Mein Arbeitsplatz

Elternberatung professionalisieren

Auch in Konfliktsituationen im Gespräch bleiben

von Nicole Klän

Sie wollen den kompletten Text lesen?

Worum es geht

Elternberatung gehört zwar zur alltäglichen Arbeit, wird aber meist nicht als ein systematisch zu erschließendes Arbeitsfeld verstanden, das ausdifferenziert und professionalisiert werden kann. Eine Professionalisierung der Elternberatung setzt voraus, dass sie im Sinne einer systematischen Qualitätsentwicklung auf ihre Berechtigung und Wirksamkeit hin überprüft und gegebenenfalls modifiziert werden kann. Dabei hilft die Erarbeitung klarer Gesprächsstrukturen.

1. Elternberatung

Elternberatungen gehören zum Alltag im Schulbetrieb. Dabei orientieren sich die Ansprüche an die Elternberatung, an Gesprächsqualität und Gesprächsführung nicht selten an privaten, d.h. familiären oder freizeitlichen, Gesprächen. Das ist insofern kritisch als wir im Alltag dazu neigen, konflikthafte Situationen zu vermeiden und den Kontakt zu schwierigen Interaktionspartnern zu verringern.

Im Gegensatz zur Kommunikation im privaten Bereich sind die Lehrkräfte im Arbeitsfeld Schule nicht frei in der Wahl ihrer Kommunikationspartner. Die beruflichen Notwendigkeiten erfordern es teilweise, auch mit Personen in Kontakt zu treten, die im privaten Leben gemieden würden.

2. Elternberatung verändern

Eine systematisierte Elternarbeit, die einer internen Qualitätskontrolle unterliegt, ist noch selten. Auf eine solch strukturierte Elternarbeit angesprochen, reagieren Lehrkräfte oft ablehnend. Ihre Aufgabe als Schulleitung ist, das Kollegium mit „ins Boot zu holen“. Dazu sollten Sie sich überlegen, inwiefern eine systematisierte Elternberatung das Kollegium entlasten kann und durch welche Maßnahmen die Qualität der Beratung gesichert werden kann.

3. Wege zur professionellen Elternberatung

Professionelle Elternberatung fordert nicht nur die einzelne Lehrkraft, sondern die Schule insgesamt. In einem Gesprächsleitfaden können Sie die wichtigsten Strukturen einer Beratung darlegen.

Klare Vereinbarungen sind ein Baustein der systematisierten Beratung: Eltern und Lehrkräfte vereinbaren, dass Elternberatungen geplante Gespräche sein sollen, die terminiert werden. Nicht vereinbarte Gesprächszeiten dienen nur einem kurzen Informationsaustausch sowie der Verabredung eines Beratungstermins. So ist der Weg zu einem Beratungsgespräch für alle Seiten klar geregelt und die Lehrkräfte stehen nicht mehr unvorbereitet vor einem spontanen Gespräch.

In Konfliktsituationen und bei Kommunikationsproblemen ist es elementar, den Kontakt zu halten bzw. zu intensivieren. Nur durch das gemeinsame Gespräch wird die Möglichkeit geschaffen, die Beziehung aufrechtzuerhalten. Erst das In-Kontakt-Gehen und das In-Beziehung-Bleiben ermöglichen den Lehrkräften ein sachliches, selbstbestimmtes und freundliches Gespräch durchzusetzen.

Die professionelle Elternberatung rückt die „berufsfeldgebundene Beziehung der Gesprächsbeteiligten“ in den Mittelpunkt des Geschehens. Das bedeutet,

  • den Beratungsablauf zu strukturieren
  • einen Überblick zum Gesprächsablauf und zur Rollenklärung zu geben
  • Gesprächsregeln zu vereinbaren
  • inhaltlich Klarheit und Transparenz zu schaffen
  • das Problem zu benennen,
  • der Sichtweise der Eltern aktiv zuzuhören,
  • eigene Sichtweisen/Haltungen einzubringen
  • Gemeinsamkeiten herauszustellen
  • Handlungsmöglichkeiten gemeinsam zu erarbeiten
  • Maßnahmen zu verabreden

4. Fazit

Eine systematisierte und professionelle Elternberatung hilft allen Beteiligten, auch in Konfliktsituationen zielführende Gespräche zu führen. Klare Vereinbarungen und eine gut strukturierte Gesprächsführung können die Gespräche auf einer professionellen Ebene halten. Hier ist nicht nur die einzelne Lehrkraft gefordert, sondern auch die Schulleitung. Sie kann dem Kollegium passende Leitfäden zur Verfügung stellen und bei Bedarf entsprechende Fortbildungen anbieten.

Dieser Text beruht auf dem Beitrag „Elternberatung verbessern - Von der Bestandsaufnahme zu den ersten entlastenden Schritten“ von Thomas Rimmasch.

Literatur

  1. Bleicher, K. 1991: Organisation. Strategien, Strukturen, Kulturen, Wiesbaden
  2. Fend, H. 1977: Schulklima. Soziale Einflußprozesse in der Schule. Weinheim, Basel
  3. Gehm, T. 1997: Kommunikation im Beruf. Hintergründe, Hilfen, Strategien, Weinheim, Basel
  4. Haenisch, H. 1985: Was ist eine „gute“ Schule? Empirische Forschungsergebnisse und Anregungen für die Schulpraxis. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Bericht Nr. 7, Soest
  5. Schein, E.H. 1984: Coming to a new awareness of organizational culture, S. 4, in: Sloan Management Review 25, Nr. 2, S. 3-16
  6. Schreyögg, G. 1999: Organisation. Grundlagen moderner Organisationsgestaltung, Wiesbaden, S. 435 ff.
  7. Steimann, H./Schreyögg, G. 2000: Management. Grundlagen der Unternehmensführung. Konzepte, Funktionen, Fallstudien, Wiesbaden, S. 621 ff.

Schlagwörter Elternberatung, Elternarbeit, Gesprächsführung, Gesprächsleitfaden, Gesprächsregeln, Beratungsgespräch, Schulkultur, Mitarbeitergespräch, Qualitätsentwicklung, Schulklima, Lehrkraft, Inklusion, Beratung, Fortbildung, Qualitätsmanagement, Schulleitung, Selbstmanagement