Mein Arbeitsplatz

Beanspruchungsverhältnisse gemeinsam analysieren

Das Programm Denkanstöße!

von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt, Dr. Andreas W. Fischer

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Worum es geht

Der Beitrag zeigt, wie man Ressourcen aufdecken und nutzen kann, um damit schulische Arbeitsverhältnisse zu verbessern, die Entwicklung jeder einzelnen Lehrkraft zu fördern und die gemeinsame Verantwortung von Leitung und Kollegium zu stärken.

1. Denkanstöße – was läuft bei uns gut, was bedarf der Veränderung?

Das Programm Denkanstöße! (Schaarschmidt/Fischer 2012) ist ein Angebot, das sich sowohl an Sie, die Schulleiterinnen und Schulleiter, als auch an alle Lehrerinnen und Lehrer Ihrer Schule richtet. Es bietet Ihnen die Möglichkeit, in gemeinsamer Verantwortung von Leitung und Kollegium eine Standortbestimmung bezüglich Ihrer schulischen Arbeitsverhältnisse vorzunehmen, Veränderungsbedarf herauszuarbeiten und für notwendig erachtete Veränderungen auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus kann jede einzelne Lehrkraft das Programm nutzen, um ihre persönliche Arbeits- und Beanspruchungssituation näher zu beleuchten und daraus Schlussfolgerungen für sich selbst abzuleiten. Für Sie als Schulleiterinnen und Schulleiter sollte es vor allem eine wirksame Unterstützung bei der Entwicklung einer auf Kooperation und Partizipation ausgerichteten Führungsarbeit sein.

Das Programm beginnt mit einer Analyse, die mittels des Online-Instruments IEGL erfolgt. Auf der Grundlage der Ergebnisauswertung schließen sich dann Maßnahmen der Intervention an, die sowohl auf die direkte Unterstützung der Personen als auch auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen abzielen können. Was hier konkret realisiert wird, ist von Leitung und Kollegium gemeinsam zu vereinbaren. Bei der Ergebnisauswertung wie auch bei der Beratung über die angemessenen Interventionsschritte kann auf externe Unterstützung, sprich die Mitarbeit von Moderator/innen zurückgegriffen werden.

Im vorliegenden Beitrag stellen wir zunächst das analytische Herangehen vor. Die an die Analyse anknüpfenden Maßnahmen der personen- und bedingungsbezogenen Intervention sind Gegen­stand des zweiten Beitrags.

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Hier finden Sie Näheres …

Alle konkreten Informationen zur Nutzung des Programms Denkanstöße! finden Sie unter: https://www.ichundmeineschule.eu (zuletzt abgerufen am 18.04.2019)

2. Grundlage – die Potsdamer Lehrerstudie

In den Jahren 2000 bis 2006 haben wir die umfangreiche Potsdamer Studie zur Beanspruchungssituation im Lehrerberuf durchgeführt. Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass für zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer kritische Beanspruchungsverhältnisse bestehen (Schaarschmidt 2005; Schaarschmidt/Kieschke 2007). Auch nachfolgende Erhebungen bestätigten immer wieder das problematische Bild. Bis heute befassen wir uns mit den notwendigen Schlussfolgerungen aus den Untersuchungsergebnissen. Sie gehen vor allem in zwei Richtungen:

  1. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verbesserung einer Reihe von Rahmenbedingungen des Lehrerberufs erforderlich ist. Dazu haben wir mit den bisherigen Ergebnispublikationen (siehe oben) bereits zahlreiche Überlegungen und Vorschläge eingebracht.
  2. Die Ergebnisse fordern dazu auf, dass Schulen sich noch intensiver mit den Veränderungsmöglichkeiten befassen, die sie selbst haben. Hier knüpft der vorliegende Beitrag an.

Ohne Frage gibt es vor Ort, in den Schulen, noch erhebliches Potenzial für die Reduzierung beruflicher Belastungen und die Schaffung günstigerer Arbeitsbedingungen. Darauf weisen insbesondere die beachtlichen Unterschiede im Beanspruchungserleben von Lehrerinnen und Lehrern hin, die wir beim Vergleich von Schule zu Schule vorfanden – und zwar auch dann, wenn es sich um die gleiche Schulform in der gleichen Region handelte. Offensichtlich hängt vieles davon ab, wie der berufliche Alltag an der jeweiligen Schule konkret verläuft.

Als die entscheidenden Faktoren, die die vorgefundenen Unterschiede erklären, machten wir das soziale Klima im Kollegium und insbesondere das Verhalten der Schulleitung aus. Dort, wo der Führungsstil der Leitung als kooperativ-unterstützend wahrgenommen wurde und wo sie es nach Einschätzung der Lehrerinnen und Lehrer gut verstand, das ganze Kollegium in die Gestaltung der Schule einzubeziehen, zeigten sich in der Regel auch sehr viel günstigere Ausprägungen im Beanspruchungserleben.

wichtig

Denkanstöße! – Veränderungsbedarf aufdecken

Mit dem Programm Denkanstöße! bieten wir Schulen die Möglichkeit, sich mit den Arbeitsverhältnissen vor Ort auseinanderzusetzen, Veränderungsbedarf herauszuarbeiten und schließlich auch die verfügbaren Ressourcen für die Realisierung von Veränderungen sichtbar und nutzbar zu machen. Es ist ein Unterstützungsangebot, das sich gleichermaßen an Schulleitung und Kollegium richtet und nur über die engagierte Mitwirkung beider Seiten wirksam umgesetzt werden kann. Klar ist aber auch, dass der entscheidende Impuls beim Einsatz des Programms und der Verwertung der Ergebnisse von der Schulleitung ausgehen muss.