Mein Arbeitsplatz

Veränderungen noch besser managen

Tauziehen zwischen Veränderung und Widerstand

von Ekkehard Sprenger

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Worum es geht

Lesen Sie, wie Sie Denkpräferenzen und die Strategie „Widerstand und Engagement“ nutzen und dadurch

  • als Führungskraft Sozialkompetenzen anwenden
  • das Kollegium individuell abholen und überzeugen
  • einen Veränderungsprozess noch besser managen

1. Tauziehen – zwischen Veränderung und Widerstand

Widerstand gegen Veränderungen in Schulen ist natürlich, vorhersehbar und zu überwinden! Als ich vor einiger Zeit im Rahmen einer externen Schulevaluation unter anderem eine Lernstandserhebung der Schüler und Schülerinnen in Englisch vornahm, wurde deutlich, dass ihre Kompetenzen nicht auf einem altersgemäßen Niveau lagen. Die Angelegenheit schien einfach zu sein: Die Lehrkräfte waren offenkundig bemüht, einen zeitgemäßen Englischunterricht zu gestalten und die Lernenden arbeiteten nach ihrem Leistungsvermögen. Mir schien, als gäbe es einen relativ einfachen Weg zur Lösung des Problems. Doch nachdem ich meine Ideen für die durchaus sinnvollen Veränderungen der Fachschaft unterbreitet hatte, informierte mich die Fachleitung freundlich, jedoch entschieden, dass die Fachschaft meine Vorschläge nicht akzeptieren würde.

Ich war erstaunt. Auch einige Jahre später reflektiere ich beinahe regelmäßig das damalige Treffen als ein Beispiel dafür, was Führungskräften oft begegnet: Zögern oder auch direkter Widerstand als Reaktion auf vernünftige und machbare Ideen für Veränderungen. Führungskräfte erleben oft Situationen, in denen sie einen Weg für sinnvolle Veränderungen einschlagen wollen, um ihre Schule zu verbessern, während die Pessimisten sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen und dadurch die Veränderungen geradezu unmöglich machen.

Die gute Nachricht ist, dass Führungskräfte aktiv Widerstand ansprechen und ihn managen können. Wenn man über das Management von Widerstand nachdenkt, dann sollten zwei wesentliche Aspekte im Auge behalten werden:

  1. Widerstreben oder offener Widerstand gegen Veränderungen, die Führungskräfte vorschlagen, ist oft vorhersehbar und manchmal verständlich.
  2. Man kann den Widerstand überwinden, indem Führungskräfte die Reaktionen derjenigen, die von den Veränderungen betroffen sein würden, beobachten und dann ihr eigenes Verhalten ändern, anstatt das Verhalten der Widerstehenden anzuprangern.

Lassen Sie uns zunächst betrachten, wie sich Widerstand in verschiedenen Stadien des Veränderungsprozesses zeigt.

Widerstand: perfekt vorhersehbar

Wenn Sie über Widerstand nachdenken, beachten Sie bitte, dass sich die menschliche Haltung und das Verhalten gegenüber einer vorgeschlagenen Veränderung im Laufe der Implementierung entwickelt (Hall & Hord, 2001). Fullan (2007) argumentiert, wenn Führungskräfte eine dauerhafte Veränderung orchestrieren, dann sollten sie beachten, dass Veränderungen üblicherweise in drei Phasen ablaufen:

  • Einführung,
  • Implementierung,
  • Institutionalisierung.

wichtig

Ursachen für Widerstände

Die Einführung ist der „Prozess, der eine Entscheidung herbeiführt und beginnt, eine Veränderung umzusetzen“ (Fullan, 2007, S. 69). Obgleich Widerstand seinen garstigen Kopf jederzeit während irgendeines Teils einer Veränderung zeigen kann, so wird er meist früh während der Einführungsphase erscheinen. Zu diesem Zeitpunkt wenden sich die Betroffenen gegen die Aspekte der Veränderung, die ihr persönliches Verhalten betreffen. Während sie sich fragen, ob sie überhaupt die Kompetenzen haben, das im Unterricht zu tun, was von ihnen erwartet wird, machen sie sich oft Sorgen, dass die Veränderung sie überfordern könnte (Lawrence, 1969).

Die Frage „Kann ich das schaffen?“ zeigt sich in noch stärkerem Maße, wenn Lehrkräfte etwa durch schulpolitische Entscheidungen gezwungen werden, neue Praktiken anzuwenden. Wenn die Antizipation der Veränderung offenen Widerstand erzeugt, dann kann dieser Widerstand während der Implementierungsphase noch akuter sein, wenn es darum geht, die Veränderung in pädagogisches Handeln umzusetzen. Und während sie sich mit den Herausforderungen konfrontiert sehen, bezweifeln etliche Lehrkräfte weiterhin, dass sie über die erforderlichen Kompetenzen verfügen und beginnen, heftigeren Widerstand zu zeigen.

Zuerst werden viele Lehrkräfte versuchen, die Veränderung in einer Weise umzusetzen, die ihnen angemessen scheint. Dabei könnten ihnen Implementierungsprobleme begegnen, Situationen, in denen die Veränderung nicht so gut wie erhofft umgesetzt werden kann.

wichtig

Soziale Aspekte der Veränderung

Während der Implementierung könnten Lehrkräfte auch entdecken, dass die Veränderung den kollegialen Umgang beeinflusst (Lawrence, 1969). Diese sozialen Aspekte sind besonders problematisch. Sie könnten dazu führen, dass Lehrkräfte sich fragen, ob sie den potenziellen Wandel von Beziehungen und bisherigen Überzeugungen überhaupt wollen (Powell & Kusuma-Powell, 2015). Aus meiner Sicht sind die sozialen Aspekte der Veränderungen erheblicher als die technischen Aspekte, weil viele Menschen tiefe, persönliche Emotionen empfinden, ihre bisherige Praxis zu ändern. Gemeinsam heizen die technischen und die sozialen Aspekte zuweilen den Widerstand an.