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Sicherheit gewinnen und Konflikte vermeiden

Nachteilsausgleiche gewähren und umsetzen

von Britta Kuß, Peter Friedsam

Worum es geht

Als Schulleitung sind Sie verantwortlich für die rechtlich korrekte Gewährung von Nachteilsausgleichen. Das Spannungsfeld zwischen dem hohen Erwartungsdruck von Eltern und rechtlichen Vorgaben ist groß. Im Folgenden erhalten Sie Informationen, Kenntnisse und Beispiele, die Sie in der Gewährung und Formulierung von Nachteilsausgleichen unterstützen. Lesen Sie, was ein Nachteilsausgleich ist

  • wer ihn erhalten kann,
  • was Sie und Ihr Kollegium bei der
  • Implementierung und Umsetzung
  • berücksichtigen sollten.

1. Definition und Abgrenzungen von Nachteilsausgleichen

Was ein Nachteilsausgleich ist, wird je Bundesland formuliert beziehungsweise definiert. Nachteilsausgleiche sind nicht im Zuge der Inklusion eingeführt worden und beziehen sich nicht alleine auf die Kompensation von Behinderungen im schulischen Kontext. Im Bereich der Teilleistungsstörungen hatten Sie als Schulleitung schon immer mit dieser Fragestellung zu tun, beispielsweise beim Gewähren von Ausgleichen bei LRS oder Dyskalkulie. Es gibt heute keine wesentlichen Divergenzen diesbezüglich.

Abzugrenzen ist jedoch davon der Verzicht oder die Aussetzung von Noten in Teilbereichen einzelner Schulfächer oder eines Schulfaches. Diese Ausnahmen sind in den Bundesländern in der Regel gesondert verfasst.

Was sind Nachteilsausgleiche?
In Anlehnung an die Hamburger Handreichung und deren Erweiterung durch Formulierungen aus anderen Bundesländern versteht man unter Nachteilsausgleich die Hilfs- und Unterstützungsleistungen, die Schülerinnen und Schülern
  • mit sonderpädagogischem Förderbedarf,
  • mit Behinderungen ohne sonderpädagogischem Förderbedarf,
  • mit Beeinträchtigungen im Lesen, in der Rechtschreibung oder im Rechnen und in sonstigen Teilleistungsbereichen (z. B. AD(H)S) und
  • mit besonderen Lebenssituationen (z. B. Schwangerschaft)
zu gewähren sind. Die im Rahmen dieser Hilfe und Unterstützung möglichen und gebotenen Einzelmaßnahmen werden in ihrer Summe als Nachteilsausgleich bezeichnet.

Wer erhält Nachteilsausgleiche?

Soweit diese Voraussetzungen vorliegen, erhalten Nachteilsausgleiche

  • alle Schülerinnen und Schüler in allen Schulformen der allgemeinbildenden staatlichen Schulen.
  • in der Regel auch Schülerinnen und Schüler an staatlich anerkannten Ersatzschulen (in diesem Sinne somit auch Schulen in freier Trägerschaft).
  • Schülerinnen und Schüler in Sonderschulen und (Sonder-)Schulen in Beratungszentren, die zielgleich unterrichten.

Ziele von Nachteilsausgleichen

Der Nachteilsausgleich verfolgt als Ziel, Menschen, die eine Behinderung oder eine Teilleistungsstörung beziehungsweise auch temporäre Unterstützungsbedarfe haben (z. B. schwere Erkrankungen, Schwangerschaft), Chancengleichheit in Bezug auf Unterrichtsteilnahme und die Erreichung von Bildungsabschlüssen und Ausbildungszielen zu ermöglichen.

wichtig

Nachteilsausgleich sind nicht gleich Förderung

Nachteilsausgleiche sind nicht gleichzusetzen mit Förderung! Sie dienen alleine der Kompensation einer Behinderung, Teilleistungsstörung oder besonderen Situation zur Herstellung vergleichbarer Bedingungen zur Leistungserbringung für das betroffene Kind.

Inhaltliche Förderkonzepte lassen sich nicht über einen Nachteilsausgleich begründen.

Nachteilsausgleiche sind nicht auf dem Zeugnis zu vermerken.

Handout: Übersicht zu Nachteilsausgleichen

2. Wer hat Anspruch?

Rechtlicher Rahmen

Grundsätzlich leitet sich der Nachteilsausgleich aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik ab: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ und Artikel 3 (3):„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Entsprechend gelten die Formulierungen in den meisten Landesverfassungen zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Die Kultusministerien beziehen sich in der Herleitung der Nachteilsausgleiche bezogen auf Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auch auf die KMK-Beschlüsse zur sonderpädagogischen Förderung. In den Sozialgesetzbüchern finden sich entsprechende, den Nachteilsausgleich begründende Formulierungen.