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Schulklima und Schulkultur

Interkulturelles Zusammenleben in der Schule aktiv befördern

von Elke Dragendorf

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Worum es geht

Die Vielfalt unserer Gesellschaft spiegelt sich längst auch in unseren Schulen wider. Der Beitrag gibt Tipps und Hinweise für einen bewussten Umgang mit Interkulturalität in der Schule und erläutert, wie nachhaltige Strukturen auch an Ihrer Schule zu einem demokratischen, interkulturellen Miteinander führen.

1. Ist nicht schon alles zum Thema gesagt?

Wenn man das Thema „Interkulturelle Bildung“ im Internet aufruft, findet man ein schier überbordendes Angebot an Möglichkeiten, diese in der Schule zu realisieren. Man gewinnt den Eindruck, dass es zum Thema nichts Neues zu sagen gibt und alle Schulen eine hervorragende Grundlage für ihre Arbeit haben. Jedes Bundesland hat Initiativen ergriffen und diese auf Wunsch der Kultusministerkonferenz zusammengestellt (Kultusministerkonferenz 2017). Es gibt Multiplikatorenqualifizierungen, Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrkräfte und Schulteams, online bereitgestellte Vernetzungs- und Unterstützungsangebote etc. Es gibt Unterrichtsmaterialien, die Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen sollen, die eigene Persönlichkeit und ihre Haltungen besser kennenzulernen, Konflikte besser auszuhalten, Diskussionen gewinnbringend zu führen und vieles mehr.

Fragt man aber Eltern, Kinder und Lehrkräfte, insbesondere in Problemkiezen zu den dortigen Erfolgen, zeigt sich eher ein geteiltes Bild. Vieles wurde umgesetzt und gelingt, aber vieles krankt auch noch. Als Erklärung dafür werden beispielsweise genannt:

  • eine eher unübersichtliche Fülle an Maßnahmen, die in der Summe – weil wenig vernetzt und transparent – keine nachhaltige Wirkung zeigen
  • wenig abgestimmtes Handeln im Kollegium
  • Lehrkräfte sind nicht ausreichend qualifiziert
  • zu wenig strukturierte Steuerung durch die Schulleitung
  • Konsequenz und Nachhaltigkeit bei der Umsetzung von beschlossenen Maßnahmen fehlt
  • Vernetzung möglicher Akteure und Hilfsangebote bleiben auf der Strecke
  • Maßnahmenkatalog beim Zusammenprall unterschiedlicher kultureller Gepflogenheiten und Auffassungen, die mit demokratischem Denken und Handeln in Konflikt geraten, fehlt oder wird nicht ausreichend konsequent eingehalten (Lehrkräfte fühlen sich allein gelassen)
  • beständige Evaluation der Auswirkungen von Projekten und Maßnahmen (Ziel: Hilft das wirklich denen, denen es helfen soll?) bleibt aus, die Wirkung der Maßnahmen ist nicht deutlich erkennbar

Viele vergleichbar kritische Aussagen tauchen auch in thematisch anderen Schulentwicklungsprozessen auf. Die kritisierten Mängel lassen sich offenbar im schulischen Alltagsstress schwer konsequent beheben. Im Kontext des interkulturellen Miteinanders sind sie besonders wichtig, denn Vielfalt kann nur befriedigend gelebt werden, wenn eine klar strukturierte konsensbasierte Handlungsbasis zugrunde liegt.

2. Fremde Kulturen und ihre Wirkung

Seit jeher interessieren sich Menschen für andere Kulturen und wenn sie dies nicht mit dem Ziel taten oder tun, sich andere Kulturen zum Zwecke der eigenen Bereicherung untertan zu machen, dann hat das Interesse eher positive Auswirkungen. Die Menschen erwerben mit Freude Wissen über andere Kulturen, bereisen andere Länder und verlagern ggf. auch ihren Lebensmittelpunkt in andere Kulturkreise bzw. empfinden die Bereicherung der eigenen Gesellschaft durch Menschen aus anderen Kulturkreisen als positiv. Menschen, denen dies in besonderer Weise gelingt, nennt der britische Autor David Goodhart in seinem Buch „The Road to Somewhere“ (2017) „Anywheres“, Menschen, die gelernt haben, sich in vielen kulturellen Kontexten zurechtzufinden.

Das Bedürfnis dieser Menschen lässt sich bereits in der Schule leicht befriedigen. Die Rahmenlehrpläne sind darauf ausgerichtet, dass Kinder und Jugendliche möglichst viel über die eigene und fremde Kulturen lernen, dass sie die positiven Errungenschaften der eigenen und der fremden Kulturen wertschätzen und Neugierde darauf entwickeln, globale Erfahrungen zu sammeln. Schülerinnen und Schüler, denen das gelingt, haben gedeihliche Kontakte zu Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund und blicken ggf. bereits auf längere erfolgreiche Aufenthalte in anderen Ländern zurück. Im Idealfall sind sie weltoffen und mehrsprachig, sie sind global mobil und verfügen über Instrumente für eine erfolgreiche Kommunikation und Konfliktbewältigung, insbesondere auch über Empathie im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen. Der Einblick in und das Wissen um die Vielfalt der Kulturen bereitet ihnen Freude, Multiperspektivität ist ein Anreiz für sie. Wenn sie sich in anderen Kulturen bewegen, begegnen sie den Menschen dort auf Augenhöhe und ihnen wird auf Augenhöhe begegnet. Die Kommunikation ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Sie begehen vielleicht einmal den einen oder anderen interkulturellen Faux Pas, aber er beeinträchtigt ihr Leben und ihre Kontakte in der Regel nicht entscheidend. Sie sind somit gut gerüstet für ein Leben in einer globalen Welt.