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Prüfen und entwickeln

Differenzierung im Unterricht

von Kathleen Herzog

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Worum es geht

Ziel des Beitrags ist es, Differenzierung im Unterricht durch professionelle Selbstevaluation systematisch überprüfen und weiterentwickeln und somit den Differenzierungsstand der Schule erheben, Differenzierung als Schwerpunkt der Unterrichtsentwicklung verbessern und individuelles Lernen an der Schule etablieren.

1. Differenzierung – im Fokus von Qualitätsentwicklung

Die regelmäßige Überprüfung der Schulqualität hat sich in den verschiedenen Bundesländern mithilfe ausgeweiteter Testverfahren wie PISA, PISA-E, Kompetenztest, Schulinspektion bzw. externe Evaluation bereits etabliert. Gemeinsam ist diesen Verfahren, dass eine Fremdsicht auf die Qualität von Schule und Unterricht eingenommen und den Schulen ein Ergebnis rückgemeldet wird. Hingegen können Sie durch Selbstevaluation eine eigene, professionelle Sicht auf die Qualität Ihrer schulischen Arbeit einnehmen.

Ein häufig herausgearbeitetes Handlungsfeld im Rahmen der Fremdevaluation ist der differenzierte Unterricht, der deutschlandweit ein Entwicklungsschwerpunkt für die verschiedenen Schulformen, insbesondere die weiterführenden, ist. Differenzierung bzw. der Umgang mit Heterogenität ist ein wesentliches Kriterium für Unterrichtsqualität und damit für Schulerfolg.

Vorteile der Selbstevaluation sind insbesondere die gemeinsame Gestaltung von Qualitätsarbeit mit Ihrem Kollegium und die Möglichkeit zur schulinternen Schwerpunktsetzung (z. B. Fokus auf Differenzierung). Damit sind Fremd- und Selbstevaluation komplementär zueinander und beide für die Weiterentwicklung des Unterrichts nutzbar.

Begriffsklärung Differenzierung

Differenzierung beherrscht gegenwärtig die bildungspolitische Debatte in Deutschland und findet ihren Ausgangspunkt in den vielfältigen fachlichen, sprachlichen, sozialen und methodischen Kompetenzniveaus der Schülerschaft (vgl. Helmke 2012). Neben diesen interindividuellen gibt es auch noch intraindividuelle Unterschiede – zum Beispiel wenn ein Schüler mit hervorragender Rechtschreibleistung nur über einen geringen Wortschatz verfügt.

Die heterogene Schülerschaft erfordert einen differenzierten Unterricht, der auf die unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen, die unterschiedlichen Lerntempi und Zugangsweisen zum Lernstoff eingeht. Differenziertes und individuelles Lernen als Unterrichtsprinzip knüpft damit an die Voraussetzungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler an. Das Unterrichtsprinzip realisiert sich durch eine innere Differenzierung bzw. erfolgt als Binnendifferenzierung. Daneben wird häufig die äußere Differenzierung nach Schulformen realisiert, die in diesem Beitrag aber nicht weiter betrachtet wird.

Warum Differenzierung evaluieren?

Differenzierung als Unterrichtsprinzip kann durch Selbstevaluation überprüft und entwickelt werden. Dadurch können Sie

  • analysieren, wo die Stärken und Schwächen der Differenzierung im Unterricht liegen,
  • die Differenzierung als Merkmal der Unterrichtsqualität systematisch weiterentwickeln,
  • Fähigkeiten einzelner Lehrkräfte für diese Weiterentwicklung nutzen,
  • Verantwortung für den Umgang mit Heterogenität an Ihrer Schule fördern.

Die Notwendigkeit zur Binnendifferenzierung ist den meisten Lehrkräften bewusst, jedoch assoziieren viele damit Schwierigkeiten in der Umsetzung, was häufig in der fehlenden Begriffskonzeption begründet ist: Binnendifferenzierung – was heißt das denn konkret? Damit einher geht auch die Schwierigkeit, Binnendifferenzierung intern überprüfen zu können, denn woran kann man sie messen? Überzeugen Sie Ihr Kollegium vom Nutzen, hierüber Klarheit zu gewinnen und Binnendifferenzierung selbst zu evaluieren. Die Vorteile für Ihre Lehrkräfte:

  • Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung des Umgangs mit Heterogenität an der Schule;
  • Erweiterung des Repertoires auf inhaltlicher, didaktischer, methodischer, medialer, sozialer und organisatorischer Ebene;
  • Belegen des Entwicklungsstandes der Binnendifferenzierung mithilfe systematischer Erhebung und Verwendung zur Rechenschaftslegung oder für die Außenwirkung;
  • Voranbringen von Schule und Unterricht durch eine bestmögliche Förderung des einzelnen Schülers.

wichtig

Differenzierung differenziert betrachten!

Die Erkenntnis, dass Menschen unterschiedlich lernen, verlangt danach, dieser Vielfalt differenziert zu begegnen. Differenziertes Lernen berücksichtigt die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler und ist damit individuell. Dabei umfasst die Binnendifferenzierung als Unterrichtsprinzip weit mehr als die weitverbreitete Vorstellung differenzierter Aufgaben – Binnendifferenzierung umfasst (Memmert 1995; Helmke 2012):

  • inhaltliche Aspekte (unterschiedliche Aufgaben und Lernziele);
  • methodische Aspekte (unterschiedliche Schüleraktivierung, Lernschritte und Lernhilfen);
  • mediale Aspekte (unterschiedliche Arbeits- und Anschauungsmittel);
  • soziale Aspekte (unterschiedliche Sozialformen: Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit).