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Das Kollegium für die Arbeit mit Portfolios gewinnen

Die Geschichte des Lernens dokumentieren

von Jonas Lanig

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Worum es geht

Das Portfolio dokumentiert die Geschichte des Lernens. Damit wird Schülern und Lehrern in gleicher Weise bewusst, dass Lernen nicht von seinen Ergebnissen her gedacht werden darf, sondern immer als Prozess gesehen werden muss. Viele Lehrkräfte stehen dieser methodischen Neuorientierung eher skeptisch gegenüber – nicht zuletzt, weil sie die damit verbundene Mehrarbeit fürchten. Wenn das ganze Kollegium für die Arbeit mit Portfolios gewonnen werden soll, gilt es, entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten. Dazu müssen die Kollegen umfassend informiert und durch nachahmenswerte Beispiele auf den Einstieg in die Portfolioarbeit vorbereitet werden. Dieser Beitrag stellt vertrauensbildende Maßnahmen vor, mit denen sich die Portfolioarbeit auch an Ihrer Schule durchsetzen lässt.

1. Gute Gründe für die Arbeit mit Portfolios

Nur wer selbst von der Arbeit mit Portfolios überzeugt ist, wird auch die Mitglieder seines Lehrerkollegiums dafür gewinnen können. Schließlich wollen diese ganz sicher sein, hier nicht irgendeiner pädagogischen Modeerscheinung aufzusitzen. Sie wollen sich darauf verlassen können, dass diese methodische Neuausrichtung auch wirklich zu einer Weiterentwicklung des Unterrichts führt. Deshalb macht es Sinn, die Bedenken skeptischer Kollegen ernst zu nehmen und ihren Einwänden überzeugende Argumente entgegenzusetzen. Die Schulleitung sollte darauf vorbereitet sein, dass sie es hier mit so manchen Vorbehalten zu tun hat – und sie sollte diese zu entkräften wissen:

Was skeptische Kollegen einwenden … … und wie sich diese Einwände entkräften lassen.
  • Durch die Arbeit mit Portfolios wird die Individualisierung des Lernens noch weiter verschärft. Ein Austausch der Schüler untereinander ist dadurch kaum noch möglich.
  • In das Portfolio gehen jeweils auch kooperative Arbeitsphasen ein. Außerdem können die Portfolios den Mitschülern vorgestellt werden, was einen solchen Austausch befördert.
  • Die Schüler gewöhnen sich ab, auf ein bestimmtes Ergebnis hinzuarbeiten. Sie geben sich mit vorläufigen Erkenntnissen zufrieden und verlernen die Lust am Gelingen.
  • Es kommt nicht darauf an, welches Produkt ein Schüler schließlich vorlegt, sondern was er auf dem Weg dorthin alles lernt. Solche Einsichten dürfen nicht einer einseitigen Ergebnisfixierung geopfert werden.
  • Portfolios lassen sich allenfalls im Zusammenhang mit längerfristigen Projekten einsetzen. In der kleinschrittigen Praxis des pädagogischen Alltags macht ihr Einsatz kaum Sinn.
  • Die Zukunft gehört sicherlich nicht kurzatmigen Unterrichtssequenzen, sondern dem Lernen in größeren Zusammenhängen. Die Geschichte des Lernens lässt sich eben nicht in Einzelepisoden erzählen.
  • Portfolios sind für den Einsatz im Unterricht nur bedingt geeignet, weil sie sich einer transparenten Notengebung entziehen. Schließlich sind solche Portfolios untereinander nicht vergleichbar.
  • Die Benotung von Portfolios macht tatsächlich wenig Sinn. Zunehmend setzen sich im Unterricht aber alternative Formen der Leistungsbewertung durch – und dafür wäre das Portfolio eine gute Basis.
  • Der Einsatz von Portfolios bedeutet für den Lehrer erheblich mehr Arbeit. Die Kommentierung und Bewertung eines Portfolios ist mit deutlich mehr Aufwand verbunden als die Korrektur einer Klassenarbeit.
  • Dieser Mehraufwand lässt sich durch die Selbsttätigkeit und Eigenverantwortung der Schüler ausgleichen. Die Arbeit mit Portfolios erspart manche lästige Unterrichtsvorbereitung.

Am Ende einer solchen Auseinandersetzung könnte die Einsicht stehen, dass die Arbeit mit Portfolios tatsächlich zu einer Weiterentwicklung des Unterrichts führt. Deshalb gilt es, die Kolleginnen und Kollegen davon zu überzeugen, dass

  • die Schüler durch Portfolios angeleitet werden, sich für ihre schulische Entwicklung selbst verantwortlich zu fühlen,
  • der Einsatz von Portfolios das Lernen im Gleichschritt überwindet und die einzelne Schülerpersönlichkeit in den Fokus nimmt,
  • die Schüler sich daran gewöhnen, dass sie eine Leistung zu erbringen haben und sich nicht nur auf Anforderungen des Lehrers verlassen dürfen,
  • den Schülern vermittelt werden kann, wie erfolgreiches Lernen funktioniert und über welches besondere Lernprofil sie verfügen,
  • das Portfolio zu einer praktikablen Grundlage für den Dialog zwischen Lehrer und Schüler werden kann,
  • sich bei der Anlage eines Portfolios die Unterschiede zwischen unterrichtlich und außerunterrichtlich erbrachten Leistungen überwinden lassen.