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Die Gestaltung für einen optimalen Unterricht

Klassenräume angemessen arrangieren

von Ekkehard Sprenger

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Worum es geht

Bitte denken Sie einmal darüber nach, wie die Klassenräume in Ihrer Schule aussehen bzw. wie Sie sie einrichten würden. Schnell stehen dann solche Fragen zur Beantwortung:

Welche Faktoren beeinflussen das Aussehen und die Anmutung der Klassenzimmer? Woran haben Ihre Lehrkräfte die Platzierung des Lehrertisches, der Schülertische mit Stühlen, der Regale, der Lernstationen, Computer usw. ausgerichtet? Welche Kriterien oder Überlegungen waren für Sie maßgebend? Was wird an den Wänden, Türen, Fenstern und anderen vertikalen Flächen präsentiert? Was hängt von der Decke herab oder an quer durch den Klassenraum gespannten Bändern?

Der folgende Beitrag wird sich mit diesen und ähnlichen Fragen befassen. Er geht davon aus, dass der Klassenraum und das Arrangement seiner Einrichtung und Inhalte ein leistungsfähiges Instrument für einen anregenden Unterricht sein können, dass er jedoch unter Umständen einen negativen Einfluss auf das Lernen der Schüler und Schülerinnen haben kann.

1. Räume und Lernen

Im Laufe Ihres Lebens haben Sie in zahlreichen Umgebungen gelernt: In Klassenzimmern während Ihrer eigenen Schulzeit, in Universitätsräumen und Auditorien während Ihrer Studienzeit, erneut in Klassenräumen während Ihres Referendariats, in Konferenz- oder Tagungsräumen und so weiter. Einige Räumlichkeiten waren sehr förderlich für das Lernen und den Austausch von Informationen, Wissen und Erfahrungen. Andere wiederum waren für das Lernen und die Arbeit in Gruppen völlig ungeeignet. Denken Sie nur an heiße, überfüllte Räume mit lauten Arbeitsgeräuschen von außen oder gar den Straßenlärm.

Das Klassenzimmer, seine Einrichtung und die Inhalte können unter Umständen ein leistungsfähiges Lehrmittel sein. Ein unbedacht hergerichteter und wenig strukturierter Raum kann jedoch auch einen sehr negativen Einfluss auf das Lernen Ihrer Lerngruppen haben. Während die Schüler-Lehrer-Beziehung, die Sach- und Methodenkompetenz der Lehrkräfte und seine beziehungsweise ihre Kompetenz, ein positives Schülerverhalten zu gewährleisten, zweifellos mit zu den wichtigsten Faktoren bei der Förderung exzellenter Leistungen und positivem sozialen Verhalten zählen, so sind die physikalischen und sozialen Systeme in Klassenzimmern untrennbar miteinander verbunden.

Klassenräume sind keinesfalls per se für das Lernen geeignete, homogene Würfel, sondern ein Netzwerk von vielfältigen und miteinander verbundenen Mikroumgebungen. Auch wenn Klassenräume einfach große Einheiten mit Tischen und Stühlen zu sein scheinen, so haben doch einige Lernende eine bessere Sicht auf die Tafel, das (interaktive) Whiteboard, die Projektionsfläche oder die Lehrkraft (oder auf die Vögel auf der Fensterbank) als andere. Auch sind eben einige Teile der Klassenzimmer an Sommertagen sehr heiß, andere hingegen annehmbar warm. Und manche Bereiche sind gut oder weniger gut beleuchtet als andere.

Wie können Umweltbedingungen im selben Raum variieren?

  • Die Temperaturen können unterschiedlich sein.
  • Einige Schüler und Schülerinnen haben besser Sichtmöglichkeiten als andere.
  • Fremdgeräusche können in verschiedenen Teilen des Raumes unterschiedlich sein.
  • Einige Lernende haben bessere Beleuchtungsverhältnisse als andere.
  • Die in der Nähe der Fenster Sitzenden unterliegen wechselnden Lichtverhältnissen.

Unterrichtshospitationen scheinen zu belegen, dass sich Lehrkräfte für jüngere Schüler und Schülerinnen des Einflusses der Lernumgebung auf Aspekte wie Bewegung, Lernen, Sozialverhalten und Erreichen der angestrebten Kompetenzen bewusster sind als die Lehrkräfte für ältere Schüler und Schülerinnen. Vorschul- und Grundschullehrkräfte haben oft die Notwendigkeit erkannt, Lernumgebungen zu strukturieren, Arbeitsprodukte zu präsentieren und die Klassenzimmer in einer Weise zu gestalten, die positive Interaktionen und das Lernen erleichtern.

Dieser Beitrag wird Anregungen und Beispiele in Bezug auf Organisation und Arrangements von Klassenräumen präsentieren. Nicht immer mag es möglich sein, die Empfehlungen umzusetzen. Vielleicht sind die Ressourcen nicht verfügbar, vielleicht verhindern die Form und die Größe des Raumes ein Umsetzen der Anregungen im Hinblick auf die Gestaltung und das Arrangement. Und meist unterrichtet nicht nur eine Lehrkraft in diesem Raum. Daher mag es schwierig sein, den Raum für die Schüler und Schülerinnen zu personalisieren und alle Fächer zu berücksichtigen.

2. Die Raumgröße

Die Größe des Klassenraumes können wir ohne aufwändige Um- und Anbauten nicht beeinflussen. Die Größe pro Schüler und Schülerin berührt die methodische Gestaltung des Unterrichts und das Sozialverhalten aller am Unterricht Beteiligten. Bezüglich des letzten Aspektes weiß man aus Untersuchungen von Ratten und auch Menschen in überfüllten Räumen, dass sie schnell reizbar und aggressiv werden; es sei denn, sie hätten sich nur für eine kurze, für alle interessante Veranstaltung in einem Raum versammelt (Konzerte, Sportereignisse, Feierstunden in der Aula etc.). Unsere Schüler und Schülerinnen müssen ca. sechs Stunden pro Tag fünf Tage in der Woche zusammen auf engem Raum verbringen. Nicht alle von ihnen genießen das enge Zusammensein des täglichen Unterrichts, problematisches Verhalten ist die Folge.