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Unterrichtsbesuche als Teil eines Qualitätskonzeptes

Gut besucht!

von Tatjana Pfau

Worum es geht

Veränderungen lassen sich nur erreichen, wenn Sie als Schulleiter deutlich machen können, dass diese auch notwendig sind. Der sensibelste Bereich in der Schule ist der Unterricht. Die Qualität des Unterrichts können Sie nur verbessern, wenn Sie sich zuvor ein genaues Bild des Unterrichts machen und die Lehrkraft bezüglich ihres Unterrichts beraten. Doch wie gelingen Unterrichtsbesuche, ohne dass sie von Ihren Lehrkräften als Abrechnung oder Kontrolle empfunden werden?

1. Notwendigkeit der Qualitätssicherung an Schulen

Guter Unterricht dient der Qualitätssicherung an Ihrer Schule. Er ist ein Baustein für die gute Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schülern und Lehrern. Nur, wenn sich alle in der Schule wohl fühlen, kann auch ein gutes Arbeitsklima geschaffen werden.

Stellen Sie sich die Anforderungen an eine gute Schule als ein Haus vor: Der Unterricht ist das Fundament. Alles Weitere baut darauf auf, die Schulentwicklung, die Schulkultur, das Schulmanagement und die Erfolge der Schule. Sie als Schulleiter sind der Hausmeister und damit verantwortlich für alle Bereiche dieses Hauses, auch das Fundament müssen Sie im Blick haben. Gibt es hier Risse, wird das Haus nicht stabil stehen. Aus diesem Grund ist es vordringliche Aufgabe der Schulleitung, sich um die Unterrichtsqualität zu kümmern.

Das Haus der guten Schule

Das Haus der guten Schule

Was ist guter Unterricht?

Es finden sich viele Definitionen von gutem Unterricht, klassisch ist die Definition nach Hilbert Meyer (2004, 15):

In einem guten Unterricht

  1. ... gibt es eine klare Strukturierung.
  2. ... gibt es ausreichend echte Lernzeit.
  3. ... herrscht ein lernförderliches Klima.
  4. ... herrscht inhaltliche Klarheit.
  5. ... wird sinnstiftend kommuniziert.
  6. ... gibt es Methodenvielfalt.
  7. ... wird individuell gefördert.
  8. ... wird intelligent geübt.
  9. ...macht der Lehrer seine Leistungserwartungen transparent.
  10. ... gibt es eine vorbereitete Umgebung.

Standards für einen guten Unterricht werden entweder vom jeweiligen Bundesland durch den Qualitätsrahmen vorgegeben oder sie sind innerhalb der Schule festgelegt. Diese Standards gilt es einzuhalten bzw. bei davon abweichenden Ergebnissen einer internen oder externen Evaluation die vorgegebenen oder erarbeiteten Standards wieder zu erreichen.

Für Sie ist es somit eine wichtige Aufgabe, über die Unterrichtsqualität an Ihrer Schule im Bilde zu sein. Um diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen, bietet es sich an, den Unterricht Ihrer Kollegen zu besuchen und Maßnahmen zu ergreifen, entspricht der Unterricht nicht den Standards von gutem Unterricht.

In vielen Bundesländern ist der Unterrichtsbesuch schon gesetzlich im Aufgabenkatalog der Schulleitung verankert. Die rechtliche Grundlage ist somit klar, doch wie arrangiert man sich nun mit den Kollegen, ohne dass ein Klima der Kontrolle entsteht?

2. Einführung von Unterrichtsbesuchen im Kollegium

Bei der Einführung von Unterrichtsbesuchen müssen Sie trennen zwischen einem Beratungsbesuch und einer Besichtigung anlässlich einer dienstlichen Beurteilung. Die Unterschiede lassen sich klar darstellen:

Beratungsbesuch vs. Beurteilungsbesuch

Beratungsbesuch vs. Beurteilungsbesuch

Im Folgenden wird es um Unterrichtsbesuche mit dem Ziel einer darauffolgenden Beratung der Lehrkräfte gehen.

Das Kollegium vorbereiten

Gründe für Unterrichtsbesuche, sofern sie das gesamte Kollegium betreffen, sollten diesem in einer Sitzung mitgeteilt werden. Ziel ist es, möglichst viele Kollegen von einer freiwilligen Teilnahme zu überzeugen.

Unabhängig davon, ob die Unterrichtsbesuche zur Beratung für den Schulleiter vorgeschrieben sind oder nicht, sollten Sie versuchen, dem Kollegium die Notwendigkeit von Beratungsbesuchen zu verdeutlichen. Sie können dafür verschiedene Möglichkeiten bzw. Anlässe nutzen: