Mein Arbeitsplatz

Die Schulorganisation professionell in den Griff bekommen

Das Schuljahr planen

von Maja Dammann

Dieser Fachbeitrag ist Teil des Themenspecials Neu in der Schulleitung

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Worum es geht

Die Planung ist ein schwieriges Geschäft, für das Sie Sachkenntnis und Übersicht ebenso brauchen wie Frustrationstoleranz, Hartnäckigkeit und die Fähigkeit sinnvolle Routinen zu entwickeln. Im ersten Teil erhalten Sie sozusagen ein Startpaket für den konfliktträchtigen Bereich des Personaleinsatzes. Alle Vorschläge ermöglichen Ihnen eine Entlastung durch langfristige Planung. Der Vorteil der Planung mit Weitblick ist darüber hinaus, dass Kollegen Zeit haben, sich auf kommende Veränderungen einzustellen. Auch mit einer guten Schuljahresplanung können Sie etwas für Ihr Kollegium tun und so für die Akzeptanz Ihrer Person sorgen: ein sinnvoller Umgang mit der Zeit der Kollegen schafft Spielraum für anspruchsvolle pädagogische Arbeit.

1. Personalplanung/Lehrerversorgung – das Kerngeschäft

Die Personalplanung wird im Folgenden überwiegend im Hinblick auf allgemeine Grundsätze und schulinterne Verfahrensweisen beleuchtet. Wie die konkrete Arbeitsteilung zwischen Ihnen als Leitung, der Schulaufsicht und evtl. Personalreferenten in der Bildungsadministration in Ihrem Bundesland aussieht, sollten Sie sich am besten von einem gestandenen Schulleiter oder Ihrem Schulaufsichtsbeamten erläutern lassen.

Generell gilt: Für den Bereich der Personalplanung benötigen Sie ein hohes Maß an Frustrationstoleranz, Fingerspitzengefühl und Durchsetzungs- bzw. Beharrungsvermögen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie über die Kollegen und ihre formalen Qualifikationen, aber auch ihre Talente und Neigungen gut informiert sind.

Frustrationstoleranz. Im Regelfall werden sich Ihre Planungsdaten im Verlauf des Planungszeitraumes mehrfach ändern, und zwar meist, ohne dass Sie etwas dafür können. Veränderungen der Bedarfs- (und damit Berechnungs)grundlagen durch politische Grundsatzentscheidungen/Haushaltsbeschlüsse sind an der Tagesordnung. Ebenso ändern sich die Ansagen, mit wie viel Prozent Unterrichtsversorgung Sie rechnen dürfen, mehrfach bis zum Schuljahresende. Deswegen brauchen Sie erhebliche Frustrationstoleranz, wenn Sie immer neu rechnen müssen.

Hartnäckigkeit. Und schließlich ist es ein erschöpfendes Geschäft, Kollegen von außerhalb, also Neueinstellungen oder Umsetzungen, an Ihre Schule zu holen. Da Ihre Ansprechpartner für dieses Geschäft meist genauso überlastet sind wie Sie, müssen Sie permanent nachhaken. Häufig müssen Sie nötige Fachbedarfe wie die Nadel im Heuhaufen suchen und nicht selten führen Sie viele Personalgespräche für Neueinstellungen, bis wirklich ein Kollege ja sagt und zu dieser Entscheidung auch steht. Unterschiedliche Einstellungsbedingungen in den verschiedenen Bundesländern führen immer wieder zu noch sehr kurzfristigen Umentscheidungen gerade bei neuen Kollegen.

1.1 Welche Planungsdaten benötigen Sie?

Für die Planung der Lehrerversorgung Ihrer Schule haben Sie mehrere Grundlagen, die in der folgenden Übersicht zusammengestellt sind:

Planungsgrundlagen für die Lehrerversorgung

  1. Die Stundentafel Ihrer Schulform (Schülergrundstunden und Lehrermehrstunden).
  2. Die tatsächlichen Schülerzahlen Ihrer Schule. Diese Zahlen werden mindestens jeweils einmal im Jahr an Ihrer Schule von Ihnen statistisch erhoben und an die Behörde weitergegeben. Auf dieser Basis erstellen Sie im Frühjahr eine Prognose als Grundlage für die Berechnung des Lehrerstundenbedarfes des jeweils kommenden Jahres. Hier kann ein Dauerproblem verborgen sein: Da Sie an Ihrer Schule meist Unterricht in Klassenverbänden erteilen müssen, die konkrete Lehrerstundenzuweisung aber in vielen Bundesländern nach Schülerkopfzahlen erfolgt, bringen Ihnen Klassen, die unterhalb der Orientierungsfrequenz liegen, ein Lehrerstundendefizit, das Sie schulintern auffangen müssen. In diese Prognose fließen auch die Ergebnisse der Anmelderunden (Vorschule, Jg. 1, Jg. 5, Jg. 7, Jg. 11) für das neue Schuljahr ein.
  3. Eine Übersicht über die Reduzierungs-/Aufstockungs-/Beurlaubungswünsche Ihres Kollegiums, die bekannten langfristigen Krankheiten und vermutlichen Pensionierungen. Meist setzen die Personalabteilungen einen Stichtag, an dem entsprechende Anträge eingegangen sein müssen, im Regelfall über Ihren Schreibtisch, mit Ihrer Unterschrift versehen. Damit haben Sie zu diesem Zeitpunkt einen ersten Überblick über die Entwicklung der tatsächlich vorhandenen Lehrerstunden für das kommende Jahr. (Natürlich ändern sich diese Angaben danach immer noch durch neue langfristige Krankheiten, Schwangerschaften, Abordnungen an andere Dienststellen oder Auslandsbewerbungen zu einem späteren Zeitpunkt.)
  4. Sie bekommen den aktuellen Stand der Lehrerstundenzuweisung mit Ist und Soll auf Nachfrage von der zuständigen Stelle in Ihrer Behörde, wenn Sie diese an der Schule nicht vorfinden. Wenn Sie noch keinerlei Berührung mit der Planung der Lehrerversorgung hatten, vereinbaren Sie einen Termin und lassen sich diese „Abrechnung“ detailliert von Ihrem Ansprechpartner in der Behörde erklären. Sprechen Sie danach noch mit einem erfahrenen Schulleiter über mögliche Konfliktpunkte.
  5. Neben den quantitativen Bedarfen (Punkte 1. bis 4.) müssen Sie auch klären, ob alle Fächer in ausreichendem Maße vertreten sind oder bestimmte Fachbedarfe nur über neue Kollegen abgedeckt werden können.