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Lehrkräfte professionalisieren, Unterricht entwickeln, Qualität steigern

Kollegiale Hospitationen

von Jörg Barda

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Worum es geht

Kollegiale Hospitationen einführen und damit

  • Lehrerprofessionalität fördern
  • Unterrichtsentwicklung im Team vorantreiben
  • Unterrichtsqualität verbessern

1. Warum kollegiale Hospitationen?

Häufig werden kollegiale Hospitationen als das Mittel zur Unterrichtsentwicklung dargestellt. Und ohne Zweifel ist es von hoher Bedeutung, wenn ein sogenannter „kritischer Freund“ mit einer Lehrkraft den Unterricht reflektiert und ihr blinde Flecken spiegelt, die sie selbst nicht sieht. So können Lehrkräfte die Qualität ihres Unterrichts und die eigene Professionalität weiterentwickeln.

Während das gemeinsame Vorbereiten von Unterrichtseinheiten und die gemeinsame Planung von Unterricht inzwischen von vielen Lehrerinnen und Lehrern praktiziert werden, zeigt sich in Bezug auf kollegiale Hospitationen jedoch ein anderes Bild: Viele Lehrkräfte messen kollegialen Hospitationen zwar eine hohe Bedeutung für die Unterrichtsreflexion zu, aber nur wenige praktizieren sie regelmäßig. Anspruch und Wirklichkeit stehen hier im Gegensatz zueinander, wie Buhren (2012) anhand von Forschungsergebnissen und Lehrerkommentaren deutlich macht.

Es mag auch an stundenplanerischen Grenzen oder fehlenden Ressourcen liegen, dass kollegiale Hospitationen noch nicht regelmäßig stattfinden. Aber sicherlich ist vor allem die Konditionierung der Lehrerinnen und Lehrer ein Grund dafür: Hospitation erzeugt Ängste, weshalb Lehrkräfte ihre Klassenzimmertüren gerne verschlossen halten. Unterricht sei im Referendariat nach „nicht immer ganz transparenten Kriterien“ durch hierarchiehöhere Personen bewertet worden, schreiben Horster und Rolff (2006, S. 166). Das setze sich in der Berufsbiografie fort, zum Beispiel im Rahmen der externen Evaluation oder der Bewerbung um eine Funktionsstelle. Beobachter kämen am häufigsten zur Beurteilung der Lehrkraft in den Unterricht. Deshalb sind Unterrichtsbesuche meist mit Prüfungs- und Bewertungssituationen verbunden.

Wichtig

Kooperation statt Bewertung

Wichtig ist, zu unterscheiden zwischen dem Feedback eines kritischen Freundes, der ebenfalls in seinen Unterricht einlädt, und der Rückmeldung durch Bewerter aus der Referendarszeit. Denn: Feedback im Rahmen kollegialer Hospitation ist keine Bewertung, sondern ein Austausch auf Augenhöhe! Ziel ist, sich mithilfe eines kritischen Freundes mit dem eigenen Unterricht auseinanderzusetzen und von- und miteinander zu lernen.

Vorteile – das zeigt die Praxis!

Lehrkräfte, die kollegiale Hospitationen regelmäßig und gezielt praktizieren, wissen von vielen Vorteilen zu berichten (vgl. z. B. Buhren 2012):

  • Die Lehrkräfte erhalten Rückmeldungen und neue Einsichten zum eigenen Unterricht.
  • Sie erhalten neue Anregungen und Ideen für ihre Unterrichtspraxis.
  • Sie lernen andere Arbeitsweisen kennen.
  • Die Lehrkräfte entwickeln ihre Reflexions- und Teamfähigkeit insgesamt weiter.
  • Das kollegiale Miteinander wird gestärkt.
  • Der Austausch in Bezug auf schwierige Schüler und Klassensituationen wird gestärkt.
  • Die Abstimmung in Bezug auf gemeinsame Klassenregeln verbessert sich.
  • Kolleginnen und Kollegen reflektieren gemeinsam über neue Methoden, ggf. auch neue Unterrichtsinhalte (z. B. bei Einführung neuer Lehrpläne), und gewinnen dadurch Sicherheit.
  • Sie bauen die Fähigkeit aus, den eigenen Unterricht zu verändern.
  • Die Lehrkräfte beobachten unterschiedliche Lehrerpersönlichkeiten und reflektieren eigene Verhaltensweisen, ggf. verändern sie diese.
  • Das Gefühl der Selbstwirksamkeit wird gestärkt, indem Lehrkräfte erfahren, dass ihr Handeln etwas im eigenen Unterricht bewirken und bewegen kann.
  • Die Lehrkräfte erhalten auch positives Feedback und damit eine Stärkung der eigenen Person (wirkt dem Gefühl entgegen, Einzelkämpfer zu sein).
  • Insbesondere die beiden letzten Aspekte tragen zur Gesundheit und Arbeitszufriedenheit im Lehrerberuf bei.
  • Eine Kultur der offenen Tür entsteht, denn jeder gewöhnt sich an Besucher in seinem Unterricht, was förderlich ist für Besuche bei Beförderungen, Elternhospitationen etc.