Mein Arbeitsplatz

Ein Mentorensystem als Beitrag zur Personalentwicklung und –beurteilung

„Neue“ müssen vieles lernen

von Jörg Barda

Worum es geht

Neue Kollegen ohne Reibungsverluste integrieren und dadurch

  • Orientierung und Unterstützung für „Neue“ bieten
  • die Unterrichtsqualität sichern
  • Wissenstransfer anregen

1. Neue Kollegen an der Schule

Neue, junge Kolleginnen und Kollegen an Ihrer Schule – das bringt frischen Wind, stellt die Schulleitung aber auch vor Herausforderungen. Die „Neuen“ müssen vieles lernen. Sie sollen sich in den schulischen Alltag ohne Reibungsverluste einfügen, fachlichen Anforderungen genügen, sich mit der Schule identifizieren … Und das schon kurz nach dem Referendariat. Je größer die Schule, desto schwieriger ist diese Aufgabe. Generationenkonflikte zwischen alten und neuen (jungen) Kollegen sind vorprogrammiert. Ein funktionierendes Mentorensystem kann helfen, neue Lehrkräfte so zu integrieren, dass alle Beteiligten davon profitieren.

Neue Kollegen müssen sich einfinden

Wenn eine neue Lehrkraft an die Schule kommt, ist das für alle Beteiligten ein emotionales Erlebnis, das für die Schule nicht ohne Folgen bleibt.

Die „Neuen“ ...

  • sind gespannt auf die neue Schule, das Kollegium, die Schüler und nicht zuletzt auf die Schulleitung,
  • sind in der neuen Situation unsicher und müssen sich erst einfinden und ausprobieren,
  • haben Erwartungen an ihre neue Umgebung und werden umgekehrt Erwartungen ausgesetzt,
  • dringen in mehr oder weniger gut funktionierende Strukturen ein (es kann negative, aber auch positive Folgen haben, wenn Gruppendynamiken aufgebrochen und Abläufe hinterfragt werden),
  • müssen unglaublich viele Informationen verarbeiten (z. B. schulinterne Begriffe, Abkürzungen, Namen, Gepflogenheiten, Lage der Räumlichkeiten),
  • bringen neues Know-how mit in die Schule.

Kernaufgaben der Schulleitung

Bei der Einführung neuer Lehrkräfte an Ihrer Schule sind in erster Linie Sie als Schulleiterin bzw. Schulleiter gefragt. Neben der Personalgewinnung ist es Ihre Aufgabe, das neue Personal zu fördern und zu beurteilen:

  • Ziel der Personalförderung ist es, Ihren Lehrkräften Möglichkeiten zu eröffnen, das eigene Unterrichtshandeln kritisch zu reflektieren, neue Erkenntnisse methodischer und fachwissenschaftlicher Art in den Unterricht zu integrieren und gemeinsam mit Kollegen die Qualität der Schule (auch über den Unterricht hinaus) zu entwickeln. Dazu gehören interne und externe Fortbildungsangebote für das gesamte Kollegium, Schulentwicklungsmaßnahmen (organisationales Lernen) sowie individuelle Personalentwicklungsmaßnahmen (z. B. Supervision, Mentoring).
  • Mit der Personalbeurteilung sollen Ihre Lehrkräfte erstens zu besseren Leistungen motiviert werden, zweitens soll die Grundlage für Beförderungen oder Verbeamtungen geschaffen werden, drittens sollten Sie Erkenntnisse für die Personalförderung erwerben. „Nach spätestens eineinhalb Jahren sollte jede neue Lehrerin und jeder neue Lehrer aufgrund von Stundenbesuchen der Schulleiterin bzw. des Schulleiters sowie des Mentorenberichts eine klare Aussage über seine [sic] Zukunft an der Schule erhalten.“ (Kempfert 2006, S. 557)

Unterstützung durch Mentoring

Ihr Interesse als Schulleiterin oder Schulleiter ist es, die neuen Lehrkräfte so in Ihre Schule und ins Kollegium zu integrieren, dass es möglichst geringe Reibungsverluste im schulischen Ablauf gibt. Sie sollen die fachlichen und methodischen Anforderungen erfüllen, sich in der Schulentwicklung engagieren und gleichzeitig auch noch innovativ tätig sein. Insbesondere für Letzteres müssen die neuen Kollegen Sicherheit gewinnen. Wer innovativ sein und sich wohlfühlen soll, muss sein Umfeld gut kennen und sich auch im Kollegium wohl und sicher fühlen. Diese Voraussetzungen können Sie über die Einrichtung eines Mentorensystems schaffen.

Wonach beurteilen Sie, ob eine Person auf Lebenszeit verbeamtet werden soll? Wer hilft Ihnen bei der Beurteilung? Auch diese Aufgabe bedarf eines systemischen Ansatzes der Personalführung. Es ist allerdings etwas Vorsicht dabei geboten, die Aufgabe der Personalbeurteilung und der Personalförderung im Rahmen eines Mentorensystems – vor allem personell – allzu sehr zu vermischen. Deshalb sollen sie im Folgenden vorläufig parallel, aber dennoch gesondert betrachtet werden.

Tipp

Mentorensystem als Führungsinstrument

Sowohl im Rahmen der Personalbeurteilung als auch für die Personalförderung ist ein Mentorensystem ein wichtiges Instrument. Es ermöglicht Ihnen, diese Aufgaben zum Teil zu delegieren, sich dadurch selbst etwas Luft zu verschaffen und eine stärkere Teamorientierung in Ihre Führungsaufgaben zu bringen. Außerdem verschaffen Sie sich eine breitere Kenntnis über die neuen Lehrkräfte an Ihrer Schule.