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Der Weg zum schuleigenen Curriculum

„Lernen lernen“ mehr als ein Methodenkurs!

von Peter O. Chott

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Worum es geht

In Zeiten, in denen Wissen schnell veraltet, Jung und Alt täglich zunehmend eine Daten- und Informationsflut bewältigen müssen, erscheint – mit Blick auf die Schule – der alte Satz Hugo Gaudigs „Der Schüler muss Methode haben“ hochaktuell. Der folgende Beitrag stellt Eckpfeiler eines schulinternen Curriculums zum Bereich „Lernen lernen“ vor und gibt einen Überblick zu möglichen Methoden für den Unterricht. Dieser kann Ihrem Kollegium als Grobstruktur für eine Materialsammlung dienen.

1. Ein Thema für die Grundschule?

Das „Lehren des Lernens“ beschreibt einen Prozess, in dem an Lehrinhalte gebundenes Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und emotional beeinflusste Einstellungen und Grundhaltungen, die das eigene Lernen betreffen, gelehrt werden sollen. Dabei wird versucht, durch das Bereitstellen und Arrangieren von Situationen innere Prozesse bei Lernenden zu bewirken oder zu optimieren. Der so gekennzeichnete Lehrprozess beinhaltet das bewusste Anbieten und Vermitteln diverser Primärstrategien und das (Er-)Lernen unterstützender Sekundärstrategien. Er zielt auf den Aufbau von Lernkompetenz, die sich als gegenseitige Verschränkung von Sozial-, Fach-/Sach-, Selbst- und Methodenkompetenz versteht (Bertelsmann 2002).

Ziel dieses Prozesses ist die Selbstständigkeit oder – umfassender gesehen – die Bildung des Lernenden (Chott 2001).

Wissenschaftliche Befunde (vgl. Sarasin 1995), aber auch die praktischen Erfahrungen des Verfassers zeigen, dass ab dem Schuleintritt (wenn nicht früher) die bewusste Beschäftigung mit dem eigenen Lernen sowie die Vermittlung von Lernmethoden möglich ist. Da man aber feststellen muss, dass sich Lernende häufig nicht von selbst mit ihrem eigenen Lernen auseinander setzen, erscheint es folgerichtig und notwendig, bereits in der Grundschule diesen Prozess anzustoßen.

Direkte Konzepte: Lernen lernen wird Thema

Dabei kann das Lehren von Lernstrategien – verstanden als bewusstes oder unbewusstes Benutzen von Handlungssequenzen, mithilfe derer ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll (vgl. Sarasin 1995, S. 8) – indirekt oder direkt geschehen. Indirekte Konzepte zur Förderung von Methodenkompetenz im oben genannten Sinn sind beispielsweise Arrangements der Lernumgebung wie das Bereitstellen von Freiarbeitsmaterialien oder von Lernwerkstätten, die durch die Anordnung und Organisation der Lerngegenstände die Schüler zu selbstständigem Lernen anregen sollen. Direkte Konzepte – und dazu gehört der hier vorgestellte Ansatz – gehen davon aus, dass das Lernen selbst zum Lerngegenstand gemacht wird. Dabei soll durch Lehren beim Schüler eine bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernen (Metalernen) provoziert und dazu auch Möglichkeiten zum effektiveren eigenen Lernen angeboten werden (Lernen lehren).

Immer Verschränkung von Inhalt und Methode

Grundsätzlich weisen neuere Befunde der Empirischen Pädagogik (z.B. Bertelsmann 2002) darauf hin, dass die Verschränkung von Methoden und Inhalten am wirkungsvollsten und somit bei der Realisierung notwendig ist. Das bedeutet, dass ein alleiniges „Methodentraining“ in der Schule die „Lernkompetenz“ nur unzureichend fördert und das Lernen stets nur an entsprechenden Inhalten in entsprechenden Situationen gelernt werden kann.

Mathetik als Grundlage

Grundlage dieses Verständnisses von Lehren ist eine „schülerorientierte“ (mathetische) Sichtweise, die Lehren als Konstruktionshilfe für das Schülerlernen begreift und Lernen als aktiven, selbst organisierten Konstruktionsvorgang des Individuums versteht. Diese, historisch auf die „Mathetik“ (Lernkunst) des Johann Amos Comenius zurückgehende Auffassung (vgl. Golz u.a. 1996, 130 ff.), betont die Schülerperspektive im Unterricht und stellt den Gegenpol einer lehrerzentrierten Didaktik dar.

Der Schüler bzw. die Schülerin entscheidet demnach über die Annahme dieses Lernangebots letztlich selbst, sei es bewusst oder unbewusst. Der Lehrperson kommt – aus dieser Sicht – nicht die Rolle des „Lernenmachers“, sondern die des „Anbieters“ und „Lernarrangeurs“ zu.

Metalernen als durchgehendes Prinzip

Wichtig und relativ neu sind demnach die wiederholte, häufige, bewusste Beschäftigung des Schülers mit dem eigenen Lernen (Metalernen) und die bewusste, ausdrücklich thematisierte, an Inhalte gebundene, als Angebot verstandene Vermittlung von Techniken, Methoden, Strategien und Einstellungen durch die Lehrkraft!

2. „Dafür sorgt doch jeder in seiner Klasse“?

Für Schulleiter stellen sich folgende Fragen: Ist der Komplex „Lernen lernen“ an meiner Schule ein zu bearbeitendes Thema? Steht die enge Verschränkung von Methodenlernen und Inhalten nicht dafür, dass jeder Lehrer in seiner Klasse dies ohnehin übernimmt? Dient es der geplanten, individuellen Förderung der Fähigkeiten meiner Schüler, dieser Thematik mehr Beachtung zu schenken? Was kann ich als Schulleiter tun, um diesen Lernenlernen-Komplex an „meiner“ Schule zu etablieren bzw. die Umsetzung dort zu optimieren?