Mein Arbeitsplatz

Schule digital revolutionieren?!

Ein medienpädagogisches Konzept entwickeln

von Jan Haurand

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Schule digital

Sie wollen den kompletten Text lesen?

Worum es geht

Schule und Unterricht werden durch die Digitalisierung verändert. Deshalb benötigen Schulen ein medienpädagogisches Konzept. Dieser Beitrag

  • erläutert Grundlagen der Medienerziehung,
  • bringt Klarheit in aktuelle Diskussionen, z. B. zum Smartphone-Verbot,
  • bietet die Grundlagen zur Entwicklung eines medienpädagogischen Schulkonzepts.

1. Die digitale Revolution

Wir erleben eine digitale Revolution, die alle Lebensbereiche in unserer Gesellschaft mit einer enormen Geschwindigkeit bereits nachhaltig verändert hat und noch viel stärker verändern wird. Der gesellschaftliche Wandel ist mit dem Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft vergleichbar. Wenn Sie Ihre Schüler fragen, wie lange sie täglich online sind, werden die Schüler ihre Frage nicht verstehen. Unsere Schüler sind nicht mehr offline. Auch nicht in ihrer Schule, wenn dort ein Handyverbot gilt. Diese Entwicklung ging rasend schnell voran, das erste massentaugliche Smartphone kam erst 2007 auf den Markt. Somit ist es jünger, als viele unserer (Kern-) Lehrpläne und Erlasse.

tipp

Offline war gestern: Internet-Tipp

Prof. Skibicki hält auf einer Veranstaltung des Schulministeriums NRW einen kurzweiligen und spannenden Vortrag zum Thema Digitalisierung. Den Link zu diesem und weiteren Informationsquellen finden Sie im Handout.

Handout: Links zum Thema Medienkompetenz

Aktuelle Beobachtungen: Medienverwendung und -einsatz in der Schule

  • Unverzichtbares Smartphone: Das Smartphone ist ein unverzichtbares Universalgerät für die Jugendlichen (ab 14 Jahren 99 % Medienausstattung). Es ist nutzbar um Filme zu schauen, Musik zu hören, zu spielen und vor allen Dingen: um zu kommunizieren. Die Kommunikation läuft zumeist über soziale Plattformen (Whatsapp, Snapchat, Instagram usw.) und ist teilweise öffentlich. Der Umgang der Jugendlichen mit diesen Kommunikationsplattformen ist nicht durchgängig geprägt von einem hohen Verantwortungsbewusstsein. Dass auch Erwachsenen der verantwortungsvolle Umgang mit sozialen Plattformen nicht selbstverständlich gelingt, zeigt u. a. der Blick in den Kommentarbereich beinahe jeder Online-Tages­zeitung.
  • Wir nutzen die Möglichkeiten, die uns gegeben sind: Schon immer gab es Unterrichte mit sog. „Standzeiten“: leistungsstarke Schüler warten auf die Kontrolle durch Lehrkräfte oder Anschlussaufgaben, leistungsschwache auf Hilfe/Unterstützung oder schlicht lange Plenums- oder Arbeitsphasen, in denen die Schüler „abtauchen“ können. Vor 30 Jahren waren die Handlungsmöglichkeiten der Schüler in solchen Momenten eingeschränkter als heute. Sie konnten Briefchen schreiben, Käsekästchen spielen oder den Unterricht stören. Heute kommt als weitere Möglichkeit die unterrichtsferne Nutzung von Smartphones hinzu – und sie wird, entsprechende Unterrichtsphasen und Lehrerverhalten vorausgesetzt, auch praktiziert. Das ist die negative Seite. Vor 30 Jahren konnten Schüler aber z. B. noch keine Tafelbilder oder Arbeitsblätter abfotografieren, sie online in einer Gruppe teilen, diskutieren und bearbeiten. Genauso, wie viele von uns das bei interessanten Fortbildungen wahrscheinlich auch machen. Das ist eine der positiven Seiten. Jede Generation nutzt ihre (technischen) Möglich­keiten.
  • Auswirkungen auf die Schule – Jugendliche brauchen einen Führerschein: Die Auswirkungen der Digitalisierung der Gesellschaft auf unseren Arbeitsalltag in der Schule sind deutlich spürbar und werden sich radikal fortentwickeln. Die Digitalisierung geht nicht mehr weg. Im Gegenteil, sie wird sich in vielen gesellschaftlichen Bereichen massiv verstärken und die letzten nicht-digitalisierten Bereiche auch noch erfassen. Die Kinder, die Jugendlichen, die jungen Erwachsenen brauchen Hilfe, Unterstützung und Anleitung, damit sie lernen, damit angemessen umzugehen. Das ist ein zentraler Auftrag für die Schule und es ist sowohl ein Bildungs-, als auch ein Erziehungsauftrag.
  • Curriculare Arbeit ist Gift für den Einstieg: Wir werden schnell und hart mit den „Auswüchsen“ der Digitalisierung konfrontiert (z.B. Cybermobbing) und reagieren mit Verfahren, die sich aus unserer Sicht in der Vergangenheit bewährt haben, z. B. mit dem Smartphone-Verbot. Wir merken aber auch, dass wir damit relativ wenig erreichen. Wenn die Smartphonenutzung während der Unterrichtsstunden verboten ist, findet sie z.B. beiläufig beim Toilettengang statt. In diesem Kontext als Schulleitung ein Medienkompetenzraster zu nehmen und spiralcurricular aufgebaute Unterrichtsvorhaben entwickeln zu lassen wird keine nachhaltige Wirkung entfalten, vielmehr befürchte ich negative Effekte.

wichtig

Mit Digitalisierung auseinandersetzen!

Der notwendige erste Schritt auf dem Weg zum Medienkonzept ist, sich intensiv und umfassend mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Wir müssen uns der massiven, nachhaltigen Änderungen bewusstwerden. Erst wenn das klar wird, ergeben sich wertvolle Erkenntnisse für das weitere Vorgehen.