Mein Arbeitsplatz

Das Persönlichkeitsmodell von F. Riemann

Die histrionische Persönlichkeitsstörung

von Hilda Rohmer-Stänner

Sie wollen den kompletten Text lesen?

Worum es geht

Was ist eine histrionische Persönlichkeiten und wie gehen Sie mit ihr um? Im Beitrag stellen wir Ihnen das Persönlichkeitsmodell von Fritz Riemann vor, das Ihnen die Antwort liefert.

1. Das Persönlichkeitsmodell von Fritz Riemann

Hippokrat von Kos, der im 4. Jahrhundert vor Christi lebte, hat als einer der ersten den Versuch unternommen hat, seine Mitmenschen zu klassifizieren.

Seine Zuordnung zwischen Körperflüssigkeiten und Verhalten entspricht natürlich nicht mehr dem heutigen Stand der Forschung. Dennoch hat seine Klassifikation menschlicher Charaktere in unserer Alltagssprache bis heute ihre Spuren hinterlassen, denn der Choleriker oder der Melancholiker, der Sanguiniker oder der Phlegmatiker sind uns durchaus bekannte Bezeichnungen.

Eine weitere sehr bekannte psychologische Persönlichkeitstheorie wurde von Fritz Riemann entwickelt. Er war ein deutscher Psychologe und Psychoanalytiker und lebte von 1902-1979. Sein bekanntestes Werk heißt „Grundformen der Angst“ (Riemann 2009). In seiner Theorie geht er davon aus, dass es Grundformen der Angst gibt, die allen Menschen gemeinsam sind und deren Persönlichkeit prägen. Aus diesen Grundängsten leitet er vier Persönlichkeitsstrukturen ab:

  • Den Distanz-Typ
  • Den Nähe-Typ
  • Den Wechsel-Typ
  • Den Dauer-Typ

Diese vier Grundformen sind nach Riemann in jedem Menschen vorhanden. Die individuelle Ausprägung bestimmt dann den Typus der Persönlichkeit. Die Riemannschen Begriffe klingen vor allem für Laien nach Krankhaftigkeit. Das System hat er allerdings grundsätzlich als normalpsychologisches Modell entworfen und entwickelt. Er klassifiziert die vier Charaktertypen wie folgt:

Der Distanztyp:

Der schizoide Mensch ringt um die innere Freiheit und Distanz

Er kreist mit seinen Gedanken und Gefühlen um sich selbst, ist innerlich unsicher und wirkt nach außen selbstbewusst und arrogant. Hier findet man die meisten Einzelgänger.

  • Lebensgeschichtliche Hintergründe:
  • Die schizoide Persönlichkeit entsteht durch mangelnde Geborgenheit und dies führt zur Suche nach Rückhalt bei sich selbst. In der frühesten Kindheit konnte sich kein Urvertrauen entwickeln.
  • Der Schizoide und die Liebe:
  • Er ist der am wenigsten liebesfähige Mensch. Er will und kann nicht in die Abhängigkeit einer wirklichen Liebe gelangen und wehrt emotionale Zuneigung ab.
  • Der Schizoide und die Aggression:
  • Die Aggression des Schizoiden äußert sich oft rücksichtslos und wahllos, in Form von Zynismus, Schroffheit und Kälte.

Der Nähetyp:

Der depressive Mensch ringt um Geborgenheit, Anpassung und Harmonie

Er ist hingabefähig, warmherzig und vorsichtig. Diese Menschen sind im weitesten Sinne als Gruppenmenschen zu bezeichnen.

  • Lebensgeschichtliche Hintergründe:
  • In ihrer Kindheit wurden sie in totaler Abhängigkeit gehalten oder mussten immer sehr große Rücksicht nehmen. Die Entstehung einer eigenständigen Persönlichkeit wurde verhindert.
  • Der Depressive und die Liebe:
  • In einer Beziehung kann es zu einer vollständigen Identifikation mit dem Partner kommen oder zum Zurückfallen des Erwachsenen zum Kind.
  • Der Depressive und die Aggression:
  • Aus der Verlustangst heraus traut er sich nicht, Aggressionen zuzulassen. Sie äußern sich stattdessen eher in Jammern und Klagen.

Der Wechseltyp:

Der hysterische (histrionische) Mensch ist flexibel, impulsiv und liebt das Risiko

Es sind oft schillernde Menschen.

  • Lebensgeschichtliche Hintergründe:
  • Dem hysterischen Menschen haben Vorbilder besonders gefehlt. So nimmt er die Ordnung und Gesetze der Welt nicht an und wird sich deshalb in seinem späteren Leben seine eigenen Gesetze machen.
  • Der Hysterische und die Liebe:
  • Der Hysterische liebt die Liebe und nicht seine Partner, sondern benutzt sie häufig zur Steigerung seines Selbstwertgefühls. So sind Trennungen und Neuanfänge typisch für ihn.
  • Der Hysterische und die Aggression:
  • Aggressionen äußert er spontan, unbekümmert und planlos, in Form von Rivalisieren und Konkurrieren. Seine Ausbrüche sind mehr personen- als sachbezogen.