Mein Arbeitsplatz

Das Kollegium für die Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen gewinnen

Gemeinsam sind wir stärker

von Ursula Anhofer

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Worum es geht

Kindergarten und Grundschule haben den Auftrag, die Entfaltung der Persönlichkeit des Kindes zu fördern und durch entsprechende pädagogische Maßnahmen zu verwirklichen. Beim Übergang vom mehr spielerischen zum stärker Aufgaben bezogenen Lernen sollten daher die Inhalte und Arbeitsformen, aber auch die Erziehungsstile aufeinander abgestimmt werden. Wertvolle Erfahrungen der Erzieherinnen können Kindern und Lehrern den Einstieg in die gemeinsame Arbeit ganz wesentlich erleichtern. Um diese Forderungen zu erreichen, ist eine enge Kooperation zwischen Erzieherinnen und Lehrerinnen unabdingbar. Zuerst aber gilt es, das eigene Kollegium davon zu begeistern und ihm die Vorzüge plausibel darzustellen.

1. Zusammenarbeit als Chance für alle Beteiligten!

Der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule ist einerseits mit vielen Hoffnungen, andererseits aber auch mit zahlreichen Ängsten aller Beteiligten verbunden.

Jedes Jahr werden die Vorschulkinder derselben Kindergärten in den ersten Klassen derselben Grundschulen eingeschult. Oft scheint es sehr verwunderlich, dass der enorme Informationsvorsprung der Erzieherinnen, was die Entwicklung der Kinder, aber auch die familiäre Situation angeht, nicht intensiver genutzt wird.

Im Kindergarten lernten die Kinder Sozialstrukturen und Gruppenregeln kennen. Es gab wichtige Rituale, die die Kinder oft über drei und mehr Jahre begleiteten. Nun kommen sie in die Schule und finden völlig neue Strukturen und Regeln vor.

Bisher wurden sie täglich von den Eltern direkt den Erzieherinnen übergeben, jetzt sollen sie möglichst rasch so selbstständig sein, dass sie den Schulweg allein zurücklegen.

Um für unsere Kinder, aber auch für alle anderen Beteiligten, den Schritt vom Elementarbereich zum Primarbereich, d. h. vom Vorschulkind zum Schulkind so positiv wie möglich zu gestalten, ist ein enger Austausch zwischen Schule und Kindergarten dringend erforderlich. Ein gegenseitiges Kennenlernen der zuständigen Personen, aber auch der jeweiligen Institution mit allen ihren Strukturen, Inhalten, Arbeitsformen und Erziehungsstilen ist die Grundvoraussetzung für ein gegenseitiges Wertschätzen und Verstehen.

2. Das Kollegium begeistern

Zusammenarbeit mit Erzieherinnen als Hilfe und Chance sehen! Dies klingt zumindest sehr plausibel und verständlich, doch wird es nur dann eine sinnvolle Zusammenarbeit geben, wenn das ganze Kollegium zusammensteht und gemeinsam Formen und Wege findet. Ich halte es für äußerst bedenklich, ja sogar sinnlos, wenn die Schulleitung lediglich zur Zusammenarbeit auffordert oder sie sogar verordnet. Vielmehr muss das Kollegium dafür gewonnen werden, ansonsten wird viel Energie im Nichts verpuffen, werden Ideen versanden.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.“ (Antoine de Saint Exupéry, S. 150)

Vielleicht werden Sie jetzt denken: Wieder so eine verrückte Idee, sollen wir jetzt etwa die Sehnsucht nach der Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen wecken?

Vielleicht aber sollten Sie hier – bevor Sie weiterlesen – kurz innehalten und sich überlegen, ob Sie selbst davon überzeugt sind, wie wichtig eine Kooperation mit dem Kindergarten ist. Erst wenn Sie sich selbst ganz sicher sind, dass eine Zusammenarbeit sinnvoll und wünschenswert ist, können Sie Ihr Kollegium davon begeistern.

„Führung bedeutet nicht Herrschaft, sondern die Kunst, Menschen dazu zu bringen, dass sie für ein gemeinsames Ziel arbeiten.“ (Daniel Goleman 2001, S. 192)

Die eigene Überzeugung und Begeisterung steckt an!

Sprechen Sie in einer Konferenz die Vorteile einer engen Kooperation mit den Erzieherinnen der umliegenden Kindergärten an. Beginnen Sie aber bitte unter keinen Umständen damit, die vielleicht mangelhafte Zusammenarbeit anzumahnen, zu kritisieren. Versuchen Sie vielmehr dem Kollegium die Vorteile der Zusammenarbeit so farbig wie möglich zu schildern. Fragen Sie bitte auch das Kollegium, wie es dazu steht, und versuchen Sie dann Ideen zu sammeln. Einen Anfang könnten Sie bereits in der Konferenz machen. Ein im Lehrerzimmer aufgehängtes Plakat könnte dann im Laufe der nächsten zwei Wochen ergänzt werden und eventuell von einer Arbeitsgruppe zusammengefasst und in einer nächsten Dienstbesprechung vorgestellt werden.