Mein Arbeitsplatz

Impulse aus der Personalentwicklung

Kreativität in der Schule

von Cornelia Knoch

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Worum es geht

Wie kann sich Kreativität in der Schule entfalten? Welche Rolle hat die Schulleitung dabei? Lesen Sie die Antworten und erhalten Arbeitshilfen für Ihr Führungsverhalten, für die Personalentwicklung der einzelnen Lehrpersonen, für die Arbeitsorganisation an Ihrer Schule und für die Schulhauskultur sowie einen Selbstevaluationsbogen für Ihre Schule.

1. Quergefragt: Warum wurden Sie Lehrer/-in? Warum Schulleiter/-in?

Erinnern Sie sich noch, warum Sie Lehrer oder Lehrerin werden wollten? War es die Möglichkeit, Entwicklungswege von Kindern und Jugendlichen mitzugestalten? Waren Sie fachlich motiviert und wollten diese Begeisterung weitertragen? War es die Aussicht, relativ autonom und eigenverantwortlich Sinnvolles zu leisten? Was war Ihre Motivation? Warum sind Sie dann Schulleiter/-in geworden? Wollten Sie eine Schule gestalten? Wollten Sie etwas Wertvolles für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Haben Sie eines Ihrer Motive wiedererkannt? Wenn ja, waren Sie bereits auf der Spur von Kreativität und Innovation. Schöpferisch-gestaltend tätig zu sein und sich auf diese Weise selbst wirksam zu erleben, sind Aspekte kreativen Handelns. Dieser Wunsch bedingt auch eine gewisse Autonomie.

Alle Aspekte zusammengenommen befriedigen und tragen bei zur individuellen Erfahrung, Form zu bilden – und gute Gefühle sind als Draufgabe das angenehme Begleitprodukt.

2. Welchen Nutzen hat Kreativität?

Kennen Sie nicht selbst befreiende „Heureka“-Erlebnisse, nachdem Sie an einer Sache länger feststeckten?

Die Fähigkeit, kreativ unsere komplexe Umwelt zu entschlüsseln und uns zugänglich zu machen, hilft, uns zu orientieren und unterstützt unsere Navigation durch verzweigte Lebenszusammenhänge. Ob es sich dabei z.B. um veränderte Anforderungen an eine fortschreitend digitalisierte Umwelt handelt oder um persönliche Lebensgestaltung: Es sind immer einzelne Attribute von Kreativität, die bei der Bewältigung helfen, die zum Durchbruch führen und Erfahrungen schaffen – dann z.B., wenn bestimmte Routinen nicht länger zweckdienlich sind.

3. Kreativität in einer Organisation

Wenn in einer Organisation etwas Neues und zugleich Nützliches geschaffen wird, sei es eine Idee, eine Problemlösung oder ein Produkt, spricht man im wissenschaftlichen Sprachgebrauch von Kreativität. Ein verwandtes Konzept ist die Innovation. In Abgrenzung zur Kreativität bezieht sich die Innovation allerdings konkret auf die Umsetzung von etwas Neuem, z.B. einer Idee. Während also bei der Kreativität die Erzeugung und ihre Nützlichkeit im Vordergrund stehen, ist es bei der Innovation die Umsetzung des Neuen am Arbeitsplatz.

Kreatives, innovatives Denken und Handeln sind eine Kompetenz, die über alle Schulfächer hinweg Bedeutung hat. Von den Inhalten aus können Impulse aus jeder fachlichen Perspektive geliefert werden und so das Fundament für eine aktuell und künftig kompetente Lebensgestaltung in einer komplexen Welt bilden. Dennoch kann im Klassenzimmer nur schwer vermittelt werden, was eine Lehrperson in ihrem organisationalen Umfeld nicht erlebt. Bietet eine Schule nicht die nötigen förderlichen Rahmenbedingungen für Kreativität, werden diese auch kaum im Unterricht Eingang finden.

An diesem Punkt sollten Sie ansetzen. Sie schaffen den Rahmen, der Raum für kreatives, innovatives Denken und Handeln öffnet und nehmen darauf Einfluss, wie Kreativität in Ihrem Schulhaus gelebt wird. Eine Leadership Studie, die 1500 CEOs befragte, nennt sogar Kreativität als wichtigste Führungskompetenz der Zukunft.

4. Kreativität als Eckwert der Personalentwicklung

Forschungen haben fundiert belegt, welche Bedingungen Kreativität und Innovation in einer Organisation fördern. Sie schaffen den Rahmen, damit sich kreatives, innovatives Denken und Handeln an Ihrer Schule entfalten können. Vor diesem Hintergrund strukturieren Sie Ihre Personalentwicklung anhand von vier Handlungsfeldern:

  • Führungsverhalten
  • Individuum
  • Arbeitsorganisation an der Schule
  • Schulhauskultur

4.1 Führungsverhalten

Als Schulleiter haben Sie einen hohen Einfluss auf die Wahrnehmung des Lehrpersonals und auf das schulische Umfeld. Behalten Sie im Hinterkopf: Der häufigste Kündigungsgrund, so Studien, ist eine „gestörte“ Vorgesetzten-Mitarbeitenden-Beziehung. Das zeigen auch Resultate einer Befragung in der Volksschule im schweizerischen Kanton Zürich. Seien Sie sich darum bewusst, dass Sie – auch wenn Sie in ein System eingebettet sind, indem viele Vorgaben von außen steuernd eingreifen – trotzdem die Bedingungen beeinflussen, innerhalb derer Entwicklungsprozesse in Ihrer Schule stattfinden. Reflektieren Sie darum regelmäßig Ihre Rolle und loten Sie Ihren Handlungsrahmen aus. Nehmen Sie dafür bewusst die Rolle des Gestalters ein. Nutzen Sie Sparringspartner, die Sie in Ihrer Reflexion unterstützen – ggf. auch außerhalb des üblichen schulischen Kontexts, damit Sie Ihr eigenes kreatives Querdenken anregen und Impulse sammeln. Als Führungsperson haben Sie eine Schlüsselfunktion inne!