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Wie Klassenlehrkräfte ihre Beratungsaufgaben erfolgreich wahrnehmen

Gut beraten im Schulalltag

von Ralf Connemann, Lutz Thomas

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Worum es geht

Es vergeht kaum ein Schultag, an dem Sie als Klassenlehrkraft nicht von einzelnen Schülern, Kollegen, Eltern oder der Schulleitung um Rat gebeten werden. Neben Beurteilungs- und Schullaufbahnfragen geht es immer häufiger um Lernberatung, Förderung und Hilfen für bestimmte Problemlagen. Die Beratungsgespräche mit der nötigen Ruhe und Intensität zu führen, wird immer schwieriger. Der Beitrag beleuchtet die Vielfalt des Aufgabenfeldes einer Klassenlehrkraft und untersucht deren wichtige Beratungsaufgaben. Bauen Sie Ihre Gesprächs- und Beratungskompetenzen für den Klassenlehreralltag aus und erkennen am Beispiel von Rollenkonflikten die Grenzen der Klassenlehrer-Beratung.

1. Veränderungen und Anforderungen der Klassenlehrer-Rolle

Die traditionelle Amtsinhaber-Rolle des Klassenlehrers geht auf das „Klassenordinariat“ in den preußischen Gymnasien des frühen 19. Jahrhunderts zurück (Gudjons 1998). Es war gedacht, um die Schulleitung bei der Organisation des Schulbetriebs zu unterstützen und um die Fachlehrer von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Zu den typischen Aufgaben gehören die Klassenbuchführung, die Kontrolle des Unterrichtsbesuchs und die Einladung zu Klassenkonferenzen und Elternversammlungen.

Diese eher formale Rolle wird der modernen Schulwirklichkeit kaum noch gerecht. Steigende Bildungsansprüche, veränderte Erziehungsvorstellungen und heterogener werdendes Schülerverhalten führen zu hohen Erwartungen an die Klassenlehrkraft. Aus Sicht der Fachlehrkräfte ist in der Klasse – auch in einer „schwierigen“ – für ein angemessenes Arbeitsklima zu sorgen. Die Eltern und Schüler hoffen auf eine verlässliche Bezugsperson, die gesprächs- und kompromissbereit ist und ein offenes Ohr für alle hat. Schulleitung und Kollegium erwarten, dass auffällige Schüler Hilfen erhalten und dass Konflikte mit den Eltern in Gesprächen aufgefangen werden.

Mit der Beziehungsarbeiter-Rolle fallen dem Klassenlehrer die erzieherischen Aufgaben zu, die sich aus den unterschiedlichen Erwartungen ergeben. Im Zentrum stehen die Gestaltung der sozialen Beziehungen und der Aufbau einer guten Klassengemeinschaft. Es bedeutet, den Kontakt und die Kommunikation der Schüler untereinander zu verbessern, Problemen nachzugehen und Beratung anzubieten sowie den Zusammenhalt in der Klasse zu fördern. Jedoch benötigen Klassen auch ein transparentes und wirksames Classroom-Management sowie die Moderation von Konflikten. Dazu müssen Verhaltensregeln verabredet und eingeführt, Verträge und Änderungsprogramme vereinbart und Konsequenzen eingesetzt werden. Streitigkeiten in Schülergruppen sind zu schlichten und Konflikte mit einzelnen Fachlehrern zu klären.

Aus beiden Rollen der Klassenlehrkräfte – Amtsinhaber und Gestalter der Sozialbeziehungen – ergibt sich ein umfangreicher Katalog an Anforderungen oder „Pflichten“, der bei „schwierigen“ Klassen zur Belastung werden kann (vgl. Becker & Thomas 2005):

  • Zuwendung geben und Beraten: ein „offenes Ohr“ für die Schüler haben, Vertrauen gewinnen, Verständnis zeigen, Beratungsgespräche anbieten, mit „Problemschülern“ umgehen.
  • Gutes Sozialklima aufbauen: gesprächsbereit sein und gut zuhören, bei Konflikten vermitteln, Schutz gewähren, Gruppenarbeit und Zusammenhalt fördern, Gemeinschaftserlebnisse schaffen.
  • Entwickeln helfen: Raum geben für Entfaltung, Fähigkeiten entdecken, zur Selbständigkeit anregen.
  • Verantwortung tragen: auf alle und auf alles achten, präsent und ständig ansprechbar sein, schnelle Erledigung der Organisations- und Verwaltungstätigkeiten, Fachlehrer und Schulleitung informieren.
  • Führen können und Vorbild sein: gerecht und konsequent sein, die Klasse „im Griff“ haben, Selbstdisziplin üben z. B. bezüglich Pünktlichkeit.
  • Elternarbeit leisten: gute Beziehungen zu Eltern aufbauen, sie ins Schulleben einbinden, auch Kritisches ansprechen können und schwierige Gespräche zum Erfolg führen.
  • „Selbstmanagement“: als „Mülleimer“ dienen, „sich nicht selbst verlieren ...“.

2. Belastungen und Vorteile der Klassenführung ausgleichen

In den Schulen ist zu beobachten, dass Lehrkräfte, die eine Klasse „abgeben“, meist bereitwillig und ohne Unterbrechung eine neue Klasse „übernehmen“. Eine Klassenleitung bringt also nicht nur Belastungen mit sich. Die Vorteile liegen darin, dass man als Klassenlehrer ...