Leitungsteams. Das bedeutet mehr Kommunikation untereinander sowie eine Haltung der „Multiparteilichkeit“ des Coachs gegenüber den Teammitgliedern. Der Coach versucht, sich in alle Teammitglieder hineinzuversetzen, lässt sich aber nicht in die Auseinandersetzung zwischen Teammitgliedern hineinziehen.

Auf der anderen Seite erfolgt kein tiefer Einstieg in die Persönlichkeit wie im Einzel-Coaching, denn im Mittelpunkt steht die Sache, nämlich das Gelingen der Arbeit im Team. Individuelle Schwierigkeiten und Probleme können im Team-Coaching allenfalls am Rande berücksichtigt werden. Natürlich können die psychische Disposition und das Verhalten von Teammitgliedern mögliche Lösungen erschweren, aber es ist nicht möglich, während eines Team-Coachings zugleich Einzelpersonen zu coachen.

2. Anlässe für ein Team-Coaching der Schulleitung

Die Gründe für die Anfrage nach einem Team-Coaching sind recht unterschiedlich. Folgende Anlässe wurden von den Auftraggebern genannt:

  • Die Team-Zusammensetzung hat sich geändert.
  • Bei der Fülle von Aufgaben fehlt die „Struktur“ für die gemeinsame Arbeit.
  • Eine größere gemeinsame Aufgabe oder Anstrengung steht bevor.
  • Ein gemeinsames Verständnis von Führung und Leitung ist nicht entwickelt.
  • Im Team gibt es das Gefühl, ein „Tuning“ könnte die Arbeit verbessern.
  • Es gibt Reibungen oder Störungen im Team.

In einer exemplarischen Studie zu Teamsitzungen der Schulleitung (Jahn 2017, S. 173) wurde festgestellt, dass im Verlaufe einer analysierten Sitzung der erweiterten Schulleitung weniger sachbezogene, pädagogische Fragen abgeklärt wurden, vielmehr wurde um Einfluss, Zugehörigkeit und Vertrauen gerungen. Das ist sicherlich kein Einzelfall.

Die Anfrage für ein Team-Coaching erfolgt in der Regel über die Schulleiterin oder den Schulleiter. Dabei wird häufig eher ein „sachlicher“ Punkt als Anlass genannt, das Vorhandensein möglicher Beziehungsstörungen wird oft erst im Verlauf des Team-Coachings deutlich. Das ist verständlich und für den Coach kein Problem, denn aus der ersten Abbildung wird ersichtlich, dass bei der Teamarbeit Sach- und Beziehungsebene immer eng miteinander verwoben sind. Es ist auch nicht zielführend, bereits im ersten Kontakt tiefergehende Fragen zu stellen, weil dann nur die Sichtweise einer Person erläutert würde.

Vor dem Beginn des eigentlichen Team-Coachings findet ein Gespräch statt, zu dem sich der Coach vorstellt und das mögliche Vorgehen erläutert. Das Team entscheidet nach der Verabschiedung des Coachs darüber, ob es mit diesem Coach und nach seinem Programm arbeiten will. Das ist sehr wichtig, weil die Beziehung von Coach und Gecoachten als ganz wesentlicher Erfolgsfaktor angesehen wird. Diese „therapeutische Allianz“ gilt im Einzel-Coaching als Erfolgsfaktor Nr. 1 (Pichler 2016, S. 20), spielt aber auch im Team-Coaching eine bedeutende Rolle.

2.1 Verlauf des Team-Coaching-Prozesses

Für den Ablauf eines Coaching-Prozesses wird immer wieder auf das „GROW“-Modell von Whitmore verwiesen.

Verbreitet sind auch die Coaching-Phasen nach Fischer-Epe. Sie gliedert in vier Phasen: Kontakt und Orientierung, Situation und Ziele, Lösungen, Transfer (2008, S. 186).

Allerdings handelt es sich in beiden Fällen eher um idealtypische Stufen, denn in der Praxis erfolgen auch Rücksprünge oder Vorgriffe.