Mein Arbeitsplatz

Durchgängige individuelle Förderung durch Verzahnung

Nichts Halbes im Ganztag

von Uwe Brönstrup, Marianne Schardt

Sie wollen den kompletten Text lesen?

Worum es geht

Eine Verzahnung von Unterricht und „außerunterrichtlichen“ Angeboten – so lautet der Wunsch vieler Schulen, die sich auf den Weg in den Ganztag gemacht haben oder diesen jetzt beschreiten wollen. Blickt man dann auf die Stundenpläne, so sieht die Realität oft anders aus: „Gelernt“ wird vormittags, „gespielt“ wird nachmittags nach dem Erledigen der Hausaufgaben. Förderunterricht, der sich gezielt an Einzelne richtet, ist personalintensiv und deshalb selten vorzufinden. Dieser Beitrag möchte Ihnen einen Weg aufzeigen, wie Sie behutsam zu einer Vernetzung von Vormittag und Nachmittag gelangen und wie die notwendige Transparenz hergestellt werden kann, um auch am Nachmittag noch optimal zu fördern.

1. Ganztag als Chance für ein ganzheitliches Konzept

Viele Grundschulen sind bereits in den Ganztag gestartet, etlichen steht dies zum neuen Schuljahr bevor. Anspruchsvolle Konzepte wurden erdacht, die Erwartungen an diese neue Angebotsform waren und sind hoch. Jetzt sind die ersten Erfahrungen gemacht, aus denen gelernt werden kann.

1.1 Was die Erfahrung lehrt

Wie sich zeigt, wurde der Start in den Ganztag gelegentlich mit zu heißer Nadel gestrickt. Zu hohe Ansprüche an das Leistungsspektrum des neuen Systems, vor allem aber Unterschätzung der planerischen und konzeptionellen Aufgaben für die beteiligten Akteure haben mitunter dazu geführt, dass es bei frommen Wünschen geblieben ist und die Situation sich wie folgt darstellt:

Das hohe Engagement der Ersten Stunde ist einer Ernüchterung gewichen, die Skeptiker fühlen sich bestätigt und drängen auf „Schadensbegrenzung“.

Am Vormittag „läuft“ der traditionelle Unterricht, nach einem gemeinsamen Mittagessen besteht das Angebot am Nachmittag aus einem additiv angehängten Programm aus Hausaufgabenbetreuung, sportlichen und künstlerischen Aktivitäten nach Plan.

Förderunterricht ist in vielen Fällen eingebettet in die Hausaufgabenbetreuung und besteht aus der Wiederholung dessen, was vormittags nicht verstanden wurde.

„Ordentliche“ Lehrkräfte, Betreuungspersonal, Eltern und Jugendhilfe „arbeiten“ nebeneinanderher oder gar gegeneinander, weil die jeweiligen Zielvorstellungen und Bildungsaufträge nicht hinreichend kommuniziert und abgestimmt wurden.

Schulen, denen eine sinnvolle Verbindung von pädagogischen und freizeitlichen Angeboten bereits gelungen ist, berichten dagegen von anerkannt guten Erfolgen und hoher andauernder Motivation sowohl bei den Lehrkräften als auch bei dem nicht pädagogischen Personal und bei den Kindern und deren Eltern.

Auch hierzu einige Schlaglichter:

„Endlich habe ich mehr Zeit, an einem Thema mit allen seinen Facetten zu arbeiten“ (eine Lehrerin).

„Gedichte lernen ist toll, wenn man sie auch noch rappen kann“ (ein Schüler).

„Ich erlebe die Kinder am Vormittag ganz anders, als wenn sie erst nachmittags nach dem Unterricht zu mir in die Betreuung kommen“ (eine Sozialarbeiterin).

„Ich bin ganz erstaunt, wie sich mein Kind plötzlich über den langen Tag konzentrieren kann“ (eine Mutter).

1.2 Wesentliche Grundsätze

Bei Ihnen als Schulleitung wird sicherlich der Wunsch bestehen, in einem ganzheitlichen Konzept die Angebote und Handlungsfelder des Vormittags und des Nachmittags intensiv zu verschmelzen, am besten gleich mit einer solchen Verzahnung in den Ganztagsbetrieb „einzusteigen“. Dies darf sich nicht allein auf inhaltliche Aspekte des Lern- und Betreuungsangebots beziehen, sondern muss bei allen beteiligten Professionen ein gemeinsames Verständnis von Ziel und Auftrag begründen. Es entsteht ein Leitbild von Ganztagsunterricht, das auf zwei grundsätzlichen Ansprüchen beruht:

  1. Es gibt keinen „typischen“ Vormittags- und Nachmittagsunterricht, weder in der Inhaltlichkeit noch in der Art und Weise der Durchführung und Betreuung oder im Personaleinsatz.
  2. Der Ganztagsunterricht folgt einem didaktisch-methodisch abgestimmten ganzheitlichen Ansatz, in dem alle fachlichen, pädagogischen und personellen Ressourcen optimal miteinander verwoben sind.

Drei Handlungsfelder der Schulentwicklung

Diese Entscheidung bedingt drei Handlungsfelder für die Schulleitung, nämlich die organisatorische, die pädagogische und die konzeptionelle Verzahnung von Vor- und Nachmittagsbetrieb. Diese stellen wir Ihnen in der Folge zunächst abrissartig vor.