Mein Arbeitsplatz

Rollenklärung beim Amtsantritt

„Ich bin der Neue!“

von Helmut Lungershausen

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Worum es geht

die neue Rolle als Schulleiterin bzw. Schulleiter reflektiert klären und dabei

  • unterschiedliche Rollenerwartungen identifizieren
  • die Schlüsselqualifikationen erkennen
  • die Rollen aktiv gestalten

1. Neue Aufgabe, neue Rolle

Der Amtsantritt als Schulleiterin bzw. Schulleiter ist ein bedeutender Schritt in Ihrer pädagogischen Karriere. Sie geben einen Beruf auf, in dem Unterrichten die zentrale Aufgabe darstellt. Von einem Tag auf den anderen tritt diese Aufgabe in den Hintergrund und Sie stehen vor neuen Aufgaben, auf die Sie kaum oder nur wenig vorbereitet sind. Ihr Schritt in die Schulleitung bedeutet: neue Funktionen erfüllen, neue Aufgaben erledigen und neue Tätigkeiten meistern.

Im neuen Amt ist der Blick deshalb häufig auf die Frage „WAS?“ fixiert: Was muss ich beherrschen, erledigen, in Angriff nehmen? Dabei gerät die Frage „WIE?“ oft in den Hintergrund. Sie ist aber ausschlaggebend für den Erfolg im neuen Amt:

  • Wie werde ich in meiner neuen Rolle wahrgenommen?
  • Wie werde ich den unterschiedlichen Rollenerwartungen gerecht?
  • Wie kann ich diese Rollenerwartungen mit meiner Person in Einklang bringen?

Für die Bearbeitung der WAS-Frage gibt es nützliche Ratgeber und Hilfen (Lungershausen 2011; Dammann 2009). Bei der Wie-Frage geht es aber in erster Linie um Ihre Person: Wie gestalten Sie persönlich Ihre individuelle Rolle? Wie begegnen Sie mit Ihrem Verhalten den Rollenerwartungen? Dieser Beitrag unterstützt Sie deshalb in Ihrer persönlichen Rollenklärung, die Sie beim Amtsantritt vornehmen müssen.

Reflexion

Mit der Rollenklärung definieren Sie Ihr Verhältnis zu den anderen Rollenträgern an der Schule. Gehen Sie dabei aktiv vor, sodass Sie als Schulleiterin bzw. Schulleiter die „Gestaltungshoheit“ behalten und sich nicht in Gefahr bringen, die Regie über Ihre Rolle aus der Hand zu geben.

2. Welche Rollenerwartungen sind wichtig?

Klären Sie zunächst, welche Rollenerwartungen von außen an Sie herangetragen werden. Bei einer staatlichen Regelschule werden dies in der Regel vier Positionen sein (siehe Abbildung). In besonderen Fällen können auch der Schulträger oder die Schulbehörde dazugehören. Bei Privatschulen ist der Trägerverein bzw. die entsprechende Instanz in Betracht zu ziehen.

Rollenerwartungen an die Schulleitung

Rollenerwartungen an die Schulleitung

Die unterschiedlichen Rollenerwartungen werden sich nicht decken, sodass Sie Ihr Rollenrepertoire entwickeln müssen. Dabei geht es nicht darum, die eigene Person zu verstellen. Der Umgang mit verschiedenen Rollen ist eine soziale Notwendigkeit. Auch im Privatleben füllt man unterschiedliche Rollen aus und verhält sich unterschiedlich, je nachdem ob man es mit den Eltern, dem Lebenspartner, den Kindern oder Freunden zu tun hat.

Für die erfolgreiche Leitung einer Schule ist die bewusste Beherrschung des Rollenrepertoires eine wichtige Bedingung. Dabei geht es um die persönliche Haltung, die Sie anhand der folgenden Fragen reflektieren können:

  • Welche Rollenerwartungen werden an mich herangetragen?
  • Welche Rollenerwartungen will ich erfüllen, welche will ich nicht erfüllen?
  • Wie kann ich den wesentlichen Rollenerwartungen gerecht werden und dabei meine persönliche Authentizität bewahren?
  • Wie kann ich der Schulleitungsrolle meine persönliche Prägung geben und ein eigenes Profil entwickeln?

Diese Fragen müssen Sie selbst beantworten, um Ihre Rolle für sich zu klären. Im Folgenden erhalten Sie unterstützende Anregungen und Hinweise.

Kollegium

Das Kollegium ist für Sie entweder eine unbekannte Größe, oder – wenn Sie bisher Teil von ihm waren – ein vertrautes Umfeld, dem Sie jetzt entrissen werden. Kollegien haben in der Regel eine ambivalente Erwartung an eine neue Schulleitung. Auf der einen Seite erwarten sie, dass der Schulleiter als Verantwortlicher alles regelt und damit entlastend wirkt (Führung). Auf der anderen Seite befürchten sie, dass durch die Aktionen der neuen Leitung die Komfortzone des Kollegiums gestört werden könnte.