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Schule digital

Einführungsprozess zur digitalen Schule

von Heinz Hinz

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Schule digital

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Worum es geht

Sie befinden sich mit Ihrem Kollegium auf dem Weg zur digitalen Schule. Der Grundstein ist gelegt und es gilt, den Umgang mit ausgewählten digitalen Medien zu lernen und sie einzusetzen. Wie Sie den Einführungsprozess erfolgreich mit einem Kernteam und mithilfe von Prototypen gestalten, erfahren Sie in diesem Beitrag!

1. Ein Kernteam etablieren

Wenn die Kolleginnen und Kollegen sich auf die Lernkultur und den entsprechenden Kompetenzen verständigt haben (s. „Den Weg zur Digitalisierung vorbereiten“), ist es von hoher Bedeutsamkeit, ein starkes Kernteam zu etablieren:

wichtig

Multiplikatoren einsetzen

Klären Sie im Kollegium Sinn, Zweck und Absicht der Vorgehensweise konkreten Einsatz im Unterrichtsalltag und bilden Sie ein hoch engagierten Kernteam als Unterstützungssystem, denen wirklich etwas am Ziel der Einführung von digitalen Medien im Unterricht liegt.

Erstes Ziel ist es, einen kleinen Prototyp als „Einführungsmuster“ für die Kolleginnen und Kollegen zu entwerfen, damit es zu einer gelingenden und barrierefreien Einführung von digitalen Medien im Unterricht kommen kann.

2. Drei zentrale Aspekte der Prozessgestaltung

Auf drei zentrale Aspekte muss im Einführungsprozess geachtet werden, soll er erfolgreich gelingen:

  1. Eine hohe soziale Akzeptanz bei möglichst vielen Beteiligten, vor allem bei den Personen, die technisch nicht so affin sind, erzielen.
  2. Kleine Anfänge in der Umsetzung bzw. Einführung gestalten, so dass ich als Kollegin bzw. Kollege sehr erfolgreich und kleinschrittig in meinem Unterricht die digitalen Medien erfolgreich einsetzen kann.
  3. Nach dem Motto, „frühes und schnelles scheitern, um zu lernen“ agieren; es muss ein Team vorhanden sein, das ich als Lehrkraft jederzeit im Unterricht oder in der Pause erreichen kann, und mich bei meiner erfolgreichen Umsetzung unterstützen kann.

3. Von und mit dem Kernteam lernen

Folgende Vorgehensweise, bzw. die daraus ersichtlichen Prinzipien sind für den Einführungsprozess lernförderlich:

Die Einführungsveranstaltung

Die Beteiligten lernen ihre zu erwerbenden Fähigkeiten im Umgang mit den digitalen Medien nicht wie in einer klassischen Fortbildung, sondern die Kolleginnen und Kollegen kommen, wann immer sie Unterstützung (Planung, Auswahl und Anwendung digitaler Medien) benötigen zu einem Mitglied des Kernteams.

Das heißt, es gibt nur eine gemeinsame Einführungsveranstaltung, auf der das Vorgehen besprochen wird. Dann geht es auch schon los. Es wird z.B. gezeigt,

  • wie man einen Ordner anlegt,
  • wie man Texte, Bilder und sonstige Dokumente ablegt und auch schnell wieder finden kann.

Es wird nach jedem erfolgreichen Umsetzungsschritt, den jede Lehrkraft in ihrem eigenen Tempo vornimmt, anschließend der nächste Schritt angeboten. Also erstens einen Ordner anlegen und sinnvolle Ordnung im Ordner erzeugen. Wenn das funktioniert, dann kommt es zum zweiten Schritt dazu: Texte in den Ordner abzulegen und diese auch wiederzufinden.

Als dritten Schritt macht man dies mit Bildern oder sonstigen Dokumenten. Ich kann als Kollegin und als Kollege jederzeit ein Mitglied des Kernteams kontaktieren, das mir gegebenenfalls Unterstützung und Hilfe anbietet. Wichtig ist es, dass ich diese Prinzipien auf den schulspezifischen Plattformen, und auf dem Rechner zu Hause anwenden und nachvollziehen kann.

Durch diese Vorgehensweise entsteht eine hohe soziale Akzeptanz, ein niederschwelliger und barrierefreier Zugang zu der Arbeitsweise mit den gewählten digitalen Medien.

Learning-by-doing

Ein weiterer sehr niederschwelliger Zugang kann direkt über den Einsatz im Unterricht gestaltet werden.

