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Kompetenzorientierter Unterricht und Fachteamarbeit

von Dr. Kerstin Tschekan

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Worum es geht

In den Schulen hat es zuweilen den Anschein, die Lehrerinnen und Lehrer würden sich nicht mit großer Freude darauf stürzen, kompetenzorientierten Unterricht zu planen und umzusetzen. Dies mag an der sowieso vorliegenden Aufgabenfülle oder an Missverständnissen und Defiziten liegen. Der vorliegende Beitrag soll dazu dienen, Akzeptanz-, Transparenz- und Transferdefizite zu verringern oder gar zu beseitigen.

1. Einführung

Es gibt wohl kaum ein pädagogisches Konzept, welches für die Schülerinnen und Schüler wertvoller ist, als das des kompetenzorientierten Unterrichts. Und dennoch hat es nicht den Anschein, als ob sich Lehrerinnen und Lehrer überall freudvoll darauf stürzen. Dafür mag es unterschiedliche Gründe geben. Rainer Lersch hat das im Artikel „Unterrichtsentwicklung als Aufgaben der Schulleitungen“ ausführlich als „ein Akzeptanz-, Transparenz- und Transferdefizit“ dargestellt.

Dieser Beitrag zielt darauf, die Leser von diesen Defiziten zu befreien – falls das noch nicht geschehen ist. Damit ist die Beantwortung verschiedener Fragen verbunden:

  • Was genau ist kompetenzorientierter Unterricht?
  • Wenn diese Frage für den einzelnen Pädagogen geklärt ist, dann kann er oder sie entscheiden, was für seinen Unterricht tatsächlich neu ist.
  • Welchen Mehrwert hat der kompetenzorientierte Unterricht ggf. für die Schülerinnen und Schüler und auch für die Lehrerinnen und Lehrer?
  • Wie kann in einer Schule dafür gesorgt werden, dass die Kolleginnen und Kollegen kompetenzorientiert unterrichten? Was hindert sie daran bzw. was würde sie unterstützen, diesem Konzept zu folgen?

2. Die Grundidee des kompetenzorientierten Unterrichtens

Der Anspruch des Unterrichts bestand und besteht darin, dass das, was sich die Schülerinnen und Schüler angeeignet haben auch später und auch in neuen Kontexten angewendet werden kann.

Sichtbar wird allerdings in zahlreichen Vergleichsuntersuchungen, dass Schülerinnen und Schüler zwar über umfangreiche Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen, dass sie aber Schwierigkeiten haben, diese dann anzuwenden, wenn die Situation bzw. die Art der Aufgabe unbekannt ist oder wenn zwischen der Aneignung der Kenntnisse und dessen Abruf einige Zeit vergangen ist. Kompetenzorientierter Unterricht soll dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse und Fertigkeiten nicht nur isoliert und zeitnah abrufen können, sondern dass sie ihr Können jederzeit und im funktionalen Kontext nutzen. Die Zweck schulischen Lernens besteht genau darin und nicht darin, das Wissen ausschließlich für die nächste Klausur parat zu haben.

Lehrkräfte verzweifeln hin und wieder, weil in den Schuljahren vorher „Behandeltes“ nicht mehr präsent ist.

3. Die Beschreibung von Kompetenzen

Kompetenzorientierung ist ein didaktischer Entwurf. Der Ausgangspunkt der Unterrichtsplanung sind nicht Überlegungen darüber, über welches Wissen und welche Fertigkeiten die Schüler verfügen sollen, sondern zu Beginn stehen Entscheidungen darüber an, welche Arten von Situationen/komplexen Aufgaben/ Problemen in Zukunft bewältigt werden sollen.

Was sind Kompetenzen?

Die Kompetenzbeschreibung selbst ist abstrakt. Gekoppelt werden in der Beschreibung die Handlung selbst (z. B. Beurteilen) und der Kontext, in dem diese die Aktion gezeigt wird (z. B. in Wirtschaft/ Politik, Finanzmarkt).

Im beruflichen Bereich ist die Definition der Kompetenz relativ eindeutig. Ein Landschaftsbauer ist z. B. in der Lage, Gärten zu entwerfen. Konkreter wird die Kompetenzbeschreibung, wenn der Inhalt konkretisiert wird. Der Gärtner ist in der Lage, verschiedene Gärten zu gestalten: englische Gärten, Gemüsegärten, botanische Gärten, Staudengärten usw.. Er ist nicht in der Lage sämtliche Arten von Gärten zu gestalten, sondern seine Kompetenz konkretisiert sich mit dem Gegenstand. Und vielleicht kann er Gärten zwar planen, aber nicht bauen. Die Kompetenz konkretisiert sich außerdem in der Fähigkeit. Das Konzept der Kompetenzorientierung war nicht von ungefähr zuallererst im Bereich der beruflichen Bildung etabliert.

Das kompetente Handeln erfordert die Anwendung von Kenntnissen, die Verfügbarkeit über bestimmte Fertigkeiten und bestimmte Grundhaltungen, die für die erfolgreiche Aktion notwendig sind.

An dieser Stelle soll die Definition von Rainer Lersch herangezogen werden: „Kompetenzen sind kognitiv verankerte (weil wissensbasierte) Fähigkeiten, bestimmte Anforderungen, Aufgaben oder Probleme erfolgreich zu bewältigen. Im Unterschied zu Intelligenz als einer allgemeinen Leistungsdisposition sind sie erlernbar und jeweils auf spezifische Kontexte bezogen- man ist oder wird kompetent für ganz bestimmte Bereiche, von denen man allerdings durchaus mehrere beherrschen kann.“ (Lersch 2014, S. 20)