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Organisationsentwicklung und Schulentwicklung

Schulprogramm und Digitalisierung

von Heinz Kipp, Hans-Joachim Gruel

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Schule digital

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Worum es geht

Eine stärkere Digitalisierung bringt den Schulen neue Chancen und Möglichkeiten, birgt aber auch Gefahren und Risiken. Dies gilt es in einem Change-Prozess zu gestalten. Der folgende Beitrag will die Bedeutung der Steuerung dieser Entwicklung hervorheben und die Gestaltung des Prozesses über die Schulprogramme der Schulen darstellen.

1. Einleitung

Nach langem Hin und Her sind sich Bund und Länder einig, der vielfach geforderte Digitalpakt kommt. Die mit seiner Hilfe stark forcierte Ausstattung von Schulen mit dem zusätzlichen digitalen Equipment wird diese mehr und mehr verändern. Schule wird sich darauf einstellen müssen, ob sie will oder nicht, denn es gilt nicht nur vor Ort, ein Plus an Technik zu bewältigen. Die verstärkte Digitalisierung bringt auch strukturelle Veränderungen in vielen Bereichen mit sich: im Unterricht, in der inner- und außerschulischen Kommunikation sowie beim Lernen selbst und betrifft daher das Miteinander aller an Schule Beteiligten.

Dieser bereits seit Längerem in Gang gekommene Prozess wird mit den zusätzlich zur Verfügung gestellten Bundesmitteln erheblich an Fahrt aufnehmen und tiefgreifender sein als viele vorherige Veränderungen. Die Schule ist angesichts der damit verbundenen und bereits jetzt in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Chancen und Risiken gut beraten, sich reflektierend mit dem angedeuteten Transformationsprozess zu befassen und diesen so zu gestalten, dass für alle in der Schule ein größtmöglicher Nutzen entsteht, Chancen optimal genutzt und Risiken minimiert werden können. Bisher fehlt es häufig an überzeugenden Konzepten, wie die neuen Geräte eingesetzt werden sollen. Ob der verstärkte Einsatz digitaler Geräte tatsächlich die Lernleistungen verbessert, muss sich noch zeigen und wird sehr stark von der gezielten Verwendung der neuen Hard- und Software abhängen.

Bei allen Überlegungen zum Einsatz der den Schulen bald zur Verfügung stehenden finanziellen und technischen Möglichkeiten gilt es zu bedenken, dass die Planung immer schulbezogen erfolgen muss, sich nahtlos in die Gesamtkonzeption der Schulentwicklung einfügt und die oftmals sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und regionalen Spezifika berücksichtigt. Eine Verankerung in den Schulprogrammen der Schulen ist nicht nur unerlässlich, sondern das Schulprogramm ist hierfür auch besonders geeignet: Der Digitalisierungsprozess betrifft alle an der Unterrichts- und Erziehungsarbeit einer Schule Beteiligten und das Schulprogramm schafft per definitionem die Voraussetzungen dafür, dass Lehrer, Eltern und Schüler bei der Planung und Gestaltung des Veränderungsprozesses mitwirken und mitentscheiden können. Darüber hinaus hat das Schulprogramm, einmal beschlossen und veröffentlicht, ein hohes Maß an Verbindlichkeit.

Mit ihren Schulprogrammen vereinbaren die Schulen mittel- bis langfristige Schwerpunkte ihrer Qualitätsentwicklung. Diese müssen darauf abzielen, die Vorgaben, aber auch die Freiräume, die in den jeweiligen Schulgesetzen der Bundesländer eingeräumt sind und an deren Nutzung die Verwendung der Mittel gebunden ist, verbindlich für die eigene Schule auszugestalten. Dies dient unter anderem allen als Orientierungshilfe im Prozess der gesamten, also auch digitalen Schulentwicklung und als Instrument der Steuerung von einzelnen Vorhaben, Projekten und des einer Schule zur Verfügung stehenden Budgets.

Das Schulprogramm übernimmt damit bei der Weiterentwicklung der Digitalisierung der Schule die Funktion eines Planungs- und Steuerungsinstruments, aber auch der Rechenschaftslegung. Es soll daher als Instrument einer systematischen digitalen Schulentwicklung verstanden und in diesem Kontext auf die damit verbundenen Möglichkeiten hin genauer in den Blick genommen werden.

2. Das Schulprogramm – Grundlage der schulischen Qualitätsentwicklung

Das Thema Schulprogramm ist in der Literatur umfänglich behandelt, dennoch lohnt es sich mit Blick auf die stärkere Berücksichtigung des Digitalisierungsprozesses, wesentliche Merkmale und Überlegungen noch einmal aufzugreifen und darzustellen.

In einem Leitbild beschreibt die Schule das gemeinsame pädagogische Ziel- und Werteverständnis sowie die Grundsätze für Erziehung und Unterricht. Dabei sind unter anderem die Zusammensetzung der Schülerschaft und das regionale Umfeld bedingende Faktoren. Auf der Grundlage eines solchen Leitbildes und der Erhebung der Stärken, der Potenziale und Entwicklungsnotwendigkeiten erarbeitet die Schule ein Schulprogramm, in dem sie realistische Ziele und Schwerpunkte für die schulische Weiterentwicklung innerhalb eines klar definierten Zeitraums festlegt. Dabei werden geeignete Maßnahmen und Aktivitäten der Zielerreichung vereinbart und in eine verbindliche Maßnahmenplanung umgesetzt.

In seinem Orientierungsrahmen „Schulqualität in Niedersachsen – Grundlage der Qualitätsentwicklung an allgemeinbildenden Schulen“ stellt beispielsweise das dortige Kultusministerium das Schulprogramm als ein wesentliches Instrument der Schulentwicklung dar. Dort heißt es: „Im Schulprogramm legt die Schule in Grundsätzen fest, wie sie den Bildungsauftrag erfüllen will. Das Schulprogramm gibt darüber Auskunft, welches Leitbild und welche Entwicklungsziele die pädagogische Arbeit und die sonstigen Tätigkeiten der Schule bestimmen.“ (Qualitätsmerkmal 4.1: Schulprogramm)