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Wie Schulleitungen Mediation an der Schule etablieren können

Für eine bessere Streitkultur an Ihrer Schule

von Verena Schönleber

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Worum es geht

An einem Ort wie der Schule arbeiten viele Menschen miteinander und wo Menschen so eng zusammenarbeiten, entstehen auch Konflikte. Was liegt also näher, als ein Verfahren an Ihrer Schule zu etablieren, um Konflikte einfacher zu lösen? Mediation ist ein solches Verfahren. Mediation entlastet Sie als Schulleitung und kann die Streitkultur an Ihrer Schule verbessern. Davon profitieren Sie, Ihr Kollegium, die Schüler- und die Elternschaft. Mit diesem Beitrag zeige ich Ideen auf, wie Sie Mediation an Ihrer Schule etablieren können. Sie sind eingeladen, Ihren eigenen Weg zu finden, je nachdem, wie viel Zeit Sie haben und welches Potenzial Sie an Ihrer Schule sehen.

1. Was ist Mediation?

Mediation ist ein Verfahren, um Streit und Konflikte zu lösen, und wird seit den 1990er-Jahren in vielen Bereichen der Gesellschaft eingesetzt, z. B. im sozialen Bereich, als Alternative zu Gerichtsverfahren und bei Konflikten in Unternehmen. In der Mediation lösen Menschen Konflikte mithilfe einer neutralen dritten Person, dem Mediator. Der Mediator moderiert ein Gespräch, in dem alle Streitenden zu Wort kommen. Jeder darf zunächst seine Sichtweise des Konflikts darstellen. Dann wird ergründet, was hinter dem Konflikt steckt: Welches Interesse hat jeder Streitende? Was ist den Streitenden wichtig, was sind ihre Bedürfnisse? Je deutlicher die Interessen und Bedürfnisse zutage treten, desto mehr Verständnis entsteht zwischen den Streitenden. Dieses Verständnis ermöglicht es den Streitenden, Lösungen zu finden, von denen alle profitieren, sogenannte Win-win-Lösungen.

Das Besondere an der Mediation ist ihre Frieden stiftende Wirkung und damit ihre Nachhaltigkeit. Anstelle von Unverständnis, Wut und gegenseitigen Beschuldigungen treten Verständnis und die Bereitschaft zum Konsens. Das nützt nicht nur den Beteiligten, sondern wirkt sich auch positiv auf Ihre Schule und die dort herrschende Streitkultur aus. Mediation birgt viele Vorteile für Sie und Ihre Schule:

Vorteile von Mediation für Schulleitung und Schule
  • Mediation spart Mittel und Ressourcen: Wenn Sie Mediatoren an der Schule haben, müssen Sie sich nicht mehr selbst um jeden Konflikt kümmern. Darüber hinaus ersparen Sie sich und den Konfliktparteien große Konferenzen zur Konfliktbearbeitung: Zur Mediation braucht es nur die Konfliktparteien und den Mediator.
  • Mediation stärkt die Eigenverantwortlichkeit: Mediation setzt auf die eigene Kraft der Konfliktparteien (Oboth 2011). Die Konfliktparteien erarbeiten ihre Lösungen selbst. Sie als Schulleitung müssen kein Machtwort sprechen. Das entlastet Sie und nimmt Ihnen einen Teil der Verantwortung ab.
  • Mediation fördert Frieden: Mediation setzt auf Kooperation statt auf Konfrontation. Das fördert eine konstruktive Konfliktkultur.
  • Mediation löst Konflikte nachhaltig: Mediation sucht nach den Ursachen eines Konflikts, den Interessen der Konfliktparteien. Durch Mediation gelöste Konflikte sind also wirklich gelöst.
  • Mediation erzeugt Konfliktlösungen, die allen Beteiligten nützen (Win-win-Situation).
  • Mediation schützt den Ruf der Konfliktparteien und der Schule: Was in der Mediation besprochen wird, bleibt vertraulich (Oboth 2011).

Arbeitsgruppe gründen

Wagen Sie also den Schritt, Mediation an Ihrer Schule zu etablieren, es lohnt sich. Wenn Sie dazu eine Arbeitsgruppe gründen, setzen Sie auf Kollegen und Menschen an Ihrer Schule, für die der Umgang mit Konflikten eine Herzensangelegenheit ist.

2. Bestandsaufnahme: Mediation an unserer Schule – was gibt es bereits?

Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme. Um Mediation an Ihrer Schule zu etablieren, müssen Sie wahrscheinlich nicht bei Null anfangen. Beantworten Sie zu Beginn folgende Fragen:

  • Wer an unserer Schule hat Erfahrung mit Mediation (s. Fragebogen 1)?
  • Welche Maßnahmen gab es in der Vergangenheit (s. Fragebogen 2)?
  • Wer kann uns beraten (s. Checkliste 3)?

Für alle drei Fragen finden Sie in diesem Kapitel einige Anregungen.

Wer an unserer Schule hat Erfahrung mit Mediation?

Die folgenden Personen an Ihrer Schule haben möglicherweise Erfahrung mit Mediation:

  • Beratungslehrkräfte, Sozialpädagogen und Psychologen: Konflikte zu lösen gehört zu den Aufgaben dieser Personen. Konfliktlösung, aktives Zuhören, der Umgang mit Interessen und Bedürfnissen sind Teil der Ausbildung vieler Beratungslehrkräfte.
  • Schülerschaft: Vielleicht gibt es an Ihrer Schule ausgebildete Streitschlichter? Dann sollten Sie auf jeden Fall mit diesen Schülerinnen und Schülern sprechen oder sie in die Arbeitsgruppe integrieren.
  • Eltern: Haben Sie eine engagierte Elternschaft? Dann lohnt es sich, unter den Eltern nach Freiwilligen zu suchen. Sie werden staunen, wie viele Berufsgruppen heutzutage mit Mediation zu tun haben. Unter ihnen sind Juristen, Psychologen oder Menschen mit Führungsaufgaben in kleinen und größeren Unternehmen. Auch manche Handwerkskammern bieten heute Fortbildungen zu Mediation an.