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Respektvoller Umgang miteinander

Schulkultur

von Walter Kowalczyk

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Worum es geht

Schüler in Deutschland leiden unter Prüfungsangst und Leistungsdruck, das ist bekannt. Auch bekannt ist, dass Kinder und Jugendliche in Schulen Opfer oder Täter von Mobbingattacken sind. Dass viele Schüler aber von ihren Klassenkameraden so schikaniert werden, dass ihre Gesundheit darunter deutlich leidet, ist hingegen weit weniger bekannt. Die Frage, die Sie sich stellen müssen, ist, wie Sie diese Vorkommnisse an Ihrer Schule weitestgehend verhindern können. Eine von mehreren Antworten ist: Schaffen Sie an Ihrer Schule eine positive Schulkultur!

1. Mobbing kann krank machen

In einer Studie (2009) des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG) der Leuphana Universität in Lüneburg gab fast jeder dritte Schüler (31,2 Prozent) an, in letzter Zeit mindestens einmal „fertig gemacht oder schikaniert“ worden zu sein. Jeder Zehnte sei sogar mindestens einmal Opfer von Gewalt auf dem Schulgelände oder seinem Schulweg geworden. Als Täter von Mobbinghandlungen sehen sich 37 Prozent der Befragten, wobei der Anteil der betroffenen Jungen und Mädchen nahezu gleich war.

Die Folgen dieser Schikanen führen zu einem im Vergleich zu anderen Schülern deutlich schlechteren Gesundheitszustand. 14 Prozent der Mobbingopfer leiden unter regelmäßig auftretenden Beschwerden wie Kopf-, Rücken-, Bauchschmerzen oder Schlafstörungen. Bei den nicht bedrängten Schülern sind es nur vier Prozent.

2. Eine positive Schulkultur kann Mobbing verhindern

Die Auswertung der Studie belegt einen großen Handlungsbedarf bezüglich der Gewaltprävention an Schulen. So besuchten die befragten Schüler keine Problemschulen, sondern ganz normale Einrichtungen. Die Ergebnisse der Studie haben bestätigt, dass Schulkultur und vor allem das Verhalten der Lehrkräfte beim Mobbing eine große Rolle spielen.

Viele Mobbingtäter gaben an, dass ihre Lehrer bestimmte Schüler bevorzugen und andere benachteiligen würden. Dies führt zu einer gesteigerten Unzufriedenheit. Auch die Mobbingopfer fordern vonseiten der Lehrer mehr Unterstützung. Nun stehen Sie als Schulleitung vor der Frage, was Sie tun können, um Mobbing-Vorfälle möglichst zu verhindern und Ihre Lehrkräfte bei der Mobbing-Prävention zu unterstützen.

Die Leuphana Universität begleitet deshalb im Rahmen der DAK-Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“ 30 Schulen bundesweit, um den Schulalltag und das Schulklima zu verbessern. Ziel ist es, klare und verbindliche Regeln für den Schulalltag zu erarbeiten und die Fähigkeit der Schüler zur gewaltfreien Konfliktlösung zu trainieren.

2.1 Was ist Schulkultur?

Das Wort Kultur geht zurück auf das lateinische colere und bedeutet bebauen, pflegen und ehren. Eine Sache pflegen – das heißt sorglich damit umgehen, und zwar in einer gewissen Verantwortlichkeit, Gemeinsamkeit und Verbindlichkeit.

Der Kern einer Schulkultur wird gebildet von einem Netzwerk von gedanklichen Konstrukten – Wertsetzungen, Normen und deskriptiven Annahmen. Diese Konstrukte schlagen sich in Entscheidungen und Gewohnheiten, Ritualen, Legenden und Mythen nieder. Sie sind als Selbstverständlichkeiten im alltäglichen Handeln der Schule wirksam, werden aber selten thematisiert.

Schulkultur ist also etwas, was nicht unmittelbar wahrnehmbar und objektiv fassbar ist. Sie liegt irgendwie unter der Oberfläche der Schulwirklichkeit. Für diese Erkenntnis steht sinnbildlich das sogenannte „Eisberg“-Modell.

Wichtig

Das „Eisberg“-Modell

Es macht deutlich, dass nur ein sehr kleiner Teil der Schulkultur objektiv sichtbar ist und dass wie bei einem Eisberg der weitaus größere Teil unsichtbar ist, weil er unter der Oberfläche der Alltagswahrnehmung liegt.

Implizit wird damit ausgesagt: Über Schulkultur zu sprechen ist eine schwierige Sache, denn es soll über etwas gesprochen werden, was zunächst unsichtbar ist und erst – wie beim Eisberg mittels Radar –unter Zuhilfenahme spezieller, keineswegs alltäglicher Wahrnehmungsverfahren sichtbar gemacht werden muss.

Wissenschaftliche Untersuchungen über Bedingungen, die die Qualität einer Schule ausmachen, haben immer wieder belegt, dass ein wesentlicher Faktor ein meist implizites Einverständnis über eine gemeinsame Kultur ist – etwas, was Menschen zusammenhält.