Mein Arbeitsplatz

Zwischen Anpassung und Selbstbestimmung

Den eigenen Weg finden

von Barbara Manschmidt

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Worum es geht

Als Schulleiter bewegen Sie sich zwischen Lehre, Kollegialität, Führung, Beratung und Management innerhalb der unterschiedlichsten Anspruchsgruppen. Hinzu kommt, dass Sie auch ein Privatleben mit verschiedenen Verpflichtungen und Erwartungen haben, welches nicht zu kurz kommen sollte. Wie Sie es schaffen, den Ansprüchen von außen gerecht zu werden und dabei einen Weg zu finden, mit sich und Ihren verschiedenen Rollen im Gleichgewicht zu bleiben, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.

1. Der Unterschied zwischen Anpassung und Selbstbestimmung

Anpassung, Selbstbestimmung, Selbstmanagement… – Sicher fallen Ihnen noch weitere Begriffe ein, die zu diesem Themenfeld gehören. Um zu klären, was ich im Kontext meines Beitrags mit den unterschiedlichen Begriffen meine, hier einmal folgende Begriffsdefinitionen:

  • Anpassung bedeutet: Die Anforderungen von außen bestimmen mich. Die Anforderungen bestimmen, womit ich mich dringend, sofort, zwingend, umgehend, unausweichlich usw. auseinanderzusetzen habe. Das kann atemlos machen. Und zu dem Gefühl führen, sich immer weiter von sich selbst und eigenen Ideen und Wünschen zu entfernen.
  • Selbstbestimmung bedeutet: Ich bin Herr oder Herrin meiner Zeit, meiner Ziele und meines Engagements. Ich bestimme, was ich tue, wofür ich mich anstrenge, wie und wann ich mich erhole. Das ist in der Regel nur Privatiers und vielleicht noch bestens situierten Selbstständigen möglich. Nicht jedoch Schulleiterinnen und Schulleitern mit ihrem weitreichenden Verantwortungsspektrum. In letzter Konsequenz würde dieses Verhalten dazu führen, dass ich unliebsame Anforderungen ignoriere, diese mich irgendwann einholen und ich nicht mehr in der Lage bin, meine Aufgaben zu erfüllen.
  • Selbstmanagement bedeutet: Ich schaffe es, mir immer wieder einen Überblick über die unterschiedlichen Anforderungen zu verschaffen und einen Weg zu finden, mit dem ich zufrieden bin und auf dem ich gesund bleibe. Dabei bin ich selbst aktiv und gestalte meinen Weg zwischen notwendiger Anpassung und möglichst viel Selbstbestimmung.

Work-Life-Balance

Die Balance von Arbeit und selbstbestimmter freier Zeit zu erreichen und zu halten gilt als eine Voraussetzung dafür, beruflich und privat fit zu bleiben. Eine gute Ausgewogenheit ist ein wichtiger Schutz vor dem „Ausbrennen“, einem Zustand, bei dem diese „Work-Life-Balance“ aus den Fugen gerät oder schon geraten ist.

Dabei betrachte ich den Teil des Lebens, den Sie mit Ihrer Arbeit als verantwortliche Führungskraft für die Schule verbringen, genauso als „Leben“ wie den Teil, der den privaten Bereich ausmacht. Wieviel weniger Leben wäre es denn, wenn der Augenblick, in dem ich in meinem aktuellen Umfeld agiere, sei es im sozialen Miteinander, in der „Stillarbeit“ am Schreibtisch, beim Telefonieren … nicht auch Leben wäre!

Dabei bedeutet Balance aber keineswegs, dass beide Bereiche immer den gleichen zeitlichen und inhaltlichen Stellenwert hätten. Ein erster Schritt ist es doch anzunehmen, dass es Zeiten gibt, in denen die Arbeit an erster Stelle steht – und Zeiten, an denen der private Moment gepflegt sein will.

Es kann außerordentlich entlastend sein, länger und intensiver zu arbeiten, um eine Sache endlich zu einem Ende zu bringen, als sich immer wieder zu distanzieren und die Herausforderung nicht anzugehen.

wichtig

„Echt Sein“ zählt

Doch hat auch der private Bereich bei Menschen, die sich über die eigene Person und Familie hinaus engagieren, viele öffentliche Anteile. Als Beispiele seien genannt: gesellschaftlich engagiert in einem Service-Club oder Netzwerk, verantwortlich in einem Verein, politisch aufgestellt in der Kommunalpolitik. Was ist privat, was ist beruflich? Die Grenzen sind oft fließend, und das macht deutlich, dass ich meine Persönlichkeit nicht aufteilen kann und muss zwischen „beruflich“ und „privat“, sondern dass ich „echt“ sein kann in den verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen. Doch wo die Grenzen verschwimmen, kann es auch leicht zu Überforderung kommen, eben, weil dann auch die Abgrenzung schwerfällt und wir zu viel von uns selbst erwarten.

Wie ist es also zu schaffen, den Ansprüchen gerecht zu werden, die von außen auf mich zukommen, und mich gleichzeitig wohl zu fühlen in meiner Haut und in meinem Handeln? Wie schaffe ich es, bei mir zu bleiben und gleichzeitig „außen“ zu sein, seelisch und somatisch gesund zu bleiben?

tipp

Das sagt eine große Schauspielerin

Hannelore Elsner, Grande Dame im deutschen Schauspiel, verriet bei einem Vortragsabend anlässlich des Erscheinens ihrer Autobiografie „Im Überschwang“ ihr eigenes Rezept, die anstehenden Aufgaben und die eigene Persönlichkeit in Einklang zu bringen und zu behalten: „Wichtig ist die Liebe zu sich selbst und zu seinem Körper. Man kann sich nicht verlieren, wenn man bei sich bleibt.“ (Vortragsabend der Schauspielerin in Gütersloh, Januar 2013)