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Symptome erkennen und richtig handeln

Stress und Burnout im Kollegium – was tun?

von Christine Altenstein

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Gesunde Schule

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Worum es geht

Im folgenden Beitrag sollen Schulleitern zunächst die Symptome und Ursachen des Burnout nähergebracht werden, damit sie die Situation an ihrer Schule besser einschätzen können. Des Weiteren werden Ansätze aufgezeigt, wie ein Kollegium gemeinsam seine Belastungen bearbeiten und reduzieren und wie die Schulleitung diesen Prozess initiieren kann.

1. Symptome, Ursachen und Folgen von Stress und Burnout

Beispiel

Lehrkräfte im Umgang mit Stress

Herr Müller arbeitet seit seiner Referendarszeit vor fünf Jahren in Ihrer Schule. Sie erleben ihn als ausgeglichenen, motivierten und engagierten Lehrer, der von den Schülern gemocht und ernst genommen wird. Stressige Zeiten scheint er gut zu meistern, Probleme spricht er offen und konstruktiv an (Muster G).

Herr Schiller arbeitet bereits seit 15 Jahren in Ihrer Schule. Im Gegensatz zu Herrn Müller ist Herr Schiller eher unauffällig, Sie wissen nicht besonders viel über ihn und seine Arbeit. In Projekte oder Diskussionen bringt er sich wenig ein (Muster S).f

Frau Kaufmann ist seit zwei Jahren als Lehrerin tätig. Sie wirkt sowohl im Unterricht als auch bei der Durchführung außerunterrichtlicher Projekte sehr engagiert. In die Konferenzen bringt sie innovative Vorschläge ein, an deren Umsetzung sich Frau Kaufmann ebenfalls gern beteiligt. Die Schüler stehen bei ihr im Vordergrund. Sie haben aber schon das Gefühl, dass Ihre Kollegin und Mitarbeiterin trotz der relativ kurzen Zeit sehr belastet ist (Muster A).

Frau Wegner arbeitet wie Herr Schiller seit 15 Jahren in Ihrer Schule. Bisher ist sie durch ihr Engagement bei Schülern, Eltern und Kollegen sehr beliebt gewesen. Seit einiger Zeit fällt jedoch auf, dass Frau Wegner sich immer mehr in sich zurückzieht und sehr erschöpft wirkt. Sie ist häufiger krank und scheint auch allgemein nicht mehr so belastbar zu sein wie noch vor ein bis zwei Jahren. Auffällig ist auch, dass Frau Wegner, die früher immer sehr schülerzentriert gearbeitet hat, immer öfter negative, stereotype Äußerungen über Schüler formuliert (Muster B).

Erkennen Sie den einen oder anderen Kollegen Ihrer Schule? Der Blick in die Realität bestätigt leider, dass sich mehr und mehr Lehrerinnen und Lehrer wie Frau Kaufmann und Frau Wegner immer häufiger überlastet und überfordert fühlen.

Das Thema Lehrergesundheit wird sowohl in wissenschaftlichen Publikationen als auch in der Öffentlichkeit verstärkt mit den Begriffen Stress und Burnout assoziiert und zum Teil medial ausgeschlachtet. In den verschiedensten Veröffentlichungen ist zu lesen, dass ca. ein Drittel der Lehrer von extremem Stress oder Burnout berichten. Aber so unterschiedlich Ihre Kollegen sind, so verschieden ist auch ihr Umgang mit den beruflichen Anforderungen und Belastungen. Außerdem sind sowohl die Symptome als auch die Ursachen von Stress und Burnout vielfältig und können von Person zu Person differieren. Der folgende Abschnitt soll deshalb zunächst einen Einblick in die Symptomatik von chronischem Stress und Burnouts geben.

1.1 Wie Lehrer auf Belastungen reagieren

Menschen gehen also ganz unterschiedlich mit beruflichen Belastungen um. Prof. Schaarschmidt, Projektleiter der Potsdamer Lehrerstudie (2000–2006) und seine Kollegen konnten in Untersuchungen an ca. 7 700 Lehrern vier Stile bzw. Muster arbeitsbezogener Verhaltens- und Erlebensweisen feststellen:

Muster G (Gesundheit)

Personen, die diesem Muster zugeordnet werden, weisen ein gesundheitsförderndes Verhältnis gegenüber ihrer Arbeit auf. Es ist geprägt durch:

  • hohes, aber nicht überhöhtes berufliches Engagement
  • Distanzierungs- und Erholungsfähigkeit
  • zielgerichtetes Einteilen der Kräfte in Übereinstimmung mit persönlichen Schwerpunktsetzungen
  • offensive Problembewältigung
  • innere Ruhe und Ausgeglichenheit, berufliches Erfolgserleben, Lebenszufriedenheit und Erleben sozialer Unterstützung

Wenn Sie sich noch einmal die eben angeführten Fallbeispiele vergegenwärtigen, so trifft dieses Muster wohl am ehesten auf Herrn Müller zu. Unter Lehrern sind diese arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensweisen, die nachgewiesenermaßen in ihrer Wirkung weniger körperliche und psychische krankheitswertige Symptome aufweisen, leider eher selten vertreten. So können sowohl in den Untersuchungen von Schaarschmidt als auch eigenen Studien nur ca. 17 % diesem Muster zugeordnet werden.