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Schulentwicklung in einer digital geprägten Gesellschaft

Digitale Transformation – Apocalypse no!

von Monika Heusinger

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Schule digital

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Worum es geht

In dem Beitrag wird thematisiert, welche Herausforderungen die Digitalisierung für die Schule mit sich bringt und welche Chancen sich durch die Nutzung digitaler Medien für die Schulentwicklung bieten. Dabei sollen Anregungen gegeben werden, wie die Schulleitung in Zusammenarbeit mit allen am Schulleben Beteiligten Transformationsprozesse effektiv gestalten kann, um mit Risiken angemessen umzugehen und Potenziale wirkungsvoll zu nutzen.

1. Herausforderungen einer digital geprägten Gesellschaft

Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer digital geprägten Welt auf. Die Digitalisierung ist allgegenwärtig und bietet viele Chancen, aber auch Herausforderungen, mit denen sich auch Schule auseinandersetzen muss, wenn sie die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu selbstständigen, kreativen, kritisch sowie demokratisch denkenden Lernenden begleiten möchte.

Smartphones, Tablets & Co ermöglichen Mobilität. Wir sind nicht mehr an einen Ort gebunden. Dadurch entstehen neue Lernorte. Unterricht kann sich öffnen, sowohl durch Kommunikation über den Unterrichtsraum hinweg wie auch Lernen mit digitalen Medien an Lernorten außerhalb des Klassen- oder PC-Raums. Lernen kann dort statt-finden, wo es Sinn macht und ist nicht mehr an starre Raumkonstellationen gebunden.

Durch digitale Möglichkeiten stehen uns Informationen ubiquitär zur Verfügung. Lernen kann immer und überall stattfinden und wir können direkt auf entsprechende Informationen zugreifen. Wir müssen aber auch lernen, mit der Informationsflut umzugehen.

Viele soziale Kontakte laufen über digitale Kommunikation. Soziale Netzwerke und Instant-Messenging-Dienste machen es möglich, ortsunabhängig und ggf. auch asynchron miteinander zu kommunizieren. Dies sollte jedoch als Erweiterung und nicht als Ersatz für persönliche Begegnungen gesehen werden. Auch müssen wir darauf achten, dass die permanente Erreichbarkeit nicht Stress verursacht. Gruppen in Messenger-diensten können, wenn jeder angemessen damit umgeht, den Druck, immer online sein zu müssen, verringern. In einer Gruppe ist immer jemand da, um direkt zu antworten bzw. bei Fragen oder Problemen zu helfen. Dadurch kann man eine Reaktion auf eine Nachricht auch mal anderen überlassen. Bei schulischen Fragen oder Problemen muss es nicht immer die Lehrperson sein, die permanent erreichbar ist, sondern vieles können die Schülerinnen und Schüler untereinander lösen. Digitale Kommunikationswege erlauben zudem Kooperation mit Lernenden über eine Klasse bzw. einen Kurs hinweg. Es sollte daher als angenehm empfunden werden, dass immer jemand online ist, um schöne oder auch traurige Momente zu teilen oder Hilfe bei Fragen und Problemen zu geben und nicht Stress verursachen.

Digitale Aktivitäten können getrackt werden und die Nutzer können lokalisiert werden. Die Erfassung von Daten kann durch Learning Analytics eine große Hilfe bei der Personalisierung von Lernangeboten sein. Lokalisierung kann z. B. bei Unterrichtsgängen nützlich sein, da man für Treffpunkte einen Standort teilen kann und man durch entsprechende Kartendienste zu dem Ort geleitet wird. Wir müssen allerdings lernen, verantwortungsbewusst mit unseren Daten und Daten anderer umzugehen.

Und zuletzt stehen uns digital viele Techologien zur Verfügung, die eine digitale Infrastruktur und damit einen digitalen Workflow ermöglichen, was viele Vorteile bietet. Arbeitsergebnisse können direkt dokumentiert bzw. archiviert werden. Es fallen keine Kopierkosten an und auch die Kopierzeit entfällt, da Material direkt digital geteilt werden kann. Ein weiterer Vorteil eines digitalen Workflows ist, dass bei Abwesenheit im Unterricht bzw. über den Unterricht hinaus, man jederzeit auf die Materialien zugreifen kann.

Neben diesen organisatorischen Aspekten ermöglichen digitale Technologien neue Lernerfahrungen z. B. im Bereich von Augmented oder Virtual Reality. Schülerinnen und Schüler können zudem selbst produktiv werden. Lerninhalte können anschaulicher dargestellt werden und es werden kreative Zugänge möglich. Working Out Loud, das Sichtbarmachen von Lern- und Arbeitsprozessen im Netz, kann Lernkultur verändern. Es kann ein offeneres Verständnis von Lernen entstehen, bei dem individuelle Lernwege auch mal mit Umwegen gegangen werden können. Fehler werden nicht mehr nega-tiv gesehen, sondern sind eine Etappe des Work in Progress. Und es entstehen Möglichkeiten der Vernetzung über den Unterricht hinaus. Dabei kann kreatives Potenzial freigesetzt und kritisches Denken gefördert werden, was nachhaltiger ist, als gelenkten Lösungswegen zu folgen und was kompetent macht, eigenständig und gleichzeitig vernetzt in der Gemeinschaft Lern- bzw. Arbeitsprozesse erfolgreich zu gestalten.

Macht man Lern- und Arbeitsprozesse im Netz öffentlich, setzt man sich allerdings Kritik aus und muss lernen, angemessen damit umzugehen. Auf der anderen Seite muss man lernen, Kritik an anderen Beiträgen konstruktiv und sachlich zu äußern, sodass ein zielführender Diskurs bzw. Austausch entsteht. Des Weiteren muss man kompetent werden im Umgang mit Urheberrechten sowie datenschutzrechtlichen Aspekten und reflektieren, welchen digitalen Fußabdruck man hinterlässt.