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Erstsprache – Herkunftssprache – Schulsprache

Sprachsensibler Unterricht

von Johannes Kimmel-Groß

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Flüchtlinge integrieren

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Worum es geht

Wer in der Grundschule unterrichtet, wird wissen, dass jedes Kind seine eigene Sprache spricht. Im Unterricht ist die Sprache Bildungsträger und -vermittler. Genau die muss das Kind verstehen, wenn es nicht vom Bildungsprozess abgekoppelt werden soll. Lehrkräfte sollten wissen, was Kinder verstehen sollen und was sie tatsächlich verstehen (können). Das bedeutet, dass ein Bewusstsein um die Sprachen vorhanden sein muss. Die Grundlagen des sprachsensiblen Unterrichts erhalten Sie im folgenden Fachbeitrag.

1. Die vielen Sprachen der Grundschule

Von den vielen Sprachen der Grundschule sind am einfachsten die unterschiedlichen Herkunftssprachen zu erkennen. Schwieriger sind schon die verschiedenen Sprachkompetenzen deutschsprachiger Kinder zu unterscheiden. Das Wissen, dass ein Kind zum Beispiel Türkisch als Herkunftssprache hat, bedeutet noch lange nicht, die Probleme des Aufeinandertreffens der beiden Sprachen Türkisch – Deutsch, Deutsch – Türkisch zu kennen. Ebenso nutzt das Wissen um spracharme deutsche Kinder nichts, wenn keine Konsequenzen daraus gezogen werden.

Die 101 Sprachen der Schule

Man weiß, dass sich in den deutschen Grundschulen über 100 weitere Sprachen neben der deutschen finden lassen. Das bedeutet, dass sich Lehrkräfte auf fünf bis 15 Sprachen pro Klasse einzustellen haben. Folglich sollten die Grundstrukturen der in den Klassen vorhandenen Sprachen sowie deren Unterschiede zur deutschen Sprache bekannt sein.

Neben den anderssprachigen Herkunftssprachlern befinden sich in den Klassen deutschsprachige Kinder mit sehr unterschiedlichen Sprach- und Sprechkompetenzen. Natürlich sind keine 101 Kinder in einer Klasse. Dennoch müssen sich die Lehrkräfte auf 25 bis 30 Kinder mit sehr unterschiedlichen Sprachen und Sprachlerngeschichten einstellen.

Der Beitrag erläutert die Grundlagen des sprachsensiblen Unterrichts, indem er die verschiedenen Sprachen an Schule vorstellt, deren Unterschiede verdeutlicht und zeigt, was zu einem Spracherwerb dazugehört.

Die verschiedenen Sprachen an der Schule

Hier (stark vereinfacht) die in der Schule gesprochenen Sprachen:

Die Alltagssprache dient der (pragmatischen) Bewältigung des Alltags. In der Regel wird sie in einem gleichartigen Kontext kommuniziert, sodass sie nur einer geringen Sprachkompetenz bedarf. Jeder weiß von jedem, was gerade „Sache“ ist.

Die Bildungssprache entspricht zumeist der Sprache der gebildeten Mittelschicht. Sie zeichnet sich durch größere Genauigkeit gegenüber der Alltagssprache und durch stärkere Kontextunabhängigkeit aus.

Die Fachsprache bedient sich zum Teil des Repertoires der Bildungssprache und erweitert dieses um Begrifflichkeiten und Ausdrucksformen, die der effizienten und gleichzeitig präzisen Kommunikation innerhalb eines Fachs und/oder unter Fachleuten dienen.

Die Schulsprache ist ein Konglomerat von Alltags-, Bildungs- und Fachsprache, das sich altersangemessen in seiner Komplexität und Qualität ausbaut.

Die Unterrichtssprache besteht aus der Bildungssprache, die am Sprachniveau der Kinder ansetzt und dieses durch erweiterte Sprachangebote nach und nach zur gewünschten altersangemessenen Schulsprache entwickelt.

Jede Sprache ein Sprachlernproblem

Schule arbeitet daran, dass sich Lernende zunehmend besser, also kompetenter, in Fachsprache ausdrücken und diese verschriftlichen können. Das geschieht dadurch, dass Kinder bei ihrem Sprachvermögen abgeholt werden und innerhalb eines sprachfreundlichen Klimas gefordert und gefördert werden. Das verlangt von ihren Lehrerinnen und Lehrern ein Bewusstsein um Sprachkompetenzen, Sprachstrukturen und kompetenzerweiternde Methoden. Da Fachsprache zur Schriftlichkeit neigt, ist es geschickt, Sprachkompetenzerweiterung nicht allein in der mündlichen Anwendung (kontextorientiert), sondern zunehmend in der schriftlichen Form (kontextfrei) anzuwenden.

tipp

Externe Fortbildungen organisieren

Um das alles zu erreichen, ist es an solchen Stellen unbedingt ratsam, sich externe Kompetenz für Fortbildungen zu holen. – Fachsprache verknüpft mit sprachsensiblem Unterricht verlangt vom Fortbildner Kenntnisse auf beiden Gebieten. Die findet man an Universitäten oder über die staatlichen und weiteren Fortbildungsanbieter.