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Wie Sie in der Angst eine Chance sehen können

Sie haben Angst? – Herzlichen Glückwunsch

von Romy Möller

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Worum es geht

Verantwortung und Erfolg bleiben selten allein – meist gesellt sich die Angst sehr schnell dazu. Die Angst zu versagen, die Angst etwas zu verlieren oder die Angst keinen Sinn mehr zu sehen.

Wenn Sie jedoch Angst vor der Angst haben, wird der Druck immer weiterwachsen und Sie lähmen. Daher ist es wichtig, in der Angst auch etwas Positives zu sehen. Wie Sie das schaffen, können Sie im folgenden Artikel lesen.

1. Die Angst zu versagen

Sie haben es als Schulleitung weit nach oben geschafft. Studium, Referendariat, Lehrerjob, Funktionsstelle, Qualifizierung und dann kam die Führung einer gesamten Schule. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben bisher schon viel erreicht in Ihrem Berufsleben.

Garantiert haben Sie sich im ersten Moment gefreut – wieso auch nicht? Schließlich haben Sie hart dafür gearbeitet, viel dafür gelernt und einige stressige Phasen überstanden.

Sicherlich freuen Sie sich über die Gestaltungsmöglichkeiten und die Verantwortung, die mit der Schulleitung verbunden sind. Aber dann schleicht sie sich heran, erst ganz leise und dann immer penetranter – die kleine Stimme; die Stimme, die Sie grübeln lässt; die Stimme, die Ihnen nachts manchmal den Schlaf raubt – die Stimme der Angst: Kannst du das überhaupt alles schaffen? Bist du eigentlich gut genug für diesen Job? Was ist, wenn du etwas falsch entscheidest?

Es ist aber auch die Stimme, die sie antreibt: Bleibe stark! Sei perfekt! Kontrolliere dich!

Schließlich stehen Sie jetzt im Rampenlicht. Als Führungskraft einer Schule blicken viele Augen auf Sie: die Schüler, die Kollegen, die Eltern, die Schulaufsicht, die Gesellschaft. All diesen Anforderungen müssen Sie erst einmal gerecht werden. Darüber hinaus gibt es noch jemanden, der große Erwartungen an Sie stellt: nämlich Sie selbst. Manchmal ist es vielleicht noch viel schlimmer, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, anstatt den von anderen nicht zu genügen.

Und ich wette mit Ihnen, Sie haben mit der Übernahme der Schulleitung gleichzeitig ein Bild für sich verinnerlicht, wie Sie diese ausfüllen möchten. Daher fordere ich Sie einmal auf, sich Ihrer eigenen Erwartungen und von anderen einmal bewusst zu werden.

reflextion

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und erstellen Sie Ihr eigenes Erwartungsprofil. Wer stellt alles welche Erwartungen an Sie? Denken Sie dabei auch an private Personen, z.B. Lebenspartner/in, Kinder, Eltern, …

Ich glaube, ich gewinne nun ebenso die zweite Wette: Waren Sie überrascht, welche Erwartungen eigentlich alles an Sie gestellt werden? Kein Wunder, wenn Sie sich dann manchmal matt, ausgelaugt und erschlagen fühlen. Schließlich zerren diese Erwartungen an Ihrer Energie.

Aber Ihre innere Stimme lässt Ihnen keine Ruhe – denn gesundheitliche Probleme sind kein Grund, weniger leisten zu dürfen. Sie erwarten sicherlich von Ihren Kollegen auch vollen Einsatz. Zudem haben Sie die Schulleitung auch nicht erhalten, weil Sie schwach sind, sondern weil Sie eine starke Führungspersönlichkeit sind. Also heißt es Zähne zusammenbeißen und lieber mit der Grippe noch in die Schule schleppen, als ein Anzeichen von Schwäche zeigen. Zumindest bis zum Tür Ihres Büros. Danach dürfen Sie kurz durchatmen. Oder vielleicht auch schon vorher?

fazit

Erst einmal herzlichen Glückwunsch

Sie hätten nicht solche Versagensängste, wenn Sie Ihren Job nicht aus Überzeugung gut machen wollen würden. Ihr Perfektionismus treibt Sie an, Sie möchten Verantwortung übernehmen – schauen Sie aber, ein gesundes Maß zu finden.

reflextion

Schauen Sie sich jetzt noch einmal die Personen und deren Erwartungen an Sie an:

  • Woran machen Sie diese gefühlten Erwartungen fest?
  • Wozu stellen die Personen diese Erwartungen?
  • Wieso sollten Sie diese Erwartungen berücksichtigen?
  • Wie fühlen Sie sich bei dieser äußeren Anforderung an Sie?
  • Welche Erwartungen waren Ihnen bewusst, welche hat Sie eher überrascht?
  • Welchen Erwartungen möchten Sie ein klares „Nein“ erteilen? Welchen Gewinn und welchen Preis hat dies für Sie?
  • Wie möchten Sie in Zukunft mit diesen Erwartungen umgehen? Was könnte Sie dabei unterstützen?

2. Die Angst vor dem Verlust

Die innere Versagensangst bekommt häufig auch noch einen Buddy an die Seite. Sie verstehen sich exzellent. Was wäre nämlich, wenn Sie doch scheitern? Wenn Sie etwas falsch machen oder schwach sind?

Natürlich würden dies alle sofort bemerken – damit wäre der Job als Schulleitung in Gefahr. Was käme dann? Die Karriereleiter wieder hinabsteigen und als Lehrkraft arbeiten? An eine andere Schule gehen? – Da würde Ihr Ruf Ihnen aber auch vorauseilen. Sie stecken gefühlt in einer Sackgasse. Sie müssen also immer alle Bälle in der Luft halten, dürfen nicht stolpern und nichts fallen lassen. Schließlich geht es um Ihr Image und Ihren Status.