Mein Arbeitsplatz

Von der Problem- zur Lösungsorientierung

Beratungsgespräche führen

von Erika Lüthi

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Worum es geht

Lernen Sie eine lösungsorientierte Form des Beratungsgespräches kennen und erfahren Sie, wie Sie sie anwenden können. So unterstützen Sie Lehrer, Schüler, Eltern bei der Lösungssuche in herausfordernden Situationen und begleiten Sie dabei, umsetzbare Lösungen zu finden. Außerdem gelingt es ihnen damit, mit dem Kollegium schwierige Situationen so zu bearbeiten, dass das im Kollegium liegende Potenzial optimal genutzt wird.

1. Lösungsorientiert Denken

Haben Sie auch schon erlebt, dass

  • Sie Lösungen suchten und stattdessen Ratschläge bekamen, die für Sie nicht umsetzbar waren?
  • Sie einen Gesprächspartner zum gemeinsam Denken suchten und Ihnen stattdessen gesagt wurde, was Sie zu tun oder zu unterlassen haben?

Und hinterließ dies alles nicht ein schales, unzufriedenes Gefühl? In diesem Beitrag wird Ihnen aufgezeigt, wie Sie dies anders machen können. Ich wünsche Ihnen, dass Sie am Recherchieren und Forschen auf diese Art und Weise zu kommunizieren so viel Spaß und Freude haben werden wie ich dies in meiner langjährigen Berufserfahrung als Supervisorin auch haben durfte!

Erfolgreiche Beratungsgespräche, die in kurzer Zeit von der Problem- zur Lösungsorientierung führen, machen nicht nur Spaß, sie sind effizient und meistens erfolgreich, Es ist wie die Arbeit eines Detektives, der genau hinschaut, nicht auf Nebenschauplätze ausweicht und seine Lupe an den wesentlichen Punkt hält. Im ziel- und lösungsorientierten Gespräch werden mit gezielten Fragen Lösungen gesucht. Überflüssiges wird ausgeklammert. Die Konzentration liegt auf dem, was erreicht werden soll. Die zentrale Frage ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung des Problems. Der Hintergrund dazu ist das systemisch-konstruktivistische Denken.

Systemisch-konstruktivistisches Denken

Das systemisch-konstruktivistische Denken geht davon aus, dass

  • wir uns die Welt durch das Erkennen von Unterschieden und das Herstellen von Zusammenhängen erschaffen. Wenn sich die Ansichten von der Welt ändern, ändert sich auch die Art und Weise, wie ein Mensch auf die Welt Bezug nimmt, und es ändert sich auch sein Verhalten.
  • jede menschliche Wirklichkeit eine durch die Sprache konstruierte Wirklichkeit und Ausdruck einer bestimmten Haltung ist. So können durch die Sprache neue Denk-, Haltungs- und Handlungswirklichkeiten entwickelt werden.
  • die einzelnen Teile eines Ganzen zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Wenn sich die Interaktionen innerhalb eines Systems verändern, wird es einer einzelnen Person möglich sein, sich zu ändern. Wenn eine einzelne Person ihr Verhalten ändert und damit das System anstößt, wirkt sich dies auf die anderen Teile des Systems aus.
  • alle Systeme und alles Wissen miteinander verbunden sind.

wichtig

Ein individuelles Bild der Welt

Das systemisch-konstruktivistische Denken geht also davon aus, dass es keine objektive Wahrnehmung der Realität gibt. Angenommen, wir würden gemeinsam aus demselben Fenster schauen und uns nachher erzählen, was wir alles gesehen haben, es gäbe unterschiedliche Beschreibungen und Schwerpunkte. Wir schauen die Welt da draußen an, und wir verstehen und interpretieren das, was wir da sehen, in unserer ganz und gar persönlichen Art und Weise. Und so formen wir ein individuelles Bild der Welt, des Lebens, der Schule, des Zusammenlebens, des Umgangs miteinander.

Lösungsorientierte Gesprächsführung und Wirklichkeit

In der Lösungsorientierten Gesprächsführung sind Annahmen und Erwartungen, wie eine Situation sein oder verlaufen müsste, Konstrukte der Wirklichkeit, so wie jeder einzelne von uns die Welt sieht. Dazu gehören auch Vorurteile und Wunschdenken. Unsere Bilder der Wirklichkeit bauen auf Erfahrungen und Annahmen, wie etwas zu funktionieren oder zu sein, hat auf. Diese mentalen Modelle und Konstrukte sind uns häufig nicht bewusst. Weil wir aus diesen mentalen Modellen heraus denken, Dinge überlegen, Geschehenes interpretieren und Probleme verstehen, haben sie für uns und die anderen eine große Wirkung.

Durch Sprache und Kommunikation können sich neue Bedeutungen, neue Wirklichkeiten, neue Denk-, Haltungs- und Handlungswirklichkeiten entwickeln. In den systemisch-konstruktivistischen Beratungsgesprächen geht es darum, eingefahrene Wahrnehmungsvorgänge, Deutungsmuster und Handlungsabläufe so zu stören, dass andere brauchbarere Wirklichkeiten entstehen können. Diese neuen Konstrukte führen zu Perspektivenerweiterungen und zu anderen Einstellungen und geben so die Möglichkeit, andere Erfahrungen zu machen und sich ein anderes Bild der Wirklichkeit zu konstruieren. Somit wird es auch möglich, das eigene Verhalten zu verändern. Gleichzeitig ist dies der Weg zu neuen, bisher nicht bekannten Lösungen.