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Rückmeldekultur – ein Thema für unsere Schule?

Alle profitieren vom Schüler-Feedback

von Gabriele Keil-Haack

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Worum es geht

Täglich geben und empfangen wir Rückmeldungen – bewusst und unbewusst. Dass Sie diesen Vorgang trotz aller Belastungen im Schulalltag als Instrument einsetzen können, um Kollegen und Schüler zu stärken und Unterricht aus sich heraus weiterzuentwickeln, soll dieses Kapitel aufzeigen.

1. Rückmeldekultur als Chance

1.1 Aus der Innensicht

Ich möchte Sie mit diesem Artikel ermutigen, den Blick in Ihrer Schule darauf zu richten, inwieweit die Entwicklung einer Rückmeldekultur dazu beitragen kann, angesichts vieler neuer Anforderungen die berufliche Arbeitszufriedenheit der Kollegen zu stärken.

Die Schüler ihrerseits erhalten die Chance, ihre Einschätzung zum Unterricht mitzuteilen und damit Einfluss auf die Gestaltung von Unterricht zu nehmen. Sie erfahren Selbstwirksamkeit, weil sie Verantwortung für ihr Lernen wahrnehmen können.

1.2 Aus der Außensicht der Qualitätsanalyse

Schulinspektion ist in vielen Bundesländern ein aktuelles Thema. Die Qualitätsanalyse, die seit dem Schuljahr 2006/2007 für alle Schulen verbindlich in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird, umfasst sechs Prozess-, Ergebnis- und Wirkungsqualitäten des Systems Schule:

  • Ergebnisse der Schule,
  • Lehren und Lernen – Unterricht,
  • Schulkultur,
  • Führung und Schulmanagement,
  • Professionalität der Lehrkräfte,
  • Ziele und Strategien der Qualitätsentwicklung.

Eine entwickelte Rückmeldekultur hilft, Unterricht aus sich heraus zu entwickeln, hat positive Auswirkungen auf das Schulklima und erleichtert die Individualisierung des Unterrichts, weil Schüler ihr Lernen selbsttätiger steuern.

Im Bereich Unterricht werden wir daran gemessen, wie wir die Frage der Individualisierung von Lernprozessen in Angriff nehmen. Der nachfolgende Auszug stammt aus dem Erfassungsbogen zur Qualität von Unterricht in NRW (Schulministerium NRW 2006):

Auszug Erfassungsbogen zur Qualität von Unterricht NRW

Auszug Erfassungsbogen zur Qualität von Unterricht NRW

2. Wir profitieren alle vom Feedback

2.1 Was bedeutet Feedback?

Wichtig

Feedback

Feedback ist eine individuelle Mitteilung an eine Person, die gezielt nach Rückmeldung fragt. Sie erhält dadurch Informationen, wie sie von anderen wahrgenommen, erlebt und verstanden wird.

Was sie davon für sich akzeptiert und welche Konsequenzen sie daraus zieht, ist in ihr Ermessen gestellt. Das heißt, wie der Lehrer oder Schüler mit den Rückmeldungen umgeht, ob er sie für Veränderungen nutzt, bleibt seine Entscheidung.

In unserem Schulsystem laufen in der Regel die Rückmeldungen ausschließlich von der Lehrkraft in Richtung Schüler und schaffen dadurch dauerhaft asymmetrische Verhältnisse. Trotz einer hierarchischen Beziehung zwischen Lehrern und Schülern gibt es dennoch eine Wechselwirkung zwischen allen am Unterricht Beteiligten.

2.2 Wozu brauchen wir Rückmeldung?

Keine Angst vor Noten! Feedback von Schülern ist keine Umkehrung im Sinne von: „Nun geben die Schüler den Lehrern Noten.“ Denn die Lehrkraft räumt Schülern die Möglichkeit ein, zu einem Aspekt ihres Unterrichts Stellung zu beziehen. Damit sieht sie den Schüler nicht in seinen fachlichen Leistungsvermögen, Defiziten oder Stärken, sondern als Wissenden seines eigenen Lernprozesses. Aus dieser Perspektive heraus gibt der Schüler der Lehrkraft ein Feedback. Miteinander begeben sie sich auf einen Weg, der einer Schatzsuche ähnlich ist.

Wir Lehrer brauchen Rückmeldungen,