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Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen

Im Bedarfsfall Beratung durch die Schulpsychologie

von Walter Kowalczyk

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Flüchtlinge integrieren

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Worum es geht

Ende 2010 formulierte die Landesgesundheitskonferenz NRW: „Die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in allen Industrieländern deutlich verändert. Besonders auffällig ist eine deutliche Verlagerung von somatischen zu psychischen Störungen. Dieses als „neue Morbidität” bezeichnete Phänomen wird zu einem großen Teil von Störungen der Emotionalität, des Sozialverhaltens sowie der motorischen, kognitiven und sprachlichen Entwicklung bestimmt. Insgesamt dominieren aggressiv-dissoziale Verhaltensauffälligkeiten, Angststörungen, Depressionen sowie Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen.“ (Ministerium für Gesundheit, 2010) Diese Entwicklung ist auch in den Schulen zu spüren. Die eigenverantwortliche Schule wird in verschiedenen Fällen auf professionelle Unterstützung angewiesen sein, u. a. durch Fachkräfte der Schulpsychologie. Einen umfassenden Einblick über den Aufbau und die Arbeit der Schulpsychologie, die Sie im Bedarfsfall nutzen können, erhalten Sie im vorliegenden Beitrag.

1. Unterstützungsbedarf der Schule wächst

Die Erziehungsansprüche an die Schule werden komplexer und diffiziler. Erziehungshandeln kann sich immer weniger an gleichen, allgemein vorausgesetzten Normen und kulturellen Mustern orientieren. In Anbetracht der großen Belastungen, denen die Schule heute ausgesetzt ist, braucht sie wirkungsvolle Unterstützung und Beratung. Die Beratung der in Schule arbeitenden Personen und Personengruppen hat in den letzten Jahren eine neue Qualität bekommen. Sie entwickelt sich zum festen Bestandteil schulischer Qualitätssicherung. Notwendig ist nicht nur eine Beratung der Lehrkräfte, sondern eine Systemberatung, einer Beratung der Schulbehörde, der Schulaufsicht, der Schulleitung sowie der Beratung der Lehrkräfte, der Kinder, der Jugendlichen und ihrer Erziehungsberechtigten. Durch Systemberatung sollen informatorische Mängel, organisatorische und strukturelle Schwächen sowie dysfunktionale Interaktions- und Kommunikationsprozesse festgestellt und behoben werden, um Arbeits-, Lern- und Lebensbedingungen im Schulsystem zu verbessern.

Schulunterstützung und -beratung wird neben anderen öffentlichen und privaten Institutionen und Anbietern von Schulpsychologen geleistet. Aufgrund ihrer Qualifikation ist die Schulpsychologie verantwortliche Trägerin der Beratung im Schulsystem.

2. Schulpsychologen als Dienstleister für Schule

Die Schulpsychologie basiert auf den wissenschaftlichen Grundlagen und der Praxis mehrerer psychologischer Teildisziplinen (u. a. pädagogische Psychologie, klinische Psychologie, Organisations- und Betriebspsychologie).

Schulpsychologen nutzen psychologisches Wissen, um die Schule in ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag und Schüler in ihrer Lernentwicklung und damit dem Erreichen adäquater Schulabschlüsse zu unterstützen.

Schulpsychologie ist Teil des öffentlich verantworteten Bildungswesens gemäß des Grundgesetzes (Art. 7.1).

2.1 Organisation der Schulpsychologie

Aus der Kultushoheit der Länder ergeben sich unterschiedliche Schullandschaften. Das wirkt sich auf die Schulpsychologie aus, die überall in staatlichen Einrichtungen praktiziert wird.

Schulpsychologie ist in den meisten Bundesländern als Aufgabe der Schulbehörden festgelegt und in die Schulverwaltung integriert. Sie ist in den Zentralen der Bezirksregierungen, in den Außenstellen der Bezirksregierungen gemeinsam mit schulfachlichen Dezernenten, in Schulämtern, großen Schulen oder in eigenen Standorten untergebracht. So bleiben die Wege zur Schulpsychologie für Ratsuchende zumutbar.

Örtliche Zuständigkeiten. Die Arbeit wird von den Schulpsychologen an den einzelnen Standorten, in den Regionen, bezirks- und landesweit geplant sowie abgesprochen. Jeder Schulpsychologe ist einerseits für alle Schulen eines Bereiches zuständig, andererseits arbeitet er an koordinierenden Spezialaufgaben (z. B. Entwicklung und Verbreitung von Tests, Fortbildung von Lehrkräften und Schulleitungen, Schulentwicklung, Weiterbildung der Beratungslehrkräfte).

Professionelle Standards und Methoden. In regelmäßigen Besprechungen werden Absprachen getroffen und professionelle Standards festgelegt. Die Methoden der Arbeit werden in Dienstbesprechungen, Fortbildungen und kollegialen Supervisionsgruppen bedacht. Die Planung und Verteilung der Arbeit ist nachfrageorientiert.

Die Schulpsychologie in Deutschland verfügt jenseits aller strukturellen Unterschiede in den einzelnen Regionen und Bundesländern über ein einheitliches Berufsprofil.

2.2 Grundlagen und Arbeitsprinzipien

Freier Zugang

Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitung und Schulaufsicht haben grundsätzlich einen freien und direkten Zugang zur schulpsychologischen Beratung.

Freiwilligkeit

Schulpsychologische Beratung ist für die Ratsuchenden grundsätzlich freiwillig.

Kostenfreiheit

Schulpsychologische Diagnostik und Beratung ist für die Ratsuchenden grundsätzlich kostenfrei.

Unabhängigkeit und Neutralität

Schulpsychologen orientieren ihre Beratung und ihr fachliches Handeln an den Anliegen der Ratsuchenden. Dazu benötigen sie im Schul-system eine neutrale Position, um Rollenkonflikte zu vermeiden. Ihre fachlichen Stellungnahmen sind (unter Beachtung bestehender Gesetze und Verordnungen) unabhängig. Sie sind tätig auf der Grundlage der berufsethischen Grundsätze und Qualitätsansprüche.

Schweigepflicht

Für die schulpsychologische Diagnostik und Beratung besteht eine Schweigepflicht (§ 203 StGB).