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Eine Chance für Schulleitung, Schulentwicklung und Kollegium

Pädagogischer Tag zum Thema „Digitalisierung“

von Bob Blume

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Schule digital

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Worum es geht

Ein pädagogischer Tag ist oftmals eine Art Sammelsurium für diejenigen Dinge, die im Verlauf des Jahres liegenbleiben. Das ist zwar verständlich, lässt aber Chancen aus, die ein solcher Tag für die Schule – und damit für die Schulleitung, das Kollegium – bedeuten kann. Ein pädagogischer Tag zum Thema „Digitalisierung“ bietet sich als Initialzündung für einen Prozess an, der nachhaltig, verbindlich und transparent zu einer Erweiterung der Lernmöglichkeiten innerhalb der Schulen führen kann. In diesem Artikel finden sich sowohl grundlegende Gedanken zum Thema Digitalisierung und Schule als auch die Beschreibung des Prozesses, der zu einem pädagogischen Tag führen kann.

1. Zum Begriff Digitalisierung

Es mag sehr weitreichend erscheinen, mit dem Begriff Digitalisierung zu beginnen, aber es ist essentiell, dass alle an der Schulleitung Beteiligten wissen, worum es geht, wenn wir über dieses Thema sprechen. „Dieses Thema“ ist mit „Digitalisierung“ nämlich eigentlich unzureichend besprochen. Sehr kurz gefasst geht es bei dem Begriff nämlich um die Übertragung von etwas Physischem in Daten. Das kann aber nicht gemeint sein, wenn es um Digitalisierung von Schule geht, es sei denn, die Beteiligten sind der Meinung, dass der Gegenwart Genüge getan sei, wenn man anstelle von Schulbüchern nun digitale Schulbücher nutzt.

Mehr als um einen Prozess der Umformung geht es bei der Digitalisierung um etwas, dass man in einem größeren Umfang „digitale Transformation“ nennen könnte. Diese beschreibt – zumindest deutlicher als der Begriff „Digitalisierung“, dass es um einen Entwicklungsprozess geht, der mehr betrifft als die Erscheinungsform von Dokumenten. Es geht um einen Prozess, der deshalb gesamtgesellschaftlich relevant wird, weil er unter anderem die „Digitalisierung“, aber eben auch die Automatisierung, die Vernetzung und die Globalisierung betrifft (vgl. Honegger 2016). Die Konsequenzen sind vielfältig: Informationsflut, Automatisierung, komplexe Probleme und ein beschleunigter Wandel. Herausforderungen liegen im Bereich der Datensicherheit, der Verdatung, der beruflichen Perspektiven und dem Kontrollverlust.

Aus diesen Gründen bietet es sich mehr an, von einer „Kultur der Digitalität“ zu sprechen, wie es Felix Stalder in seinem gleichnamigen Buch tut. Die Charakteristika dieser Kultur der Digitalität zu besprechen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es sei nur angemerkt, dass es um mehr gehen muss, als darüber zu sprechen, wie Teile des schulischen Umfelds digitalisiert werden kann.

2. Reflektiertes Lernen im digitalen Wandel

Es geht um die Erweiterung des Lernens innerhalb der Kultur der Digitalität. Um diese Form des Verständnisses begreifbar zu machen, gleichsam aber nicht mit einem Wortungetüm zu hantieren, bietet sich der Begriff des „Reflektierten Lernens im digitalen Wandel“ an – so auch der Name des pädagogischen Tages, den der Autor federführend organisiert hat. Die Elemente deuten gleichsam auf die Aspekte, die hier holzschnittartig verhandelt worden sind. Das Adjektiv ist dabei besonders wichtig. Denn es geht nicht darum, das Lernen, das die Kolleginnen und Kollegen täglich bei Ihren Schülerinnen und Schülern initiieren als anachronistisch wirken zu lassen. Im Gegenteil.

Der Begriff des reflektierten Lernens ermöglicht es, dort anzudocken, wo die Kolleginnen und Kollegen durch Ihren Unterricht schon ansetzen: Ein Lernen zu ermöglichen, dass die Welt verständlich macht, das Individuum in den Vordergrund stellt und die eigenen Handlungsweisen reflektiert. Der angefügte digitale Wandel soll den Transformationsprozess verdeutlichen.

3. Vom Grundgedanken zum Planungsziel

Vom Grundgedanken des Transformationsprozesses ausgehend kann das Planungsziel festgelegt werden, zu dem man kommen möchte. Wenn das Ziel ist, ein Lernen zu ermöglichen, dass reflektiert unter den Bedingungen des digitalen Wandels geschieht, kann der Begriff „zeitgemäßes Lernen“ (Bob Blume 2019) verwendet werden. Dieser ist umstritten bzw. verschieden definiert worden, verdeutlicht aber den Aspekt eines Lernverständnisses, das sich an den Gegebenheiten der Jetztzeit orientiert.

Welcher Begriff auch immer verwendet wird: Der Grundgedanke ist wichtig, damit nicht „drauflos“ geplant wird. Auf dem Kerngedanken kann aufgebaut werden. Um auch jene Kolleginnen und Kollegen ins Boot zu holen, die der digitalen Transformation kritisch gegenüberstehen, sind verschiedene Strategien sinnvoll, die auch mit der Erstellung des Teams, der Planung, der Transparentmachung und der Durchführung des pädagogischen Tages zusammenhängen.

Inhaltlich ist aber auch ein wichtiges Scharnier zu beachten: Das Strategiepapier der Kultusministerkonferenz umfasst 6 Kompetenzbereiche:

Der Rahmen umfasst sechs Kompetenzbereiche:

  1. Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren
  2. Kommunizieren und Kooperieren
  3. Produzieren und Präsentieren
  4. Schützen und sicher Agieren
  5. Problemlösen und Handeln
  6. Analysieren und Reflektieren