Bei der Einführung von digitalen Medien suche ich mir als Lehrkraft ein unterrichtliches Projekt, z.B. Einführung eines Erklärvideos (kleinen Prototypen) aus.

Das Kernteam berät und begleitet mich von der Planung bis zur Umsetzung und der Auswertung. So habe ich die Sicherheit, dass es zu einem gelingenden Prozess in meinem Unterricht kommt. Sobald die kleinste Unsicherheit auftaucht, bekomme ich unmittelbar Unterstützung durch ein Kernteammitglied, das mit mir das Problem reflektiert und löst.

4. Prototypen als Lernbasis entwickeln

Folgende Vorgehensweisen bzw. Prinzipien sollten durch das Kernteam berücksichtig werden, damit sich aus dem Arbeiten mit den Prototypen ein erfolgreicher und gelungener Einführungsprozess gestaltet.

  1. Ist es (das kleine Projekt/der Prototyp) relevant – ist es für alle betroffenen Ebenen bzw. der wichtigen beteiligten Ebenen/Personen (z.B. inhaltliche Ebene) von Bedeutung –die individuelle (für die betroffene Lehrkraft), die institutionelle (für das entsprechende Fach und einer bestimmten Klasse) und die soziale (für die Schülerinnen und Schüler oder auch nur einer Schülergruppe einer bestimmten Klasse). Oft drückt sich die Relevanz für jeden Beteiligten in einer anderen Perspektive und auf andere Weise aus.
  2. Ist es „richtig“ was wir miteinander machen – kann das Ganze in dem „Mikrokosmos”, auf den die Gruppe (Lehrkraft, Kernteam, Schülerinnen und Schüler, Unterrichtssequenz) sich konzentriert, erkannt werden? Findet bei der Definition des Projektes die richtige Dimension/Größe/Umfang der Arbeit Berücksichtigung? Mit einem Prototyp richtet man das Augenmerk auf ein paar ausgewählte Details.
  3. Sind die Vorgehensweise und das Arbeiten mit dem entsprechenden ausgewählten digitalen Medium wirklich neu für mich? Kann es den bisherigen Charakter von meine Lösungsstrategien im Unterricht und den entsprechenden Medien wirklich weiterentwickeln? Verändert es mein Kernproblem im Umgang und beim Einsatz der digitalen Medien in meinem Unterricht und in meiner Klasse?
  4. Kann ich die geplante Aktivität nach dem Gespräch/Beratung mit einem Mitglied des Kernteams rasch im Unterricht einsetzen, ist es schnell durchführen? Sie müssen in der Lage sein, direkt Experimente im Umgang mit den gewählten Mediä im Unterricht zu entwickeln, um genug Zeit für Feedback von den Schülerinnen und Schülern, aber auch von anderen interessierten Lehrkräften, als auch vom Kernteam zu bekommen. Dadurch haben sie die Möglichkeit weitere Vorgehensweisen mit den digitalen Medien in ihrem Unterricht auszuprobieren. Die Lehrkraft benötigt die Sicherheit auch im Unterricht bzw. von Fach zu Fach experimentieren zu können, ohne zu scheitern.
  5. Können Sie das Angebot und den Einsatz der digitalen Medien es im kleinen Maßstab in ihrem Unterricht umsetzen? Können Sie es in einer Unterrichtsstunde, wenigstens für 5-10 Minuten durchführen?
  6. Lassen Sie es sich von den Schülerinnen und Schülern, den Mitgliedern des Kernteams beibringen, wie sie es machen können, damit sie Sicherheit mit ihren Prototypen im Unterricht erlangen.
  7. Ist es relational effektiv – machen Sie bei beim Experimentieren und bei der ersten Umsetzung bzw. beim Einsatz im Unterricht Gebrauch von allen Stärken, Kompetenzen und Möglichkeiten der zur Verfügung stehenden Schüler, Lehrkräfte und Kernteam.
  8. Ist es wiederholbar – können Sie es im gleichen oder etwas größeren Umfang in anderen Unterrichtseinheiten und in anderen Fächern, in anderen Klassen wiederholen? Jeder erfolgreicher bzw. gelingender Einführungsprozess hängt davon ab, dass er langsam in größerem Umfang wiederholt werden kann.
  9. Jedes Mal, wenn Sie sich mit den Mitgliedern des Kernteams oder mit anderen Lehrkräften oder auch den Schülerinnen und Schülern, die ebenfalls neue Möglichkeiten ausprobieren treffen, tauschen Sie sich darüber aus, wie Sie ihren Prototypen voranbringen und über alles, was Sie durch das ausprobieren und den Austausch (Feedback) gelernt haben.