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Grundlagen, hemmende und fördernde Faktoren

Regionale Bildungslandschaften

von Verena Todeskino

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Worum es geht

Staat (= Länder) und Kommune arbeiten in nahezu allen Bundesländern immer direkter und enger im Bildungsbereich zusammen. Betroffen sind – sicher im positiven Sinne – auch die Schulen. Aber wissen die Schulen um den Sinn und die Funktionsweise von Netzwerken, kennen sie die hemmenden und fördernden Faktoren? Die Praxis zeigt, dass es hier Lücken zu schließen gilt – nicht zuletzt im theoretischen Verständnis, denn nur die Kenntnis des Mehrwertes in einer Verbindung in Bildungslandschaften kann engagierte Mitarbeit hervorrufen.

1. Regionale Bildungslandschaften

Begründung regionaler Bildungslandschaften

Schulen wirken in räumlicher, aber auch sozialer Hinsicht als Mechanismus harter Segregation, was sich nicht zuletzt in unbefriedigenden Leistungen der Schülerinnen und Schüler zeigt. Das in sich geschlossene Schulsystem wirkt zunehmend hemmend, die Öffnung der Schulen innerhalb der Region und der Kommunen ist notwendig. Sie müssen sich in ihrer Region vernetzen – in Bildungslandschaften eingebunden sein.

Mit dem Begriff „Bildungslandschaften“ wird ein bildungspolitisches Konzept bezeichnet, das institutionelle und lebensweltliche Bedingungen von Bildung, formale und informelle Bildungsprozesse gleichermaßen in den Blick zu nehmen versucht.“ (Mack 2009, S. 60).

Fähigkeiten zur Problemlösung. Der Sinn beziehungsweise die Fähigkeit von effektiven Netzwerken ist ihr Vermögen, Problemlösungen zustande bringen, die ein einzelner Akteur so nicht vollbringen könnte. Es ist wichtig, dass das unkontrollierte Nebeneinander der einzelnen Bildungsinstitutionen überwunden wird und stattdessen eine ganze Kommune zusammenwächst – innovative Arbeitsformen aktiviert werden. Der Schule kommt eine entscheidende Rolle bei der Bildung zu, doch in einer Zeit des lebenslangen Lernens reicht Bildung über den Bereich Schule hinaus. Lokale Bildungslandschaften verabschieden sich von dem Gedanken, wonach Kinder erst betreut, dann erzogen und schlussendlich gebildet werden müssen. Vielmehr kann jetzt von einer Gleichzeitigkeit dieser drei Aspekte gesprochen werden, wobei auf die jeweilige Entwicklungsphase der Kinder beziehungsweise Jugendlichen eingegangen wird. „Je früher die Kinder gleiche Bildungschancen erhalten, umso weniger können sich durch Lebenslagen bedingte nachteilige Strukturen verfestigen und die soziale Herkunft die Bildungsbiografie von Kindern bestimmen“ (Faltermeier/Mund 2009, S. 19). Die Heinrich Böll Stiftung hat 2009 die Regionalisierung als eine von vielen Maßnahmen zur Schaffung von Bildungsgerechtigkeit im Lebenslauf bezeichnet.

Dimensionen lokaler Bildungslandschaften

Eine allgemeingültige Definition für lokale Bildungslandschaften liegt bisweilen nicht vor. Meinecke/Schalkhaßer/Täubig (2009) sprechen von einer Dimensionierung lokaler Bildungslandschaften. Sie nehmen eine Einordnung in vier Dimensionen vor.

  • Planungsdimension – beschreibt die stattfindenden Planungsprozesse innerhalb der Regionen und wie diese Prozesse aufeinander bezogen sind.
  • Zivilgesellschaftliche Dimension – lokale Bildungslandschaften kooperieren nicht nur mit außerschulischen Partnern, sondern auch mit den Eltern der Schüler. Das Zusammenwirken von zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren ist besonders wichtig. Erziehung und Bildung sind nicht nur die Aufgabe der Eltern und Schulen alleine – Erziehung ist die Aufgabe von Eltern, Gesellschaft und Staat. Doch vielerorts arbeiten Eltern und Schulen selten miteinander. Es kann vielfach eher von einem Nebeneinander oder Gegeneinander gesprochen werden.
  • Aneignungsdimension – lokale Bildungslandschaften müssen anregende Lern- und Lebensumgebungen für die Kinder und Jugendlichen schaffen. Dabei geht es auch um die Lernzeit außerhalb der Schule. Diese Lernzeit muss ausreichend vorhanden sein und von jedem genutzt werden können.
  • Professionsdimension – innerhalb einer lokalen Bildungslandschaft arbeiten viele verschiedene Professionen zusammen. Betrachtet werden an dieser Stelle die Auswirkungen auf das Selbstverständnis der einzelnen Professionen.

Mit Hilfe dieser vier Dimensionen können lokale Bildungslandschaften untersucht werden und lokale Bildungslandschaften können sich auf dieser Grundlage selbst evaluieren. Aber eine reine Überprüfung von Erledigung oder Nichtbeachtung verschiedener Merkmale ist nicht ausreichend.

Regionale Bildungsnetzwerke

Als Merkmale von regionalen Bildungsnetzwerken können genannt werden:

  • Individuelle Potenziale jedes einzelnen Individuums werden gefördert.
  • Alle Akteure arbeiten in verbindlichen Strukturen zusammen.
  • Eltern werden stärker einbezogen.
  • Übergänge werden in Form von Bildungsketten optimiert („Anschlüsse statt Ausschlüsse“).
  • Der kulturellen Bildung wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt.