Mein Arbeitsplatz

Handlungsmöglichkeiten des Schulleiters bei Verweigerung

„Das ist nicht meine Aufgabe, das muss ich nicht tun!“

von Gerhard Koller

Worum es geht

Konflikte mit Lehrern, die sich verweigern, die Innovationen und Veränderungen nicht mittragen und mitgestalten wollen, die an ihrer tradierten Berufseinstellung festhalten und damit Entwicklungen und das Schulklima negativ beeinflussen – ein Problem an vielen Schulen. Wie soll ich damit umgehen, welche Mittel und Möglichkeiten habe ich als Schulleiter, diese Kollegen mit einzubinden? Einige Anregungen finden Sie im Beitrag.

1. Veränderte Anforderungen an Lehrer

Nicht erst seit die Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien wie TIMSS und PISA vorliegen, ist Bewegung in die Schule geraten. Viele Schulleitungen und Lehrkräfte haben bereits vorher begonnen, sich auf den Weg zu machen und ihre Schule weiterzuentwickeln. Die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Veränderungen in der Familienstruktur, der Einfluss der Medien auf Schüler und nicht zuletzt die zunehmende Auswirkung von Einflussfaktoren aus der Wirtschaft trugen mit dazu bei, die traditionelle Schule und ihre Arbeit zu überdenken.

Unter dem Stichwort „Schulentwicklung“ machten sich viele Kollegien auf den Weg, ihre bisherige Arbeit zu reflektieren und neu zu orientieren, wurden Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Unterrichtsentwicklung zu Bereichen, mit denen sich Kollegien und Steuergruppen intensiv auseinander setzten.

Diese Prozesse wurden in der Regel „von unten“, von der Basis, von der einzelnen Schule angestoßen und waren Teil der Entwicklung zu einer Schule mit größerer Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, aber auch mit größerer Verpflichtung zu Qualität und Ergebnisverantwortung. Qualitätsstandards, Bildungsstandards, interne und externe Evaluation sind Bereiche, die in diesem Zusammenhang Eingang in die pädagogische Diskussion gefunden haben.

Veränderungen für jeden Lehrer

Für den einzelnen Lehrer ergaben sich gravierende Veränderungen. Hatten bisher viele Lehrer den Beruf ergriffen, um in erster Linie Unterricht in ihren Fächern und in ihrer Klasse zu erteilen, diesen vor- und nachzubereiten, zu korrigieren und die mit dieser Tätigkeit verbundenen Gespräche mit Schülern, Eltern und Kollegen zu führen, während alles Übrige Sache der Schulleitung und der Schulverwaltung bzw. Schulaufsicht war, so trat nunmehr die Schule als Organisation selbst in das Zentrum der Betrachtungen, wurden Begriffe wie „Qualitätssicherung“, „Personalführung“ Gegenstand von Diskussionen. Diese Suche nach Veränderungsmöglichkeiten aus eigener Kraft und die Erkenntnis, dass angesichts knapper öffentlicher Haushalte wesentliche Veränderungen und Verbesserungen nicht mehr „von oben“ kommen können, sondern dass die Kreativität und Innovationsbereitschaft des Einzelnen gefragt ist, bereitet manchem Lehrer noch große Probleme.

Einzelne verweigern Beteiligung

Während ein zunehmend größerer Teil der Lehrerkollegien seine Einstellungen verändert, gibt es fast in jedem Kollegium hartnäckige Fälle, die nicht mitziehen wollen, die sich den Anforderungen daraus, ihre Schule zu verändern, aber auch gewohnte Bahnen zu verlassen, Neues zu entwickeln, anders miteinander zu kooperieren, verweigern.

Deren Verweigerungshaltung erschwert es nicht nur Ihnen als Schulleitung, sondern oft auch dem Kollegium, begonnene Vorhaben gemeinsam weiterzuentwickeln. Geht es dabei doch um das Selbstverständnis von Schule, um Gemeinschaft, Kollegialität, aber auch um Autorität, Macht, das Verhältnis von Vorgesetzten zu Mitarbeitern etc.

Das öffentliche Dienstrecht, insbesondere das Beamtenrecht, machte es in solchen Fällen kaum leichter, da mit rechtlichen Positionen diesen Kollegen häufig nicht beizukommen war: Sie hielten sich an die Vorschriften und erfüllten das Mindestmaß ihrer Dienstpflichten in der Regel sehr genau – aber eben auch nicht mehr. Das mag in früheren Zeiten genug gewesen sein; oft genug jedenfalls war es kein Anlass für den Schulleiter, ernsthafte Kritik an dem Kollegen zu üben. Heute aber zeigt schon ein Blick in die Lehrerdienstordnungen der Länder, dass viel mehr als „nur“ guter Unterricht vom Lehrer erwartet wird.

Welche Möglichkeiten haben Sie als Schulleiter mit einem Kollegen umzugehen, der sich allen Aktivitäten verweigert, die über das reine „Stundengeben“ hinausgehen?

2. Verweigerung: „Das mache ich nicht!“

Beispiel

Verweigerung eines Einzelnen gefährdet Entwicklungsvorhaben

Georg K., Lehrer, 57 Jahre alt, verheiratet, keine Kinder, Klassenlehrer in einer Hauptschulklasse, 8. Jahrgangsstufe, verweigert seine Beteiligung.

Die Steuergruppe Ihrer Schule hatte vorgeschlagen und von der Lehrerkonferenz wurde es diskutiert: Ein pädagogischer Tag an einem Samstag, um gemeinsam das Konzept für die Weiterentwicklung der Hauptschule als Teil des Schulprogramms zu erarbeiten. Dabei sollten alle Lehrkräfte mitwirken, um eine breite Basis für abgestimmte Maßnahmen zu erhalten.

Kollege K. beteiligte sich in der Konferenz nicht an der Diskussion, zeigte aber durch intensive Beschäftigung mit seinem Terminplaner und Korrekturarbeiten demonstratives Desinteresse und äußerte sich anschließend gegenüber anderen Kollegen und Ihrem Stellvertreter, dass er diesen Mist nicht mitmache. Dafür habe er keine Zeit.

Ihr Konrektor, aber auch andere Mitglieder der Steuergruppe, berichten Ihnen diesen Vorfall – auch in der Erwartung, dass Sie Kollegen K. zur Rede stellen. Denn es gibt noch einige Kolleginnen und Kollegen an der Schule, denen auch der frühere Arbeitsstil („Vormittags Schule – nachmittags frei!“) sehr angenehm war und die gerne wieder dahin zurückkehren würden, dies aber nicht offen äußern. Insofern ist es im Interesse der Gesamtentwicklung der Schule dringend erforderlich, mit Kollegen K. eine Vereinbarung zu treffen.