Mein Arbeitsplatz

Grundlegende Gefahren des Internets und sozialer Netzwerke

Heute noch im Netz, morgen schon im Knast?

von Melanie Meier

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Worum es geht

Ein engagierter junger Klassenlehrer gründet zusammen mit ein paar technisch versierten Schülern eine kleine Mediengruppe, die seine Klasse im Internet darstellen und die Kommunikation untereinander vereinfachen soll. Die Gruppe programmiert eine eigene kleine Homepage über die Klasse und ihre Projekte. Jeder Schüler hat ein Passfoto von sich eingereicht, welches die Gruppe eingescannt hat, um alle Klassenmitglieder mit Foto und Namen vorzustellen. Hier stellt der Klassenlehrer daneben auch das verwendete Unterrichtsmaterial sowie ausgewählte Lehrfilme zum Download für seine Schüler bereit. Parallel wird eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich die Klassenkameraden miteinander vernetzen. Nach jeder Klassenfahrt schicken die Schüler ihre Fotos von der Fahrt an diese Mediengruppe, die dann Fotoalben bei Facebook anlegt.

1. Zur Problemsituation: Gefahrenbewusstsein entwickeln und schulen

Die Problemsituation aus Sicht des Anwaltes

Zunächst eine Anmerkung zum auf Seite 1 geschilderten Vorhaben der Klasse: Klingt toll und klingt nach einer schönen Sache für eine Klasse, lässt aber bei einem internetspezialisierten Juristen sämtliche Alarmglocken schrillen: Hat die Homepage ein korrektes Impressum? Sind immer alle Schüler und auch ihre Eltern gefragt worden, ob sie damit einverstanden sind, dass sie fotografiert werden und dass diese Fotos später im Internet veröffentlicht werden? Haben die Fotografen der Passfotos auch eine Genehmigung zur digitalen Verwertung gegeben? Ist der Klassenlehrer wirklich der Urheber des Unterrichtsmaterials und der eingestellten Filme?

Als Anwältin im Internet und in sozialen Netwerken

Ich bin selbstständige Rechtsanwältin und Trainerin und habe dadurch verschiedene Blickfelder auf das Thema „Internet und soziale Netze“, die es mir letztendlich schwer machen, eine klare und deutliche Haltung dazu zu haben. Als Unternehmerin habe ich eine Homepage, ein Xing-Unternehmensprofil und eine Facebook-Unternehmensseite. Ich bin in sämtlichen sozialen Netzwerken vertreten und twittere die neuesten Urteile. In alledem liegt ein unglaubliches Werbepotenzial für Unternehmen, was nicht zu unterschätzen ist. Auch privat organisiere ich einen großen Teil meines sozialen Daseins über das Internet. Zum einen ist es praktisch, und zum anderen macht es einfach auch Spaß. Gleichzeitig beschäftige ich mich mit den rechtlichen Fallstricken, die das Internet so zu bieten hat, und muss immer wieder mit Entsetzen feststellen, dass auch ich selbst, als rechtlich geschulter Mensch, immer mal wieder in die eine oder andere Falle tappe. Da ich regelmäßig Schulungen zu diesem Thema gebe, versuche ich, mit den täglichen technischen Neuerungen Schritt zu halten, um dabei immer wieder festzustellen, dass dies so gut wie unmöglich ist. Ebenso wie die staatlichen Verfolgungsbehörden der Kriminalität immer einen Schritt hinterherhinken, hinken auch die Datenschützer und wir technisch affinen Aufklärer der rasenden Entwicklung im Internet immer einen Schritt hinterher.

Allumfassender Schutz ist nicht möglich

Schon längst erklären die Kids ihren Eltern, wie das iPhone funktioniert und wo man die besten und neuesten Apps herunterlädt. Wo schon Schulen eigene Facebook-Seiten haben, wird es nur schwerlich gelingen, die Kids vor den Gefahren von sozialen Netzwerken zu warnen. Eltern und Lehrer haben zwar mittlerweile oft ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass das, womit ihre Kinder ihren Alltag verbringen, nicht ganz risikolos ist, sind aber mit dem technischen Fortschritt oftmals gnadenlos überfordert. Und selbst technisch, rechtlich und pädagogisch noch so geschulte Berater werden es nicht schaffen, den Anwendern alles das zu vermitteln, was man wirklich für einen gefahrlosen Umgang mit diesem facettenreichen Medium braucht.

Gefahrenbewusstsein entwickeln und schulen

Meiner Meinung nach ist erforderlich, aber auch ausreichend, ein gutes und gesundes Gefahrenbewusstsein zu entwickeln und zu schulen. Ein altes Sprichwort sagt: „Halt das Kind nicht vom Wasser fern, sondern bring ihm das Schwimmen bei.“ Dies ist in seinem Grundsatz übertragbar auf das Internet. Ich kann dem Kind das Schwimmen beibringen, aber ich werde es nie vor allen Gefahren des Wassers schützen können. Unterströmungen, Schlingpflanzen, ablandige Winde, Gezeiten, wir alle kennen die Tücken, die Wasser für uns bereithält, ohne mit allen diesen Dingen selbst Erfahrungen gemacht zu haben. Aber wir haben ein Gefahrenbewusstsein entwickelt, das uns davon abhält, allzu leichtsinnig in unbekannte Gewässer zu gehen. So sollte es optimalerweise auch im Bereich des Internets laufen.

Aber was genau sind die „Unterströmungen“ und „ablandigen Winde“ im Internet?

Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit soll im Folgenden ein Überblick über die grundlegenden Gefahren des Internets und der sozialen Netzwerke vermittelt werden. Dieser Überblick soll nicht verunsichern, sondern soll eben gerade den Blick schärfen und helfen, ein Gefahrenbewusstsein zu entwickeln.